Das Auto der Zukunft macht sich auf den Weg

Sustainable
Niederländischer Weg zu sauberen Kraftstoffen, © Rijkswaterstaat

Im März 2017 haben die Niederländer ein neues Parlament gewählt. Die bisherige Regierungskoalition wurde entmachtet, eine neue ist Ende Mai 2017 noch immer nicht in Sicht. Verhandlungen der Wunschkoalitionspartner aus VVD, Christdemokraten, D66 und den Grünlinken sind Mitte Mai unter anderem deshalb gescheitert, weil man sich beim Thema Klimapolitik nicht auf einen gemeinsamen Nenner verständigen konnte. Inwieweit sich die zukünftige Regierung gegebenenfalls neu zu den Themen Klimaschutz, Energieversorgung und saubere Mobilität und damit auch zu Wasserstoff und Brennstoffzellen positioniert, bleibt somit offen. Vorerst wird der politische Weg, den die Niederlande 2007 zum Aufbau eines „grünen Transportsektors“ eingeschlagen haben, weiterverfolgt.

Die Niederlande haben 2013 die nationale Energievereinbarung für ein nachhaltiges Wachstum („Energieakkoord voor duurzame groei“) verabschiedet. Die Inhalte wurden in einer Vielzahl von Diskussionsrunden gemeinsam mit Vertretern der niederländischen Politik, Arbeitnehmern, Gewerkschaften, Umweltorganisationen, zivilen Einrichtungen sowie dem Finanzsektor ausgearbeitet. Für den Verkehr wurde in der Vereinbarung festgeschrieben, dass bis 2020 im Vergleich zum Jahr 2012 jährlich 15 bis 20 PJ Energie (entspricht rund 5 TWh) eingespart werden sollen. Bis 2030 dürfen nur noch maximal 25 Megatonnen CO2-Äquivalente verursacht werden. Im Vergleich zu 1990 sind das 17 Prozent weniger. Im Jahr 2035 müssen alle neuen Pkw emissionsfrei betrieben werden können. Und ab 2050 darf der Verkehrssektor nur noch 60 Prozent der CO2-Emissionen von 1990 ausstoßen (Tank-to-Wheel).

Wasserstoff als Kraftstoff in der Mobilität spielt daher neben Biokraftstoffen und Strom in den Niederlanden eine wesentliche Rolle. Schon lange vor der Verkündung der Energiestrategie 2013 – seit rund 20 Jahren – beschäftigt sich das Land mit den Potenzialen von Wasserstoff als Energieträger. Die Niederlande wollen sich bei Wasserstoff als eines der führenden Länder positionieren. Aus gutem Grund, denn das Land hat sehr gute Voraussetzungen für die Marktentwicklung von Wasserstoff.

Niederländische Programme

Der Einsatz von H2– und BZ-Technologien wird im Land deshalb in erster Linie vor dem Hintergrund einer sauberen Mobilität diskutiert. Von der Regierung werden dafür in verschiedenen Programmen Fördermittel bereitgestellt. Zuständig für die Steuerung der Förderprogramme ist das Ministerium für Infrastruktur und Umwelt (Rijkswaterstaat). Ein großer Anteil der staatlichen Förderung fließt in Forschungsaktivitäten und Demonstrationsprojekte. Hinzu kommen steuerliche Vergünstigungen und Anreize sowie die Unterstützung so genannter öffentlich-privater Partnerschaften.

Bei der Demonstration der H2– und BZ-Technologien im Bereich Mobilität legen die Niederlande aktuell den Schwerpunkt auf den Einsatz von Nahverkehrsbussen. Diese nationalen Aktivitäten stehen in direkter Verbindung mit den BZ-Bus-Programmen auf europäischer Ebene.

Initiative Green Deals

Im April 2016 hat das Ministerium für Infrastruktur und Umwelt mit verschiedenen Nahverkehrsbetreibern eine Vereinbarung im Rahmen der Green-Deal-Initiative der Regierung getroffen. Dieser Deal sieht vor, dass spätestens ab 2025 nur noch emissionsfreie Busse in den Betrieb gehen und dass ab 2030 alle Busse emissionsfrei fahren müssen (heute sind in den Niederlanden fast 5.000 Busse unterwegs). Darüber hinaus sollen im öffentlichen Nahverkehr nur noch erneuerbare Energien verwendet werden.

Aktuell sind in Eindhoven zwei BZ-Busse im Einsatz. Ab Sommer 2017 kommen zwei Exemplare in Rotterdam dazu. Ende des Jahres sind weitere für den Einsatz im Nahverkehr in Groningen und Arnheim geplant. Darüber hinaus ist die Niederlande mit den Beneluxländern Partner des FCH-JU-Busprojekts JIVE, das den Einsatz von (mindestens) 50 Bussen in drei bis vier Regionen vorsieht.

Nationale Wasserstoffplattform H2NL

In Kooperation mit dem niederländischen Wasserstoff- und Brennstoffzellenverband (Nederlandse Waterstof & Brandstofcel Associatie) wurde die nationale Plattform H2NL als öffentlich-private Partnerschaft initiiert. Damit soll ein Rahmen geschaffen werden, in dem sich Politik, Industrie und die Wissenschaft austauschen können, um die zukünftige wirtschaftliche H2-Nutzung voranzubringen. Darüber hinaus soll H2NL dazu beitragen, dass die Wasserstoffziele, die sich das Land bis zum Jahr 2025 gesetzt hat, auch realisiert werden. Sie beinhalten den Aufbau von 20 H2-Tankstellen, den Betrieb von 1.500 bis 2.000 Brennstoffzellenautos und 100 Bussen (mit entsprechenden Betankungsstationen) sowie den Einsatz von bis zu 500 Lieferfahrzeugen und 20 Lkw für eine emissionsfreie Logistik in städtischen Gebieten. Die Arbeit kann die Plattform allerdings erst aufnehmen, wenn die neue Regierung im Amt und die Plattform offiziell verabschiedet ist.

Power-to-Flex

Power-to-Flex ist ein niederländisch-deutsches Kooperationsprojekt, in dem Unternehmen, Forschungsinstitute und Behörden aus dem Norden der Niederlande und Nordwestdeutschland Versuchsanlangen für die Speicherung erneuerbarer Energien entwickeln. Im Rahmen verschiedener Einzelaktivitäten sollen Speicherlösungen im Gebäudebereich sowohl für Einfamilienhäuser als auch für Großimmobilien und Unternehmen sowie für die Mobilität entwickelt werden. Projektbeginn war Dezember 2016.

IPHE-Meeting

Die Niederlande sind Gastgeber des 28. Steering Committee Meetings der International Partnership for Hydrogen and Fuel Cells in the Economy (IPHE) im November 2017.

Autorin: Alexandra Huss

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