Wohin gehen WES und f-cell?

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Minister Untersteller auf der WES 2016

Die World of Energy Solutions startete am 10. Oktober 2016 mit vielen langen Gesichtern: Die Besucher, die am Morgen in das Internationale Congresscenter Stuttgart (ICS) kamen, fanden deutlich weniger Aussteller als in den vergangenen Jahren vor, und auch die Auftaktveranstaltung des Symposiums war mit 80 Teilnehmern nur äußerst mager besetzt. Der zweite Tag gestaltete sich jedoch belebter, so dass die Veranstalter – trotz dieses moderaten Auftakts – zuversichtlich ins Jahr 2017 schauen, wenn in Stuttgart parallel zur 17. WES das Electric Vehicle Symposium (EVS30), das größte Messe- und Kongressevent für Elektromobilität, stattfinden wird.

Natürlich ist es nur die halbe Wahrheit, wenn allein an der Menge der Aussteller beziehungsweise der Kongressteilnehmer der Erfolg einer Veranstaltung bemessen wird, denn sehr viel stärker tragen doch die transportierten Inhalte dazu bei, ob die Miete eines Messestandes beziehungsweise der Besuch des Symposiums von den Teilnehmern letztendlich als lohnenswert verbucht wird. Aber trotzdem sind die nackten Zahlen wichtige Indikatoren, anhand derer sich Tendenzen und Entwicklungen nachvollziehen lassen.

Für das Jahr 2016 besagen diese Indikatoren, dass im Endeffekt doch mehr Aussteller als zunächst erwartet auf dem Stuttgarter Messegelände anwesend waren, auch wenn es mit 96 Institutionen 24 weniger als im Vorjahr waren. Auch bei der Konferenz war ein gewisser Teilnehmerschwund festzustellen (350 Anmeldungen = -30 %), und natürlich gab es auch vereinzelt kritische Stimmen hinsichtlich des Programms, aber insgesamt waren die meisten Sessions doch gut besucht.

Was genau die Gründe für diese Rückgänge gewesen sein mögen, darüber kann man nur mutmaßen: Die einen sagen, es gäbe derzeit einfach zu wenig Neues. Andere erklären, sie wollten sich auf das EVS30 konzentrieren. Dritte bemängeln, das wissenschaftliche Niveau der Konferenz sei abgesunken, während gleichzeitig wieder andere zwar die Themenvielfalt loben, dafür aber konkrete Beiträge vermissen.

Als äußerst positiv muss hervorgehoben werden, dass sich die Peter Sauber Agentur Messen und Kongresse GmbH überhaupt – trotz reichlich Gegenwinds – für die Durchführung dieses Branchentreffs ausgesprochen und auf eigenes Risiko alles organisiert hat. Sowohl die Landesmesse Stuttgart als auch die e-mobil BW GmbH waren in diesem Jahr nicht als Mitveranstalter beteiligt, weil sie sich lieber zwei Jahre lang voll auf die EVS30 vorbereiten wollten. Peter Sauber hingegen, der seit 16 Jahren in jedem Herbst in die baden-württembergische Hauptstadt einlädt, bestand auf diesem Termin und lieferte – trotz erheblicher finanzieller Risiken – eine gewohnt professionelle Leistung ab.

Die Zukunft der WES ist damit – zunächst jedenfalls – gesichert, da 2017 massenhaft Besucher nach Stuttgart strömen werden, wenn dort vom 9. bis 11. Oktober das 30. Jubiläum des EVS gefeiert wird. Allerdings wird diese Veranstaltung rein aus Platzgründen nicht mehr im ICS, sondern in der Halle 1 auf dem Messegelände stattfinden. Die World of Energy Solutions wird dann mit der f-cell sowie der Battery+Storage in dieses internationale Elektromobilitätssymposium unter Leitung der Landesmesse Stuttgart eingegliedert. Der dritte thematische WES-Teilbereich hingegen, die e-mobility solutions, wird nach Auskunft der e-mobil BW „in dem EVS aufgehen“.

Peter Sauber, der von der Landesmesse Stuttgart wieder mit der Organisation der Konferenz beauftragt wurde, plant indes schon über das Jahr 2017 hinaus. Gerne würde er dann den Fokus mehr auf die f-cell legen, allerdings bräuchte er dafür noch deutliche Signale aus der Wirtschaft. Zuletzt hatten sich wesentliche Sponsoren, auch große Unternehmen direkt aus Stuttgart, zurückgezogen, was nicht nur eine finanzielle, sondern auch eine inhaltliche Lücke – sowohl bei den Rednern als auch bei den Zuhörern – gerissen hatte. Klare Bekenntnisse seitens der Industrie, dass sie die große Bedeutung eines Branchentreffens immer im Herbst erkannt hat, würden hier Planungssicherheit geben – nicht nur für den Veranstalter, sondern auch für die gesamte Community.

Ob die f-cell dann ab 2018 allerdings weiterhin auf dem Messegelände oder beispielsweise wieder im Haus der Wirtschaft stattfindet, ist eher zweitrangig. Um den Fokus wieder mehr auf das Brennstoffzellen-Symposium zu legen, könnte es durchaus von Vorteil sein, sich wieder auf die guten alten Zeiten zu besinnen und einen großen internationalen Kongress in gediegener Atmosphäre mitten in Stuttgart zu organisieren. Denn die Idee, mehrere hundert Aussteller zu einer Brennstoffzellen- und Batteriemesse locken zu können, dürfte als gescheitert angesehen werden, auch wenn das Thema Energiespeicherung bei den Konkurrenzveranstaltungen in Düsseldorf und in München gerade boomt.

Die bereits vorhandenen BZ-Produkte werden zukünftig verstärkt auf den jeweiligen Verbrauchermessen Einzug halten, so dass ganz unabhängig davon ein alljährlich im Herbst in Stuttgart stattfindendes f-cell-Symposium auf jeden Fall weiterhin seine überaus wichtige Bedeutung behalten wird – sowohl für die Weiterentwicklung der Produkte als auch für den wissenschaftlichen Informationsaustausch.

Kommentar von Sven Geitmann

1 Gedanke zu “Wohin gehen WES und f-cell?

  1. Meinen herzlichen Glückwunsch an Peter Sauber und sein Team!
    Um auf diesem Gebiet weiter zu kommen, braucht es schon einen langen Atem.
    Leider geht immer wieder zu vielen selbiger zu früh aus.

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