Tesla – War das schon der Squeeze?

Gigafactory
Gigafactory Jan. 2017, © Tesla

Teslas Aktienkurs kannte bis vor Kurzem kein Halten: Über 40 % Plus in wenigen Wochen. Dann folgte aber der heftige Rückgang von über US-$ 286 bis auf circa US-$ 240. Robuste Nachrichten und Zahlen gab es keine, mit denen dieser Anstieg, diese Kursexplosion sich logisch begründen ließen. Eine Theorie von mir konzentriert sich dabei auch weniger auf die Stimmung machenden Tweets und Äußerungen von Firmenchef Musk, sondern auf die Aktionärsstruktur von Tesla: Von den circa 160 Mio. Aktien konzentrieren sich gut 50 % und mehr in der Hand einiger weniger Fonds (vier bis fünf) sowie des Unternehmensgründers Musk (circa 20 %). Angesichts von über 35 Millionen leer verkauften Aktien (= Spekulation auf fallende Kurse) sind 50 % und mehr in – gefühlt – „fester Hand“: beachtliche 80 bis über 90 Mio. Aktien, die man in Relation zu dem Short-Interest (33 bis 35 Mio. Aktien) sehen sollte. Hedge-Fonds waren da eventuell geneigt, einen sogenannten Squeeze auszulösen, indem sie immer mehr Aktien zukauften, um die Leerverkäufer unter Druck zu bringen und damit ihre Verluste durch Eindeckungskäufe zu realisieren.

Dies ist eine plausible Antwort beziehungsweise Begründung für den starken Kursanstieg. Und: Diese erheblich höhere Unternehmensbewertung lässt dann auch – ohne Obligo – die nächste Kapitalerhöhung erwarten, wenn sich die vier bis fünf Fonds und CEO Musk einig sind, ihre Position durchzuhalten, also nicht in steigende Kurse hinein zu verkaufen.

Von der Newsfront gibt es keine Meldungen, die diese massive Höherbewertung rechtfertigen. Zwar konnte der Absatz um beachtliche 51 % auf gesamt 76.230 Fahrzeuge (Model S u. X) gesteigert werden, doch fiel der Verlust in Höhe von US-$ 0,78 pro Aktie im vierten Quartal 2016 wesentlich höher als erwartet aus. Hierbei sind zudem noch Sonderfaktoren zu berücksichtigen (buchhalterische Gewinnposition von SolarCity), so dass der Verlust eigentlich rechnerisch noch wesentlich höher ausgefallen wäre. Einzig die mediale Aktivität von CEO Musk begründet diese Entwicklung, denn er suchte mehrfach US-Präsident Donald Trump auf – womöglich um die steuerliche Förderung von Elektrofahrzeugen sowie regenerative Energien wie Solar (s. SolarCity) anzusprechen und sich hierfür als Lobbyist in Sachen „America first“ einzubringen. Dass das Model 3 voll im Plan ist, wurde von der Börse ebenfalls positiv bewertet.

Hohe Erwartungen beim Model 3

Die Telefonkonferenz am 22. Februar 2017 ist hier nur sehr vage, indem sie aussagt, dass es erste Testfahrzeuge vom Model 3 geben wird, aber die Serienproduktion erst im zweiten Halbjahr ab Juli mit kleinen Stückzahlen anlaufen soll. Hier besteht seitens verschiedener Analysten (UBS, Goldman Sachs) große Skepsis, weil zum Jahresende bereits 5.000 Model-3-Einheiten wöchentlich vom Band laufen sollen. Analysten haben viele kritische Fragen gestellt, die sich mit der Finanzierung der erheblichen Kapazitätsausweitung befassen (2018 sollen 500.000 Fahrzeuge aller drei Modelle vom Band laufen, 2020 sogar über 1 Mio.).

Der Vorstand um Musk gibt sich da sehr bedeckt, und auch zu den circa 400.000 Vorbestellungen (aktueller Stand?) will man sich nicht äußern. Wie Tesla das alles – also auch die Batteriefabrik – finanzieren will, geht aus der letzten Telefonkonferenz nicht hervor, aber eine Kapitalerhöhung gerade angesichts der hohen Börsenbewertung ist die wahrscheinlichste und auch vom Timing her die sinnvollste Form der kurz- und mittelfristigen Geldbeschaffung. Analysten der UBS sehen einen Kapitalbedarf von über US-$ 8,5 Mrd. am Horizont, wenn das Unternehmen seinen Plan so umsetzt wie vorgegeben.

Tesla scheint die Zahlungsfristen für Zulieferer von Kfz-Teilen auszuweiten beziehungsweise sich hier höhere Lieferantenkredite einräumen zu lassen – mit der Begründung perspektivisch erhöhter Kapazitäten. Mit kritischem Blick sollte man die Äußerungen von Musk bewerten, dass das Un

ternehmen weitere Batteriefabriken (drei bis fünf) weltweit zu bauen plane. Ein Analyst gab dabei zu bedenken, dass erst einmal die Gigafactory in Nevada stehen beziehungsweise laufen und produzieren sollte, bevor man gleich an das nächste Projekt heranginge.

Ich bleibe skeptisch, denn es wird in absehbarer Zeit eine Reihe von Konkurrenzprodukten anderer Kfz-Hersteller geben, die sich über den Preis und die Reichweite der Batterien vergleichen lassen. Verzögerungen im Produktionsaufbau hat es oft gegeben, und es sollte angesichts des sehr strammen Zeitplans von Musk nicht überraschen, wenn dieser so nicht eingehalten werden kann. Das aber ist die Basis der aktuellen, aber mit circa US-$ 40 Mrd. immer noch sehr sportlichen Börsenbewertung.

Fachanalysten von Goldman Sachs und UBS erwarten Kurse in der Aktie von US-$ 160 bis 185, bis sich ein klareres Bild der Produktionsaufnahme der Batteriefabrik wie auch vor allem von Model 3 ergibt.

SolarCity-Integration

Zusammen mit SolarCity hat Tesla nun fast 30.000 Mitarbeiter. Bei SolarCity sind indes circa 2.500 Personen im vergangenen Jahr ausgeschieden. Man muss nun abwarten, wie die Integration verläuft, wie auch die übernommenen Schulden (ca. US-$ 3 Mrd.) refinanziert werden können. CEO Musk spricht von Einsparungseffekten in Höhe von über US-$ 150 Mio. jährlich. Das braucht aber Zeit für die Umsetzung. SolarCity könnte auch zur Bürde werden, denn mancher Analyst erkennt hier keinen Mehrwert für Tesla.

„Kleine“ Kapitalerhöhung

Die im Markt kursierende Erwartung, dass eine Kapitalerhöhung in nicht weiter Ferne ansteht, hat sich bestätigt: US-$ 1,2 Mrd. fließen Tesla zu: US-$ 350 Mio. in Aktien (US-$ 262 pro Aktie = sehr sportlich) sind platziert und US-$ 850 Mio. in einer Wandelanleihe. Letzteres erhöht wiederum die Verschuldung. Angesichts des Kapitalbedarfs für die Produktionsaufnahme vom Model 3 und der Gigafactory sollte diese „kleine“ Kapitalerhöhung nicht die letzte in 2017 gewesen sein.

Dass der Finanzvorstand das Unternehmen in der sehr wichtigen Phase verlässt – er wird durch seinen Vorgänger ersetzt – ist meines Erachtens auch kritisch zu sehen, wenn auch dem neuen Alten zugestanden wird, dass er es war, der Tesla schon einmal aus einer Kris

e manövrierte. Kurzum: 2017 ist ein extrem wichtiges Jahr für Tesla, da die Erwartungen an das Unternehmen sehr hoch sind, aber die Börse alle positiven Erwartungen meiner Meinung nach schon in die Börsenbewertung eingespeist hat, so dass ich unverändert perspektivisch auf stark fallende Kurse setze.

Risikohinweis

Jeder Anleger muss sich immer seiner eigenen Risikoeinschätzung bei der Anlage in Aktien bewusst sein und auch eine sinnvolle Risikostreuung bedenken. Die hier genannten BZ-Unternehmen bzw. Aktien sind aus dem Bereich der Small- und MidCaps, d. h. es handelt sich nicht um Standardwerte, und ihre Volatilität ist auch wesentlich höher. Es handelt sich bei diesem Bericht nicht um Kaufempfehlungen – ohne Obligo. Alle Angaben beruhen auf öffentlich zugänglichen Quellen und stellen, was die Einschätzung angeht, ausschließlich die persönliche Meinung des Autors dar, der seinen Fokus auf eine mittel- und langfristige Bewertung und nicht auf einen kurzfristigen Gewinn legt. Der Autor kann im Besitz von einigen der hier vorgestellten Aktien sein.

Autor: Sven Jösting (verfasst Mitte März 2017)

1 Gedanke zu “Tesla – War das schon der Squeeze?

  1. “Ich bleibe skeptisch, denn es wird in absehbarer Zeit eine Reihe von Konkurrenzprodukten anderer Kfz-Hersteller geben, die sich über den Preis und die Reichweite der Batterien vergleichen lassen. ”

    Natürlich darf man skeptisch sein und auch der Vergleich über Preis und Reichweite ist legitim. Nur hat Tesla vor allem in Europa eine einzigartige, funktionierende und flächendeckende Schnellladeinfrastruktur (SuC) aufgebaut und baut diese Alleinstellung mit seinem “Destination Charging-Programm” weiter aus. Was nützt mir ein (technisch vergleichbares) E-Auto, wenn ich es nicht sicher überall laden kann?
    Tesla ist derzeit auch der einzige E-Autohersteller, der keine “Altlasten” mit sich schleppt und sich konsequent an Kundenbedürfnissen orientiert – denn man will /muss die E-Autos ja auch tatsächlich verkaufen – im Gegensatz zu einem Chevy Bolt.
    E-Auto mit Anhängekupplung? Nur bei Tesla …

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