HPS will Hausbesitzer autark machen

Picea
Picea-Gerät auf der Hannover Messe 2017

Es gab bereits mehrere Anläufe, das Prinzip der komplett autarken Energieversorgung auf Basis von Wasserstoff als Energiespeicher in die Realität umzusetzen. Aktuell macht die Home Power Solutions GmbH mit ihrem Konzept von sich Reden. Erstmals präsentierte HPS ihr Picea-System im März 2017 während der ISH in Frankfurt am Main und erzielte damit ein vergleichsweise großes Medienecho, was auch mit daran gelegen haben dürfte, dass das ehemalige Mutterunternehmen Heliocentris kurz zuvor Insolvenz hatte anmelden müssen. HZwei traf die Geschäftsführer während der Hannover Messe für ein Gespräch.

Der Messestand von HPS auf der Industrieschau ist vergleichsweise klein und eher unauffällig. Wäre er nicht direkt am Hauptflur in Halle 27 gelegen, würde er kaum ernsthaft wahrgenommen. Allein das Picea-Aggregat zieht einige Blicke auf sich, obwohl es ein eher unscheinbarer, großer, grauer Kasten ist (s. Abb. 1).

Hervorgegangen aus Heliocentris

Während des Gesprächs mit den beiden Gründern und Geschäftsführern von Home Power Solutions, Dr. Henrik Colell und Zeyad Abul-Ella, sowie deren PR-Fachmann wird schnell deutlich, dass man nur äußerst ungern über Heliocentris reden möchte. Aber natürlich gibt es Schnittmengen: Home Power Solutions ist im Dezember 2014 als eigenständige Gesellschaft mit vier Mitarbeitern von Dr. Henrik Colell und Zeyad Abul-Ella gegründet worden. Colell war allerdings auch Gründer und bis Anfang 2017 Technischer Geschäftsführer (CTO) der Heliocentris Energy Solutions AG, bei der Zeyad Abul-Ella von Oktober 2012 bis Dezember 2014 beschäftigt war. Zudem ist Zeyad Abul-Ella der Bruder von Ayad Abul-Ella, dem ehemaligen Geschäftsführer der Heliocentris Energy Solutions AG, für die – ebenso wie für die Industrie GmbH, die Fuel Cell Solutions GmbH und die Academia GmbH – im Dezember 2016 das Insolvenzverfahren eröffnet wurde (s. HZwei-Heft Jan. 2017). Ayad Abul-Ella ist außerdem HPS-Aufsichtsratsmitglied, gemeinsam mit u. a. Hans-Peter Villis, ehemaliger Vorstandsvorsitzender der EnBW AG, und Dr. Paul Grunow, Vorstand der Reiner-Lemoine-Stiftung, die auch als Investoren hinter dem Unternehmen stehen.

Das zeitliche Zusammenfallen der Ereignisse, einerseits des Insolvenzverfahrens von Heliocentris und andererseits der Präsentation von Picea, sei reiner Zufall, so heißt es auf Nachfrage kurz angebunden von den beiden Firmenlenkern. HPS sei gänzlich unabhängig gewesen und habe nichts mehr mit Heliocentris zu tun. So erklärte Zeyad Abul-Ella: „HPS hat einen Businessplan und eine Roadmap, und die sah einen Launch in 2017 schon immer vor.“ Inzwischen arbeiten bei dem Berliner Unternehmen rund 30 Beschäftigte, wobei rund zehn ehemalige Heliocentris-Mitarbeiter übernommen werden konnten, so Colell und Abul-Ella weiter. Hardware oder andere Werte seien „weder im vorinsolvenzlichen Verfahren noch im Rahmen der Insolvenz von Heliocentris übernommen“ worden.

Neuanfang mit neuer Technologie

Im weiteren Gespräch wird deutlich, dass insbesondere von Dr. Colell jetzt ein Neuanfang anvisiert wird. Der Blick soll ganz bewusst nach vorne gerichtet sein. Das, worum es ihm jetzt geht, ist die „100- Prozent-Energielösung für Selbstversorger“.

Picea ist „Energiespeicher, Heizungsunterstützung und Wohnraumbelüftung in einem kompakten Gerät […] mit einer Performance von bis zu 8 kW und einer Spitzenleistung von bis zu 20 kW“. Das Ziel von HPS sei, Eigenheimbesitzern

mit diesem Aggregat „größtmögliche Unabhängigkeit“ zu ermöglichen, so heißt es.

Die Basis dafür stellt die jeweils vor Ort befindliche Photovoltaikanlage dar, deren Strom dann – wahlweise sofort oder gespeichert – die gesamte elektrische Energieversorgung (3.000 bis 6.000 kWh pro Jahr bei einer 10-kWpeak-PV-Anlage) abdecken soll, und zwar komplett regenerativ. Das Konzept ist somit Off-Grid-fähig und auch geeignet für virtuelle Netzwerke, wobei überschüssige elektrische Energie an der Strombörse verkauft werden könnte.

Hoher Gesamtwirkungsgrad

Der Solarstrom wird dafür entweder direkt zu den Verbrauchern geleitet oder zum Akkumulator beziehungsweise zum Elektrolyseur. Als elektrisches Speichermodul setzt HPS zunächst primär auf zwar schwere, aber kostengünstige Bleigel-Akkus (25 kWh). Sind diese voll, erzeugt der 2,5-kW-Elektrolyseur mit Hilfe des Ökostroms Wasserstoff, der in 300-bar-Druckbehältern gespeichert wird (Flaschenbündel mit 1.000 kWh auf 5 m2). Die dabei entstehende thermische Energie verbleibt im System.

Ähnlich ist es bei der 1,5-kW-Niedertemperatur-Brennstoffzelle, die im Bedarfsfall – wenn keine Sonne scheint und der Akku leer ist – elektrische Energie bereitstellt, wobei ebenfalls Wärme abgegeben wird. Diese thermische Energie wird im Winter direkt dem Warmwasserspeicher (45 kWh) über das eingebaute Lüftungsgerät zugeführt, wodurch ein vergleichsweiser hoher Gesamtwirkungsgrad von rund 90 % erzielt wird, auch wenn die Brennstoffzelle allein „nur“ auf 55 bis 60 % kommt. Insgesamt würde aber durch dieses System nicht nur die Rechnung des Stromanbieters wegfallen, sondern es können auch die Heizkosten reduziert werden, so die Geschäftsführer.

Wie Colell und Abul-Ella betonen, stellt die „selbst entwickelte Software für das Energiemanagement“ eine Kernkompetenz von Home Power Solutions dar. Dieses Programm berücksichtigt im Sekundentakt über 500 Eingangsgrößen (z. B. Wetterdaten), es kann somit alle erdenklichen Situationen bei der Hausenergieversorgung simulieren und regeln.

Wesentliche Punkte dabei seien, dass Picea stromgeführt arbeite, nicht abhängig sei von der Gebäudehülle und keine Schnittstelle zur bestehenden Heizung aufweise. Es könne somit als Ergänzung sowohl im Passivhaus als auch im Altbau eingesetzt werden, da die Wärmeversorgung vorgelagert wird und Picea entsprechend darauf reagieren kann. Die Steuerung erfolge über die eigens entwickelte App, auf der jederzeit der aktuelle Systemstatus ersichtlich sei.

Intrinsisch motiviert

Nach eigener Aussage legt HPS extrem viel Wert auf Sicherheit. Der Prototyp in Berlin wurde vom TÜV freigegeben. Eine Handvoll Feldtestanlagen sollen noch in diesem Jahr an verschiedenen Standorten in Deutschland in Betrieb gehen. Vertriebsstart soll noch in diesem Jahr sein, wobei die Auslieferung im Laufe des nächsten Jahres geplant ist. Der Preis werde dann im mittleren fünfstelligen Bereich liegen, so Abul-Ella.

Insgesamt kann dieses Konzept bislang zwar noch als relativ aufwänd

iges und kostspieliges Vorhaben angesehen werden, aber die beiden Manager zeigen sich zuversichtlich, dass es ausreichend Kunden im Bereich der Ökostrombranche gibt, die an solch einer autarken Energieversorgung interessiert sind. „Die Nachfrage ist nach den ersten Messen schon sehr vielversprechend“, so Zeyad Abul-Ella. Weiter hob er mehrfach hervor, er sei „intrinsisch motiviert“ und daher voll von der Praktikabilität seines Systems überzeugt.

Recht gibt ihm diesbezüglich eine Studie, die das Haustechnikunternehmen Stiebel Eltron Anfang Mai 2017 vorgestellt hat. In deren Energie-Trendmonitor wurde festgestellt, dass „59 Prozent der Bundesbürger smarte Haustechnik einsetzen wollen, um damit so viel erneuerbare Energie wie möglich für die private Energiewende zu nutzen“. Weiter heißt es als Ergebnis dieser Befragung: „Der Heizungskeller der Zukunft soll sich nach dem Vorbild von Smartphones intuitiv steuern lassen.“

Energiezelle

Ein ähnliches Konzept wie HPS und Mossau hat bereits vor etlichen Jahren Fronius verfolgt. Das österreichische Unternehmen baute eine Energieversorgungsanlage auf dem eigenen Firmengelände auf. Mit Hilfe von Solarenergie wurde dort Wasserstoff erzeugt, womit dann Niederflurzeuge in der Werkshalle betrieben wurden. Konkrete Weiterentwicklungen dazu gibt es allerdings nach Aussage von Fronius-Mitarbeitern derzeit nicht.

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