Vaillant legt Brennstoffzelle still

SHK
Kommt nicht – die xellPOWER während der SHK 2016

Der Heizgerätehersteller Vaillant pausiert – mal wieder – bei der Brennstoffzellenentwicklung. Wie die Unternehmensführung am 14. März 2017 im Rahmen der ISH in Frankfurt bekanntgab, werden „die Entwicklungskapazitäten im Bereich Brennstoffzellen reduziert“, wird „die Markteinführung des Brennstoffzellenheizgerätes für Einfamilienhäuser bis auf weiteres ausgesetzt“. Stattdessen will sich Dr. Carsten Voigtländer, Vorsitzender der Geschäftsführung der Vaillant Group, zukünftig stärker auf erneuerbare Energien und Wärmepumpen konzentrieren, da seiner Meinung nach „Immobilienbesitzer ein solches Brennstoffzellen-Heizgerät derzeit nicht wirtschaftlich betreiben können“.

Das Dresdner Partnerunternehmen Sunfire, mit dem Vaillant seit 2009 die Entwicklung der Hochtemperaturbrennstoffzelle vorangetrieben hatte, kritisierte diesen Schritt offen als „nicht nachvollziehbar“. Geschäftsführer Carl Berninghausen sagte zu dieser Entscheidung: „Sie ist strategisch falsch, weil diese Kleinkraftwerke unbedingt gebraucht werden, um die Wärmewende zu schaffen. Den gesamten Wärmemarkt durch Wärmepumpen zu elektrifizieren, führt in die energiepolitische Sackgasse.“

Nachdem Vaillant im Laufe der Entwicklungsarbeiten mehrfach Technologiewechsel vorgenommen hatte und erheblichen Zeitverzug in Kauf nehmen musste, war das Unternehmen – anders als etliche Wettbewerber (s. HZwei-Heft Okt. 2016) – mit seiner sechsten Gerätgeneration bislang im Feldtest, noch nicht auf dem Endkundenmarkt. Eigentlich sollte die Kommerzialisierung der xellPOWER mit dem SOFC-Stack von Sunfire Ende 2016 erfolgen. Trotz etlicher Fördermillionen, die Vaillant für die Entwicklungsarbeiten erhielt, wird daraus nun aber vorerst nichts.

Nils Aldag, Chief Commercial Officer von Sunfire, erklärte: „Wir werden das Beste aus der überraschenden Situation machen und streben an, wenn möglich unter unserer Verantwortung weiter zu entwickeln. Die Geräte habe alle vereinbarten Parameter erfüllt. Es wäre unverantwortlich, dieses Potential nicht zu nutzen.“

Nachtrag vom 20.03.2017: Joachim Janssen, Geschäftsführer der Viessmann-Gruppe, erklärte quasi als Antwort auf den Vaillant-Ausstieg während der Pressekonferenz auf der ISH: „Wir versprechen uns großes Zukunftspotenzial für die Brennstoffzellenheizung.“ Und der Deutsche Verein des Gas- und Wasserfaches (DVGW) gab parallel dazu bekannt, dass er gemeinsam mit der Initiative Brennstoffzelle (IBZ) eine Kooperationsvereinbarung unterzeichnet habe mit dem Ziel, „stationäre Brennstoffzellensysteme noch schneller im Markt zu etablieren“.

5 Gedanken zu “Vaillant legt Brennstoffzelle still

  1. Nicht nachvollziehbar die Aussage des GF Dr. Carsten Voigtländer – wird es hoffentlich verantworten und in der Folge wohl keine Verlängerung seines Arbeitsvertrages erhalten….

    Netzentgelte werden zukünftig für kleinere Wohneinheiten teurer – Also werden diese alles versuchen kaum bzw. keine elekt. Energie über den Netzanschluss des NB zu ziehen, unabhängig der gesetl. EEG-Förderungen.

    Die Brennstoffzellen-Heizung in Kombination mit elektr. Speichern wird erkennbar Anteile an sich reißen, so dass Tausende Eigenheime bzw. Whg. mit Gasetagenanlagen umsteigen und den Schritt zur beinahe Strom-Autarkie gehen.

  2. „Vaillant legt Brennstoffzelle still“ ist ein Faktum, wenn Forschung reduziert und Vertrieb eingestellt wird. Der Rest ist Wunschdenken, wobei die BSZ-„Stromheizung“ tatsächlich Potential besitzt, das man im Gegensatz zur mobilen BSZ auch die Wärme nutzt und auf eine energie- (kosten-)intensive Speicherung bei 700bar verzichten kann.

  3. Die Brancheninitiative Zukunft Erdgas hat auf der Technologiemesse ISH zu einer Innovationsoffensive aufgerufen:

    „Die Brennstoffzellen-Heizung ist ein Schlüssel zu einer erfolgreichen Energiewende. Diese Technologie gehört nicht nur in Messehallen. Hochtechnologie gehört in den Heizungskeller“, so Dr. Timm Kehler, Vorstand von Zukunft Erdgas.

    Es gelte veraltete Heizkessel schnell durch moderne Gas-Technologien abzulösen, um zügig und effizient das Klima zu entlasten.

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