Österreich fördert H2- und BZ-Einsatz

Forschungsanlage „Underground Sun Storage“, ©: RAG / steve.haider.com

Ähnlich wie in Deutschland gibt es in Österreich Förderprogramme der Regierung sowie zahlreiche öffentlich-private Demonstrationsvorhaben, um die Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologien einzuführen. Was mögliche Anwendungsfelder betrifft, konzentriert sich Österreich stark auf die Mobilität, allerdings mit einem zunehmenden Interesse am Bereich der Energieversorgung (Stichwort: Power-to-Gas). Treiber sind insbesondere namhafte und international agierende Unternehmen wie AVL List, Fronius, Magna, OMV und Plansee sowie die großen Universitäten und Forschungseinrichtungen in Wien, Graz und Linz.

Anders als in Deutschland gibt es in der Alpenrepublik allerdings kein reines Förderprogramm für Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologien. Gelder für Forschungen und Entwicklungen in diesem Bereich kommen aus verschiedenen Ressorts. Die umfangreichsten Fördermittel vergibt das Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie (BMVIT). Dieses Ministerium unterstützt seit Jahren im Rahmen mehrerer Forschungsprogramme die Entwicklung und Demonstration von Komponenten, Systemen für alternative Fahrzeug- und Antriebstechnologien sowie Kraftstoffen.

Das BMVIT ist auch zuständig für die Umsetzung der europäische Direktive 2014/94/EU über den Aufbau der Infrastruktur für alternative Kraftstoffe, besser bekannt als Alternative Fuels Infrastructure Directive (AFID). Vor diesem Hintergrund ist auch der Aufbau von fünf Wasserstofftankstellen nach einheitlichem Standard bis Jahresende 2016 zu verstehen. Damit werden – wie in anderen europäischen Ländern auch – vor allem Metropolregionen und die sogenannten TEN-T-Korridore (Trans European Network Transport) bedient.

Österreichische CEP

Zwei wichtige österreichische Träger der Umsetzung und Demonstration von H2– und BZ-Technologien in der Mobilität sind die Österreichische Plattform zur Förderung von alternativen Antriebssystemen A3PS in Wien sowie das HyCentA (Hydrogen Center Austria) in Graz. Die A3PS könnte man als Österreichs Clean Energy Partnership bezeichnen, die sich allerdings neben Wasserstoff als Kraftstoff und Brennstoffzellenfahrzeugen auch mit allen anderen alternativen Antriebs- und Fahrzeugtechnologien beschäftigt. Als öffentlich-private Plattform wurde sie im Jahr 2006 vom BMVIT ins Leben gerufen, um bestehende Förderprogramme zu stärken. Neben kleinen und mittleren Industriepartnern engagieren sich heute Großunternehmen der Automobil- und Mineralölindustrie sowie zahlreiche österreichische Hochschulen und Forschungseinrichtungen in der Plattform.

A3PS hat 2015 die Technologie-Roadmap Eco-Mobility 2025 plus verabschiedet, die einen Schwerpunkt auf Wasserstoff und Brennstoffzellen hat. Diese Roadmap hebt Österreichs Expertise bei alternativen Antrieben hervor und beschreibt, was wie und wann in Industrie und Forschung bis 2025 und darüber hinaus strategisch getan werden muss, um weiterhin im internationalen Wettbewerb bestehen zu können.

Hydrogen Center Austria

Das HyCentA (Hydrogen Center Austria) an der TU Graz mit Beteiligung von Magna Steyr und OMV wurde 2005 gegründet und 2015 umfangreich erweitert. Das Forschungszentrum fördert die Nutzung von Wasserstoff als regenerativem Energieträger sowie die Weiterentwicklung von elektrochemischen Systemen und deren Peripherie. Mit seinem H2-Prüfzentrum für gasförmigen und flüssigen Wasserstoff, einer H2-Tankstelle und einem der modernsten Brennstoffzellen-Systemintegrationsprüfstände Europas, der erst im Oktober 2016 eingeweiht wurde, ist das HyCentA Vorreiter in Österreich für wasserstoffbezogene Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten. Dies sichert dem Zentrum zudem den Anschluss an die internationalen Forschungsaktivitäten.

Mobilität der Zukunft

Das Forschungsförderprogramm „Mobilität der Zukunft“, das 2012 vom BMVIT gestartet wurde und noch bis 2020 läuft, setzt im Bereich Fahrzeugtechnologien einen Schwerpunkt auf Wasserstoff- und Brennstoffzelltechnologien, (hybrid-)elektrische Antriebe sowie alternative Kraftstoffe mit entsprechenden Infrastrukturen. Das Gesamtprogramm hat ein jährliches Förderbudget von rund 15 Mio. Euro. Im Vergleich zu Deutschland ist das wenig, zumal diese 15 Millionen für jegliche F&E-Aktivitäten im Bereich der innovativen Fahrzeugentechnologien (wie Elektromotor, Steuerelektronik, Batterien, Hochleistungskondensatoren, Schwungräder, Brennstoffzellen, Wasserstofftank etc.), der elektrischen Antriebssysteme (Hybrid, Batterie, Brennstoffzelle) sowie der Kraftstoffe und dazugehörigen Infrastrukturen zur Verfügung stehen. Aus diesem Programm wurden und werden verschiedene H2– und BZ-Projekte gefördert.

Beispielhaft seien hier zwei Projekte zur Reichweitenverlängerung von batterieelektrischen Fahrzeugen genannt: In dem Projekt FC REEV (Fuel Cell Range Extended Electric Vehicle; s. HZwei-Heft Jul. 2016) von Magna Steyr kommt ein PEM-Brennstoffzellensystem zum Einsatz. Im Projekt MeStREx (Metallischer Stack als Range Extender) des Konsortiums aus Plansee, AVL List, Phystech Coating, der Technischen Universität Graz und Nissan wird an einer Lösung auf Basis der SOFC gearbeitet. In einem weiteren Projekt zur Wasserstoffinfrastruktur mit dem Namen FCH REFuel entwickeln die beteiligten Partner unter Federführung von Fronius ein modulares und skalierbares H2-Betankungssystem einschließlich Elektrolyse für die Abgabe von Wasserstoff mit 350 und 700 bar.

Klima- und Energiefonds KLIEN

Über den Klima- und Energiefonds KLIEN der österreichischen Bundesregierung, an dem verschiedene Ministerien beteiligt sind, werden Forschungsprojekte, klimafreundliche Verkehrsprojekte und Maßnahmen zur Markteinführung klimaschonender Energietechnologien unterstützt. Dazu gehören auch Wasserstoff- und Brennstoffzellenanwendungen. Ein Vorzeigeprojekt ist das abgeschlossene Konsortialprojekt E-Log-BioFleet (I und II), in dem batterieelektrische Flurförderzeuge mit einem auf Brennstoffzellen basierenden Reichweitenverlängerungssystem ausgestattet und im Alltagsbetrieb getestet wurden. Zudem wurde eine Hallenbetankungsanlage für Wasserstoff entwickelt und aufgebaut, die dezentral Wasserstoff aus Biomethan gewinnt. Auch das an der TU Wien mit OMV durchgeführte Projekt HylyPure, im Rahmen dessen hochreiner Wasserstoff für die Fahrzeugbetankung aus Erdgas mittels Membran-Gaspermeation, kombiniert mit Druck-Adsorption, gewonnen wird, ist mit Mitteln aus dem KLIEN finanziert worden.

Um dem zunehmenden Bedarf an Energiespeicherung bei der Nutzung erneuerbarer Energien Rechnung zu tragen, wurden 2015 die beiden Power-to-Gas-Projekte Wind2Hydrogen und Underground Sun Storage gestartet: Im Wind2Hydrogen-Projekt wird in Auersthal, Niederösterreich, der Einsatz eines Hochdruck-Elektrolyseurs getestet, der aus Windstrom Wasserstoff erzeugt. Untersucht wird die Nutzung des Wasserstoffs sowohl zum Tanken als auch zur Einspeisung ins Erdgasnetz. Gemeinsam erproben die Projektpartner unter der Federführung von OMV technisch und genehmigungsrechtlich, wie eine optimale Einspeisung des erneuerbaren Wasserstoffs in das Erdgasnetz erfolgen kann und wie eine Abfüllung und Verwendung von Wasserstoff in der Mobilität im Idealfall funktioniert.

In dem Projekt Underground Sun Storage geht es darüber hinaus darum, beim Thema Beimischungsquoten von Wasserstoff ins Erdgasnetz weiterzukommen. Im Projektverlauf wird der Nachweis für die Verträglichkeit von Wasserstoffgehalten bis zehn Prozent angestrebt. Aufgebaut wird die Anlage in Pilsbach, Oberösterreich, wo der Konsortialführer RAG (Rohöl-Aufsuchungs Aktiengesellschaft; s. HZwei-Heft Jan. 2016) einen Gasspeicher betreibt.

Autorin: Alexandra Huss

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