Konzentration auf Wasserstoff und Brennstoffzellen

f-cellSeit 20 Jahren beschäftige ich mich mit Wasserstoff und Brennstoffzellen. 1997 war dieser Technologiebereich noch nicht einmal eine Nische. Der Begriff Brennstoffzelle war selbst etlichen Ingenieuren noch unbekannt, und Wasserstoff war einfach nur eines von vielen Elementen des Periodensystems. Lediglich ein paar Firmen tüftelten damals an Metallhydridspeichern oder phosphorsauren Brennstoffzellen.

Innerhalb weniger Jahre avancierte diese Techniksparte jedoch zum Hoffnungsträger sowohl für Automobil- als auch für Heizungshersteller. Deren allzu forschen Ankündigungen folgten allerdings keine Taten. Auch Jahre später nicht.

Dafür kam mit dem Aufflammen des Elektromobilitäts-Hypes eine neue Periode, in der Brennstoffzellen- und Batterietechnik nebeneinander existieren konnten. In dieser Zeit nahm die bereits 2000 gegründete HZwei das Thema Elektromobilität ganz bewusst mit auf in ihr Portfolio, um die verschiedenen Technologien gleichberechtigt gegenüberstellen zu können.

In dieser Zeit wurde auch die Nationale Organisation für Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie (NOW) mit der Aufgabe betraut, neben der Entwicklung der H2– und BZ-Technik auch die E-Mobilität voranzutreiben. In Stuttgart erweiterte die Peter Sauber Agentur die ehemals reine BZ-Veranstaltung f-cell um die Battery+Storage, und in Hannover fügte Tobias Renz den Zusatz „Batterien“ an seinen Gemeinschaftsstand für Wasserstoff und Brennstoffzellen an.

Seitdem ist viel passiert: Elektromobilität hat sich als eigenständiger Wirtschaftsbereich etabliert – sowohl in der Forschung als auch in der Industrie. Es gibt inzwischen eigenständige Messen und Kongresse und fachbezogene Zeitschriften zu dieser Thematik.

Außerdem hat sich ein weiteres spannendes Themenfeld aufgetan: Energiespeicherung. Dieser Bereich ist sehr viel enger mit dem originären Fokus von HZwei verbunden als batteriebetriebene E-Autos, weshalb es an der Zeit ist, die Konturen dieses Magazins etwas zu schärfen.

Aufmerksame Leserinnen und Leser werden festgestellt haben, dass Batterieautos in den letzten Ausgaben nicht mehr ganz so viel Raum eingenommen haben – außer in den Aktienanalysen von Sven Jösting (s. HZwei-Heft Okt. 2017, S. 51: Tesla). Dafür nimmt seit einigen Jahren die Energiespeicherung immer mehr Raum ein (s. S. 10 bis 25), da die Nutzung von Wasserstoff als Sekundärenergieträger deutlich an Interesse gewonnen hat – weit über die Gas- und Energiebranche hinaus.

Die H2– und BZ-Technologie hat sich in den vergangenen 20 Jahren so weit entwickelt, dass sie problemlos ein quartalsweise erscheinendes Heft füllen kann. Den besten Beweis liefert die vorliegende Oktober-Ausgabe, die erstmals über 64 Seiten verfügt. Natürlich ist darin auch weiterhin Elektromobilität enthalten (s. S. 26 bis 38), allerdings mit deutlich größerem Schwerpunkt auf BZ-Fahrzeugen.

Eine ähnliche Entwicklung ist auch auf Veranstaltungsebene festzustellen: So wird die Peter Sauber Agentur Messen und Kongresse die f-cell nach der EVS30 (s. S. 8) und nach sechs Jahren Zusammenarbeit wieder ohne die Landesmesse Stuttgart durchführen. Die Messegesellschaft wird dafür ab 2018 eine eigenständige E-Mobilitätsveranstaltung (elect!) ausrichten. Peter Sauber zieht mit der f-cell zurück ins Haus der Wirtschaft, wo er die H2– und BZ-Technik wieder stärker in den Mittelpunkt stellen möchte (s. S. 9).

In München streben ebenfalls zwei Veranstalter eine Neuausrichtung ihres Themenspektrums an: So soll auf der emove360° ab Oktober neben Elektromobilität auch Vernetzung und autonomes Fahren mit dargestellt werden. Und auf der Intersolar, die nur ein halbes Jahr später an gleicher Stelle stattfindet, sollen fortan E-Fahrzeuge und Ladeinfrastruktur mit untergebracht werden. Energiespeicherung ist dort bei der Begleitmesse ees ja bereits seit drei Jahren ein immer größeres Thema. Die soll aber 2018 um einen eigenen Wasserstoff- und Power-to-Gas-Gemeinschaftsstand erweitert werden (s. S. 6), wofür derzeit noch geeignete Partner gesucht werden.

Dies alles belegt, dass insgesamt das Interesse an Wasserstoff und Brennstoffzellen deutlich zunimmt und zwar nicht nur in Deutschland, sondern auch weltweit (s. H2-international).

Ich freue mich somit auf mindestens 20 weitere spannende Jahre.

Kommentar von Sven Geitmann – HZwei-Herausgeber

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