Ballard: Hydrogen-Society 2020 in Japan

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BZ-Bus-Fertigung bei Foshan Feichi, © Ballard

Ein neuer Megatrend braucht Zeit, sich zu entwickeln. So stellen die vergangenen 15 Jahre die Basis dessen dar, was der Brennstoffzelle in den kommenden Jahren zum Durchbruch verhelfen und zur Entstehung eben dieses Megatrends beitragen wird. Denn: historisch betrachtet haben technologische Revolutionen meist 15 Jahre benötigt, bis es zu einem Durchbruch kam. Dann aber geht es in der Regel sehr schnell, weil kein Marktteilnehmer am Rande stehen will. Exakt dieses Szenario entwickelt sich gerade bei der Brennstoffzelle in all ihren Märkten und Anwendungen. Zudem wird die Erzeugung von „grünem Wasserstoff“ immer effizienter und kostengünstiger, und auch die Infrastruktur wird jetzt zügig ausgebaut (s. H2-Infrastruktur wächst, aber nicht alle Stationen betriebsbereit). 2020 dürfte daher das erste Etappenziel erreicht sein. Und die Börsen werden dies in den Aktienkursen der beteiligten Unternehmen antizipieren.

Japan will der Welt im Jahr 2020 zeigen, dass sich das Land auf dem Weg zu einer Hydrogen-Society befindet. Parallel dazu könnte auch Apple geneigt sein, die dann dort stattfindenden Olympischen Spiele zum Anlass zu nehmen, um seine Elektrofahrzeug-Ambitionen zeitnah (2019?) zu benennen. Ein Argument dafür könnte sein, dass bis dahin in wichtigen Märkten (Kalifornien, Deutschland, Frankreich, UK, Japan, China, Südkorea) neben der Stromladeinfrastruktur auch ausreichend H2-Tankstellen „flächendeckend“ vorhanden sein werden und damit einer BZ-Plug-in-Hybrid-Variante der Weg geebnet wird.

Bis 2020 wird es in China meines Erachtens die Grundlage eines Booms geben, der den Einsatz der Brennstoffzelle in Bussen, in Autos und vielen anderen Mobilitätsträgern (z. B. Zügen und Straßenbahnen) zum Ziel hat. Gewinner all dieser Entwicklungen ist Ballard Power. Zudem hat auch das US-Militär verstanden, welche Potentiale in der Brennstoffzelle stecken. Ballard ist auch dort über sein Tochterunternehmen Protonex gut vertreten, besitzt dieses doch wichtiges Know-how (s. u.).

Es geht voran

Ballard konnte das dritte Quartal per 30. September 2016 mit einem um über 29 % gewachsenen Umsatz gegenüber dem Vorjahreszeitraum mit US-$ 20,6 Mio. abschließen. Stark zunehmen konnte die Bruttogewinnmarge, die sich um über 6 % auf 31 % erhöhte und im Jahresvergleich sogar von 17 auf 27 % anstieg. In den ersten neun Monaten gab es somit ein Umsatzwachstum von über 50 % auf US-$ 54,6 Mio. Der Kassenbestand erreicht zum Quartalsende beachtliche US-$ 68,1 Mio. (bei null Schulden).

Interessant ist, dass man eigentlich zeitnah eine Ankündigung von Toyota Tsusho, der Tochterfirma von Toyota, zu dem bestehenden Abkommen (Aufträge?) erwartet hatte. Diese kann aber nur von deren Seite selbst veröffentlicht werden. Hintergrund: Ballard hat mit dieser Toyota-Tochter (76 Mrd. Umsatz) ein dreijähriges Rahmenabkommen, obwohl bislang noch keine konkreten Aufträge vergeben worden sind. Meines Erachtens wird Toyota via Toyota Tsusho das Know-how von Ballard u. a. für Gabelstapler nutzen (s.

/02/13/plug-power-geht-nach-china/">Plug Power). Außerdem könnten dann die Bus-Stacks, die Ballard-Partner Synergy in China produziert, auch via Ballard an Toyota geliefert werden. Wir werden sehen. Auf jeden Fall ist diese Partnerschaft noch für manche positive Überraschung/Nachricht gut.

USA – China – Japan – Welt

Der neue US-Präsident Donald Trump könnte mit seinen Ansichten für sehr viel Unsicherheit sorgen. Eine Mauer zu Mexiko ist angedacht, wobei die dort für den nordamerikanischen Markt produzierenden US-Unternehmen dann erhebliche Nachteile bekämen, wenn sie Kostenvorteile in Mexiko nicht mehr nutzen könnten. Ballard Power hat eine Produktionsstätte in Mexiko, wird aber als kanadisches Unternehmen m. E. weniger Nachteile haben, als US-Unternehmen.

Ballards Strategie, sich auf Asien zu fokussieren, erhält durch den zunehmenden Protektionismus der USA weitere Pluspunkte. Via China kann Ballard erhebliche Kostenvorteile nutzen und von China aus Asien, aber auch andere Märkte wie Europa mit ihren BZ-Technologien bedienen. Aber Ballard profitiert gleichzeitig auch von den Entwicklungen in den USA, soll dort doch der Rüstungsetat aufgestockt werden, wobei sich effiziente Wege der Energienutzung via Brennstoffzelle geradezu anbieten. Die US Army ist einer der größten Energienachfrager der USA. Via Protonex ist man seitens Ballard bei der Nutzung der Brennstoffzellen für Drohnen mit im Spiel, profitiert damit gar von der neuen Regierung.

Ein erster Auftrag im Rahmen eines Partnerschaftsabkommens konnte kürzlich mit dem polnischen Bushersteller Solaris eingefahren werden: Ballard liefert vorerst für zehn BZ-Busse die Bus-Stacks. Aus Europa sollten nun immer mehr Aufträge für Brennstoffzellenbusse kommen, so die Erwartung. Beispielsweise will London hier – so der Bürgermeister auf einer Fachkonferenz – erheblich investieren. Zudem gilt es als sicher, dass Ballard bei diversen europäischen Ausschreibungen berücksichtigt wird, wenn auch die Größenordnung gegenüber chinesischen Verhältnissen vorerst als „überschaubar“ anzusehen ist. Ballard kann damit aber weltweit Präsenz zeigen und sich perfekt positionieren.

„Wir befinden uns an einem Wendepunkt. Die Nachfrage nach Brennstoffzellenbussen und -modulen, die für diese benötigt werden, wird in Kürze explodieren.“

Christopher Johnson, Ballard-Vertriebsleiter Nordamerika

Kurzum: Ballard hat alle Grundlagen für ein sehr hohes zukünftiges Wachstum gelegt. Die ersten positiven Auswirkungen sind noch in diesem Jahr zu erwarten.

Mit Synergy stehen bereits über 150 Mio. US-$ an festen Aufträgen für die kommenden fünf Jahre in den Büchern – als Basiswert mit Steigerungspotential. In 2017 erwarte ich Aufträge von Toyota Tsusho, von der US Army für die Ballard-Tochter Protonex (u. a. Drohnen) und von CRRC aus China für Schienenfahrzeuge. All dies macht eine gute Börsenstory aus.

Risikohinweis

Jeder Anleger muss sich immer seiner eigenen Risikoeinschätzung bei der Anlage in Aktien bewusst sein und auch eine sinnvolle Risikostreuung bedenken. Die hier genannten BZ-Unternehmen bzw. Aktien sind aus dem Bereich der Small- und MidCaps, d. h. es handelt sich nicht um Standardwerte, und ihre Volatilität ist auch wesentlich höher. Es handelt sich bei diesem Bericht nicht um Kaufempfehlungen – ohne Obligo. Alle Angaben beruhen auf öffentlich zugänglichen Quellen und stellen, was die Einschätzung angeht, ausschließlich die persönliche Meinung des Autors dar, der seinen Fokus auf eine mittel- und langfristige Bewertung und nicht auf einen kurzfristigen Gewinn legt. Der Autor kann im Besitz von einigen der hier vorgestellten Aktien sein.

Autor: Sven Jösting (geschrieben im Dezember 2016)

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