Trumps Haushalt – Neue Hürden für Brennstoffzellen

Merkel
Merkel bei Trump, © Bundesregierung/Kugler

Im ersten Bundeshaushalt von US-Präsident Donald Trump wird eine langfristige konservative Agenda vorgeschlagen, die erhebliche Kürzungen bei der Sozialhilfe sowie bei Bildungs- und anderen Haushaltsprogrammen vorsieht. Außerdem sollen neue Prioritäten auf Trump-Themen gesetzt und die Ausgaben für Maßnahmen gegen den Klimawandel beziehungsweise für Umweltprogramme sowie für die Energieforschung drastisch gesenkt werden.

Viele der Programme, die jetzt von der neuen Administration beschnitten oder gestrichen werden sollen, genießen im Kongress aus unterschiedlichen Lagern eine starke Unterstützung, so dass davon auszugehen ist, dass die meisten Kürzungen mindestens angepasst, wenn nicht sogar zurückgenommen werden. Aber mit derartigen in Aussicht gestellten Kürzungen – 3,6 Bio. US-$ über zehn Jahre – und einer republikanischen Mehrheit, die nach Wegen sucht, Steuersenkungen oder vielleicht eine Steuerreform umzusetzen, könnten einige der Kürzungen und Streichungen dann doch genehmigt werden. Wo die Axt nun konkret angesetzt werden wird, dürften vor allem diejenigen mit Sorge beobachten, die auf staatliche Maßnahmen im Wasserstoff- und Brennstoffzellensektor setzen.

Budget-Details

Der Kongress der Vereinigten Staaten genehmigte kürzlich fast 175 Mio. US-$ für Brennstoffzellen und Wasserstoff im laufenden Geschäftsjahr, das am 30. September 2017 endet. Die Gesamtsumme setzt sich zusammen aus 30 Mio. US-$ für SOFC-Forschung, 24,7 Mio. US-$ für vorwettbewerbliche F&E-Aktivitäten und 101 Mio. US-$ für die PEM- und H2-Programme, die vom Fuel Cell Technologies Office (FCTO) durchgeführt werden. Die FCTO-Summe beinhaltet 18 Mio. US-$ (s. Tab.) für das, was heute „Technologiebeschleunigung“ genannt wird – eine Umschreibung für „Demonstrationsprogramme“. Von dieser Gesamtsumme sind 2 Mio. US-$ für ein integriertes Energiesystemprogramm vorgesehen. Es ist bezeichnend, dass der Betrag für die Technologiebeschleunigung um 5 Mio. US-$ größer ist, als es die Obama-Regierung vorgesehen hatte, obwohl die FCTO-Summe um 4,5 Mio. US-$ niedriger liegt. Basierend auf den Zuweisungen der Vorjahre wird etwa ein Drittel des Budgets der Brennstoffzellen-F&E zugewiesen, 45 % gehen zur Wasserstoff-F&E, 10 % sind für die Entwicklung von Normen und Standards vorgesehen, und der Rest wird aufgeteilt unter mehreren kleinen Programmen.

Für 2018 schlug die Trump-Administration nur noch 2 Mio. US-$ für SOFC-Forschung (-93 %) und 45 Mio. US-$ für das FCTO-Brennstoffzellen- und Wasserstoffprogramm (-55 %) vor. Ein Budget für vorwettbewerbliche F&E wurde nicht berücksichtigt. Das Büro des Wissenschaftsprogramms steht vor einer Gesamtreduktion von etwa 16 Prozent.

Alle 2017 noch berücksichtigten FCTO-Unterprogramme sollen für 2018 eliminiert werden, außer denen für Brennstoffzellen-F&E (15 Mio. US-$, s. Tab.), Wasserstoff-F&E (29 Mio. US-$) und ein kleines Analyseprogramm. Die föderale Unterstützung für Sicherheitscodes und die Produktstandardentwicklung würden zu den Programmen gehören, die gestrichen werden. Die Tatsache, dass die Haushaltsentscheidungen für 2017 durch den derzeitigen Kongress, der auch die Etatplanung für das Finanzjahr 2018 vornimmt, gefällt wurden, deutet allerdings darauf hin, dass es starke Unterstützung für die Weiterführung der Demonstrationsprogramme gibt, obwohl die Trump-Administration eher Grundlagenforschung unterstützt und die Weiterentwicklung beziehungsweise die Vermarktung weitgehend dem privaten Sektor überlassen möchte. Wir werden sehen.

Der Haushaltsplan spricht hingegen positiv über ein spezielles Programm, das Hydrogen@Scale-Projekt, in dem vier nationale Laboratorien das Potenzial von Wasserstoff beurteilen, andere Energiequellen zu verdrängen und Effizienz- sowie Emissionsreduktionsvorteile zu erzielen. Eine vorläufige Analyse deutet darauf hin, dass Wasserstoff die Treibhausgasemissionen bis 2050 um 50 % reduzieren könnte.

Personalie

Der stellvertretende Sekretär für Energieeffizienz und erneuerbare Energien wurde bislang nicht nominiert. Tatsächlich sind die meisten Top-Arbeitsplätze im Energieministerium noch nicht besetzt. Wie auch immer, ein Chefsekretär wurde benannt: Es ist Daniel Simmons, der aus einem konservativen Think Tank kommt, eher gegen das Pariser Klimaabkommen ist und vornehmlich die Verwendung fossiler Brennstoffe unterstützt. Er hatte unlängst den Nutzen der staatlichen Investitionen in erneuerbare Energien in Frage gestellt und argumentiert, dass erneuerbare Energien immer teurer sein würden als Brennstoffe aus Kohlenwasserstoffen. Ein Zitat aus einem aktuellen Politikforum vermittelt einen Eindruck seiner Ansichten:

„Ich denke, dass alles gleich behandelt werden sollte. Wir müssen uns die Erfolgsbilanz der Öl- und Gasindustrie anschauen, die eine kostengünstige und zuverlässige Energie produziert, besonders wenn die Alternative viel, viel höhere Preise sind“, so Simmons.

Simmons wird zukünftig die wichtigste Verbindungsstelle zwischen der politischen Führung und der Arbeitsebene EERE im DOE sein.

H2-Fahrzeuge und -Infrastruktur

Es gibt inzwischen etwa 1.500 Brennstoffzellen-Pkw in privaten Händen in den USA, die überwiegende Mehrheit in Kalifornien. Das Engagement im Sonnenscheinstaat für eine zehnstufige Treibstoffinfrastruktur funktioniert, so dass die dortige Energiekommission vor kurzem die Finanzierung für weitere 16 H2-Stationen genehmigte. Insgesamt gibt es aktuell 27 in Betrieb befindliche öffentliche H2-Tankstellen, drei nichtöffentliche und 35, für die bereits staatliche Mittel zugesagt wurden.

Eine der Herausforderungen für die H2-Infrastruktur ist das Ungleichgewicht im Vergleich zu Ladestationen für Batteriefahrzeuge: H2-Stationen müssen 33,3 % erneuerbaren Wasserstoff liefern, ohne dass eine entsprechende Anforderung auch an Ladesäulen bestünde. Elektrostationen erhalten zudem einen günstigeren Energiekostensatz und sind dazu geeignet, über die Steuerung der Nachfrage Gewinn zu erwirtschaften. Die Stationskosten sind „ratenweise abzahlbar“, was bedeutet, dass die Energieverbraucher die Kosten für die Installation der Ladestation mitbezahlen, während es bisher keinen klaren Weg zur privaten Finanzierung von Wasserstoffstationen gibt.

Im Nordosten der USA bauen derzeit Air Liquide und Toyota zwölf Stationen. Die Standorte von sechsen wurden bereits bekannt gegeben. Toyota kündigte zudem an, 100 H2-Tankstellen bis 2020 bauen zu wollen, was eine dramatische Skalierung der Aktivität erfordern würde, da die ersten Stationen wohl erst Ende 2017 oder Anfang 2018 in Betrieb gehen werden.

Energieversorgung

Die Streichung der Steuervergünstigungen beim Investment in Brennstoffzellen hat den Verkauf von BZ-Stromerzeugungsanlagen und -Gabelstaplern gebremst, auch wenn der Rückgang nicht offiziell dokumentiert wurde. Plug Power gab jedoch vor kurzem Schätzungen ab, dass der Wegfall der Steuererleichterungen das Erreichen der Rentabilität des Unternehmens um ein Jahr nach hinten schieben würde, obwohl Plug seine Umsatzschätzung für 2017 (5.600 Einheiten, eine 40%ige Steigerung gegenüber 2016) bekräftigte. Dies würde bedeuten, dass die Anzahl der BZ-Gabelstapler in Kundenhänden dann bei etwa 20.000 läge.

FuelCell Energy berichtete über einen großen Umsatzrückgang, geschuldet der Tatsache, dass der koreanische Partner Posco begonnen hat, in Korea zu produzieren. Interessant ist, dass 9 Mio. US-$ von 17 Mio. US-$ im ersten Quartal 2017 aus Einnahmen von Service-Verträgen (6,9 Mio. US-$) und dem Verkauf von Strom durch Energieversorgungsverträge (2,1 Mio. US-$) herrührten. Beide Bereiche scheinen dem Unternehmen somit Stabilität und Wachstumschancen zu bieten.

Doosan, mit Sitz in Connecticut, aber in koreanischem Besitz, berichtet über bedeutende Verkäufe in Korea, aber über keine kürzlich erfolgten in den USA. Von Bloom Energy, einem Privatunternehmen, gab es hingegen keinerlei Berichte über Verkäufe oder Umsatzzahlen.

Autor: Robert „Bob“ Rose, übersetzt von Sven Geitmann

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