Wechsel von CEP zu H2 Mobility

H2-liveDie bislang noch recht geringe Anzahl an Wasserstofftankstellen in Deutschland gilt derzeit als erheblicher Hemmschuh bei der Etablierung einer H2-Mobilität. Bis Ende 2016 kümmerte sich im Wesentlichen die Clean Energy Partnership (CEP) um den Aufbau einer H2-Infrastruktur. Seit diesem Jahr ist offiziell die H2 Mobility Deutschland GmbH & Co. KG mit dieser Aufgabe betraut, und sie legt auch sogleich viel Engagement an den Tag. Die Übergabe des staatlich geförderten Demonstrationsprojekts an das von Großkonzernen gegründete Joint Venture gestaltet sich indes schwieriger als erwartet. HZwei fuhr deswegen zum EUREF-Campus nach Berlin, um sich dort ein Bild von dem Firmenkonsortium zu machen.

Alles fing an im September 2009, als zunächst neun Großunternehmen die H2 Mobility Initiative gründeten (Air Liquide, Air Products, Daimler, EnBW, Linde, OMV, Shell, Total, Vattenfall und NOW; s. HZwei-Heft Jul. 2010). Rund fünf Jahre später ging daraus ein Joint Venture hervor – allerdings ohne Air Products, EnBW und Vattenfall. Anfang 2015 gab es zunächst nur einen Briefkasten in der Linienstraße in Berlin-Mitte, und der pro forma eingesetzte erste Geschäftsführer, Dr. Martin Kleinschmitt, wurde sogleich von dem Interimsmanager Frank Sreball abgelöst (s. HZwei-Heft Jul. 2015 u. Jan. 2016). Erklärtes Ziel war damals wie heute: Ende 2023 rund 400 H2-Tankstellen in Deutschland errichten und diese betreiben.

Motivierte Mannschaft

Inzwischen leitet Nikolas Iwan seit gut einem Jahr H2 Mobility. Bei dem Besuch vor Ort stellte er die Gesellschaft als junges Unternehmen mit einem „hoch motivierten und kompetenten Team“ vor, das „in den nächsten zwölf Monaten mehr Tankstellen ans Netz zu bringen versucht, als in den vergangenen 15 Jahren in Deutschland gebaut wurden“.

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Seit Februar dieses Jahres ist nun das Team komplett: Fünfzehn fest angestellte sowie zehn freie Mitarbeiter gehen im zweiten Stock des Bürogebäudes ein und aus. Auf über 300 Quadratmetern hat Iwan, der sich im Bewerbungsverfahren gegenüber zahlreichen Mitbewerbern in einem Assessment-Center durchgesetzt hatte, eine Art „Leitwarte für den Aufbau der deutschen H2-Infrastruktur“ erschaffen.

Standorte identifizieren

Das Aufgabenspektrum ist bei H2 Mobility in zwei Themenfelder aufgeteilt: Ersteres ist Standortsuche und Bau, die von Lorenz Jung und seinem Team Network Delivery übernommen werden. Das Zweite ist zuverlässiger Betrieb und Optimierung der Tankstellen, worum sich die Mannschaft Network Operations von Frank Fronzke kümmert.

Der weitaus kleinere Teil der Standorte verbleibt – zumindest theoretisch – für den freien Markt, so dass sich auch ausländische Unternehmen (z. B. Nel) bewerben können. Andere europäische Akteure (z. B. McPhy oder ITM Power) haben in der Praxis indessen schlechte Karten. Iwan wies darauf hin, dass deren Betankungsanlagen teils Elektrolyseure beinhalten, aber die Installation von Elektrolyseanlagen nicht dem Mandat entspreche, für das H2 Mobility gegründet worden sei.

Damit neben den Metropolen auch andere Regionen mit Wasserstoff versorgt werden, konnten im März Bewerbungen bei H2 Mobility eingereicht werden. Auf diese Weise sollen so genannte „Keimzellen, in denen Wasserstoffnachfrage entsteht“, unterstützt werden. H2 Mobility hat dafür einen ersten Aufruf an geeignete Standorte beziehungsweise Regionen mit der potentiell größten H2-Abnahme durch Pkw veröffentlicht. Wie Iwan freudig berichtete, seien „überraschend viele, spannende Einsendungen“ eingegangen. Von den fast dreißig Bewerbungen kamen dann auch neun, bei denen eine „verbindliche Nachfrage nach Wasserstoff“ gewährleistet war, in die engere Auswahl. Nach einer weiteren Sichtung und Bewertung wurden letztlich drei Bewerber nach Berlin zu einem persönlichen Gespräch eingeladen, von denen einer den Zuschlag erhielt. Somit bekommt jetzt Halle (Saale) bis Herbst 2018 eine eigene H2-Tankstelle auf dem Tankstellengelände der PS Union. Wie Iwan bestätigte, wird es in den nächsten Monaten einen weiteren Aufruf geben (Bewerbungen nach dem Start des Aufrufs an standort@h2-mobility.de).

Übergabe CEP – H2 Mobility

Mitte Mai 2017 waren 27 H2-Tankstellen in Deutschland in Betrieb. Sieben davon werden von H2 Mobility betreut: drei wurden selbst aufgebaut und vier von der CEP übernommen. Allein an diesen Standorten lag die Verfügbarkeit bislang bei 100 Prozent.

Jeder Standort, der H2 Mobility angeboten wird, wird zunächst technisch überprüft und auch auf wirtschaftliche Gesichtspunkte hin analysiert. Iwan sagte gegenüber HZwei: „Wir übernehmen keine Tankstellen, die nicht unseren Kriterien entsprechen.“ Auch Andreas Füßel, der als eigenständiger Projektleiter für den CEP-Transfer zuständig ist, bestätigte: „Das ist mehr als nur die Übergabe von ein paar Dokumenten.“ So müssten beispielsweise Verträge ausgearbeitet werden, die die Mietzahlungen an die Tankstellenbetreiber sowie die Zugangsberechtigungen zu den Anlagen regeln, und vieles anderes mehr. Für all die erforderlichen Absprachen gibt es regelmäßige Meetings, bei denen sich die jeweils zuständigen Vertreter der Shareholder treffen.

Thomas Bystry, Vorsitzender der CEP, sprach in diesem Zusammenhang von rund zehn Tankstellen, die H2 Mobility gar nicht erst von den ehemaligen Besitzern angeboten würden. Dies betrifft beispielsweise die allein für Forschungszwecke konzipierte Station auf dem Gelände des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT), die bislang nicht offeriert wurde. Ähnlich ist es mit der Solar-Wasserstoff-Station des Fraunhofer ISE in Freiburg.

Darüber hinaus gibt es für CEP-Bestandsanlagen etliche Auflagen: So ist beispielsweise die Förderlaufzeit der Stationen in Geiselwind und in der Berliner Jafféstraße derzeit noch nicht ganz beendet, so dass die endgültige Übernahme noch aussteht. Erst wenn die Nachnutzung geregelt, der Abschlussbericht übergeben und die Begleitforschung nachgewiesen ist, erteilt der Projektträger Jülich (PtJ) der H2 Mobility die Freigabe.

Iwan erklärte: „Die Übernahme von Eigentum ist ein durchaus komplexer Vorgang, der sich mit einer entsprechenden Due Diligence (Risikoprüfung), Vertragsgesprächen, Prüfung der Fördermittelgeber usw. über einen großen Teil des Jahres 2017 hinziehen wird.“

Public-Private-Partnership

Die Gelder, mit denen H2 Mobility den Bau der Stationen finanziert, kommen jeweils zur Hälfte von den Shareholdern sowie von der öffentlichen Hand, wobei es der Truppe von Nikolas Iwan selbst obliegt, jeweils die passenden Fördertöpfe für das von der Industrie bereitgestellte Geld ausfindig zu machen. Während die bisherigen CEP-Standorte über das Nationale Innovationsprogramm Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie (NIP 1) gefördert wurden, kommen dabei jetzt neben dem NIP 2 auch EU-Fördervorhaben (COHRS und H2ME) zum Tragen.

Der schlanke Süddeutsche betonte in diesem Zusammenhang, dass es dem Unternehmen nicht darum gehe, Gewinn zu machen. H2 Mobility sei vielmehr zu dem Zweck gegründet worden eine Kosten- und Risikoteilung unter den Shareholdern zu gewährleisten und möglichst rasch die Preise runterzubekommen, so Iwan. Ab dem Zeitpunkt, an dem die GmbH schwarze Zahlen schreibe (laut Iwan „ab 2023, eher wohl ab 2025“), soll die Gesellschaft aufgelöst werden, so hat es auch das Kartellamt festgelegt. Iwan sagte: „Die Assets werden dann nach Anteilen der Shareholder zurückübertragen.“ Was anschließend mit seinem Team sowie mit dem Know-how passieren wird, ist allerdings noch offen.

Auf die Frage, ob hier nicht quasi vor den Augen des Kartellamtes ein Oligopol entstehe, das andere Unternehmen außen vor lasse und somit eine marktbeherrschende Stellung aufbaue, widersprach der Geschäftsführer und erklärte, auch andere Akteure seien eingeladen, ein entsprechendes Commitment abzugeben und sich zu beteiligen. Dabei hob er hervor, dass „nicht alle den gleichen Anteil beitragen“. Allein an der Anzahl der firmeneigenen Standorte sei erkennbar, dass beispielsweise OMV weniger bezahle als Total oder Shell.

Neue Homepage, neue App

Ganz aktuell ist am 12. Juni 2017 eine neue Homepage freigeschaltet worden: unter www.h2.live (URL korrigiert, 21.09.2017) soll eine Plattform speziell auf Endkunden ausgerichtet etabliert werden, auf der sich Interessenten über Wasserstoff und Betankungsmöglichkeiten informieren können. Nikolas Iwan möchte auf diesem Wege das H2-Logo als frei zugängliche Marke manifestieren und damit ein Zeichen setzen, das auch nach dem Ende von H2 Mobility Gültigkeit behält. Ergänzend ist zeitgleich eine neue App, die eine einfachere und übersichtlichere Bedienung per Smartphone ermöglichen soll, online gegangen. Zunächst würden darüber vornehmlich die „Grundbedürfnisse“ befriedigt, so Iwan, perspektivisch soll damit aber später zum Beispiel auch eine mobile Bezahlung ermöglicht werden.

Bis Ende 2018 sollen 100 Anlagen stehen. Ob dann anschließend eventuell doch noch Elektrolyseure mitberücksichtigt werden, ließ Iwan offen. Spätestens dann wird sich zeigen, ob die Abnahmemenge an Wasserstoff tatsächlich allmählich steigt.

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