Ballard Power: Auf dem Weg zur Profitabilität

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Pierre-Etienne-Franc, © H2 Mobility

In immer mehr Medienberichten, Talkshows, Interviews führender deutscher Politiker wird die Brennstoffzelle explizit benannt – leider meist nur in Bezug auf den Dieselskandal deutscher Automobilbauer. Trotzdem ist dies ein untrügliches Zeichen dafür, dass ein Bewusstsein für die Potentiale der Brennstoffzellentechnik in Gang kommt. Pierre-Etienne Franc, Generalsekretär vom Hydrogen Council (s. Foto), sagte jüngst dazu: „Die Jahre 2020 bis 2030 werden für Wasserstoff das sein, was die 1990er-Jahre für Solar und Wind waren. Das ist ein echter Strategiewechsel.“

Der Verlust für das zweite Quartal mit 1,2 Mio. USD bzw. 0,01 USD pro Aktie ist das eine, aber ein um über 50 % gesteigerter Umsatz auf 26,1 Mio. USD ist etwas ganz anderes. Die Gewinnmarge konnte Ballard auf 38 % ausbauen, so dass der EBITDA mit 1,1 Mio. USD im Plus war. Auf das erste Halbjahr bezogen ein Plus von 0,4 Mio. USD. Der Umsatz im ersten Halbjahr stieg um 45 % auf 49,2 Mio. USD.

Die Börse hat diese guten Zahlen für das zweite Quartal mittlerweile durch höhere Kurse kommentiert: Das erste Mal in der Firmengeschichte und – so ein Statement aus dem Unternehmen – als erstes BZ-Unternehmen in der Welt konnte Ballard mit einem positiven EBITDA abschließen. Dies lässt die Prognose zu, dass wir im Jahresverlauf nachhaltig positive Zahlen (Ertrag) sehen werden. Der Bargeldbestand liegt zum Ende des Quartals bei beachtlichen 68,1 Mio. USD. Der Ausblick auf alle Unternehmensteile bzw. -sektoren wird von Vorstandschef MacEwan als ausgezeichnet beschrieben, O-Ton: „… wir liefern eine starke zweite Halbzeit mit einem rekordverdächtigen Auftragsbuch und einer robusten Verkaufspipeline.“

Vor allem die Chinesen geben richtig Gas: Großkunde und Großaktionär Broad Ocean erhöhte sogar noch den eh schon sehr ehrgeizigen Wachstumsausblick. Zudem suchen derzeit Vertreter des größten chinesischen Hafenbetreibers Abnehmer für circa 60.000 Tonnen Wasserstoff im Jahr und sprechen darüber mit den Kanadiern.

Stack-Produktion in China angelaufen

Die mit Guangdong Synergy auf den Weg gebrachte Produktion von Stacks für BZ-Busse (6.000 Stacks auf Jahresbasis 2017 und vorauss. 20.000 Stacks p. a. in wenigen Jahren) hat begonnen. Die ersten Stacks wurden als Testexemplare (u. a. Tests, Qualitätsprüfung, Eröffnungszeremonie fand am 5. Sept. 2017 statt) hergestellt. Hier geht es nun im weiteren Jahresverlauf richtig los: Drei-Schicht-Betrieb an fünf Tagen/Woche. Es wäre interessant zu erfahren, was Ballard pro Stack an Umsatz geniert und an Marge erhält. Ich tippe (ohne Obligo, eine Vision) auf 10.000 bis 30.000 USD pro Stack und einer Marge von 10 bis 30 %. Was das bedeuten würde, kann jeder leicht nachrechnen.

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Europa kommt langsam – USA hängt zurück

In Europa stehen Initiativen für den Einsatz von BZ-Bussen vor der Auftragsvergabe. Man spricht vorerst von 291 Bussen, bei denen sich Ballard als Stack-Zulieferer gute Chancen ausmalt. Zudem gibt es in Großstädten wie London eine Reihe von Initiativen, in den kommenden Jahren die Busflotten vollends umzustellen. In den USA stellt sich noch ein anderes Bild dar: Hier gibt es zwar Initiativen einzelner Kommunen und Unternehmen wie L.A. Metro (will bis Ende 2019 200 BZ-Busse auf die Straße bringen) sowie von Bundesstaaten (z. B. Kalifornien), aber so richtig wurden die Potentiale der Brennstoffzelle scheinbar noch nicht erkannt, obwohl die Vorgaben (20 Std. Dauereinsatz, Radius 250 Meilen) deutlich für Brennstoffzellen sprechen. (Telefonkonferenz O-Ton: „Die USA laufen Gefahr, im Hinblick auf den Serieneinsatz zurückzufallen.”)

Protonex enttäuscht – noch

Die Ballard-Tochter Protonex (u. a. Drohnen) hat bislang die Erwartungen nicht erfüllt, aber der Ausblick lässt große Fantasie zu, O-Ton: „… an einem positiv-kritischen Wendepunkt bei der Einführung von Brennstoffzellen angelangt.” Es geht um die Auftragsvergabe für bestimmte BZ-Anwendungen der US Army. Hier würde es recht lange dauern, bis nach intensiver Prüfung Aufträge vergeben werden. Derzeit dauert es zwar, aber es kommt – noch in 2017, so ist meine Interpretation. Zudem hat Protonex neben Boeing noch einen weiteren – ungenannt bleibenden – Groß- bzw. AAA-Kunden. Und: Es gab Äußerungen in der Telefonkonferenz, wonach man mit einem großen Unternehmen aus dem Logistikbereich bzw. Großunternehmen mit großem Logistikbereich in Verhandlungen bzw. Gesprächen stehen würde. Ich spinne mal (ohne Obligo, rein theoretisch): Das könnte Amazon sein, die ja schon mit Plug Power zusammenarbeiten und damit indirekt auch mit Ballard als Zulieferer.

Material Handling – weiterer Partner

Plug Power geht mit Tochter GenSure (ehemals ReliOn) mit eigener BZ-Stack-Produktion voran und bezieht immer weniger Stacks von Ballard (lässt sich an den diesbezüglichen Umsatzzahlen ablesen). Ballard selbst hat Plug bei der Umrüstung von Gabelstaplern von Anfang an begleitet und hat natürlich den perfekten Zugang zu den Auswertungen der BZ-Stacks. Ich denke, die Kooperation wird „auf kleiner Flamme“ weitergehen, aber für Ballard an Interesse abnehmen. Im Gegenteil: Es gibt Passagen im Transkript (schriftliche Fassung der Telefonkonferenz), die die Interpretation zulassen, dass Ballard einen neuen weiteren und eventuell viel größeren Partner für BZ-Stacks im Logistikbereich gewinnen könnte. Ich tippe auf Toyota Tshusho, mit denen Ballard eng zusammenarbeitet, ohne bislang die Perspektiven (Auftragspotential) im Detail zu beziffern. Die Toyota-Tochter ist mit fast 80 Mrd. USD Umsatz u. a. der weltgrößte Gabelstaplerhersteller. Sollte es für Ballard in diese Richtung gehen, wären das bessere Zulieferpotentiale für BZ-Stacks, als es Plug – trotz 15.000 Systemen im Markt – gewährleisten könnte, so meine Interpretation.

Risikohinweis

Jeder Anleger muss sich immer seiner eigenen Risikoeinschätzung bei der Anlage in Aktien bewusst sein und auch eine sinnvolle Risikostreuung bedenken. Die hier genannten BZ-Unternehmen bzw. Aktien sind aus dem Bereich der Small- und MidCaps, d. h. es handelt sich nicht um Standardwerte, und ihre Volatilität ist auch wesentlich höher. Es handelt sich bei diesem Bericht nicht um Kaufempfehlungen – ohne Obligo. Alle Angaben beruhen auf öffentlich zugänglichen Quellen und stellen, was die Einschätzung angeht, ausschließlich die persönliche Meinung des Autors dar, der seinen Fokus auf eine mittel- und langfristige Bewertung und nicht auf einen kurzfristigen Gewinn legt. Der Autor kann im Besitz von einigen der hier vorgestellten Aktien sein.

Der Autor Sven Jösting hat diesen Bericht Mitte September 2017 verfasst.

1 Gedanke zu “Ballard Power: Auf dem Weg zur Profitabilität

  1. Ein In Groß-Serie hergestelltes BZ-System für die Hausenegie-Versorgung im KWKK-Modus im Heizungs-Keller ist ohne Reformer-Einheit etwa 40% billiger, wenn nicht Fossil-Methan („erdgas“) sondern Wasserstoff (am besten Klima-neutral erzeugt) zur Verfügung steht, wie es im Dänischen Vestenskov der Fall ist. Die Umstellung von Kokerei-Gas auf Fossil-Methan ist geschichtliche Realität. Nun steht die Umstellung der Gas-Versorgung auf H2 Technik-historisch auf der Tages-Ordnung. Dafür wird die vereinte Contractoren-Macht sorgen, denn die teure Vermietung nieder-preisiger BZ-Systeme in 9 Mio Heizungs-Kellern verspricht hohen Profit.
    Carl-D.A. Lewerenz

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