Mehr Windgas für mehr Klimaschutz

greenpeace
© Greenpeace

Langzeitspeicher und eine Kopplung der energiewirtschaftlich relevanten Sektoren sind wichtige Voraussetzungen für eine erfolgreiche Energiewende – dies belegen diverse wissenschaftliche Studien. Einen vielversprechenden Lösungsansatz bietet die Windgastechnologie. Doch obwohl Power-to-Gas für Deutschland ein entscheidender Faktor zum Erreichen der Pariser Klimaziele ist, wird es von der Bundesregierung auch im EEG 2017 de facto ignoriert.

Den Anstieg der Erderwärmung bis 2050 möglichst auf 1,5 °C gegenüber dem vorindustriellen Niveau begrenzen – so lautet das ebenso wegweisende wie ambitionierte Ziel des Pariser Weltklimagipfels vom Dezember 2015. Auch die Bundesregierung hat das völkerrechtlich verbindliche Abkommen unterzeichnet. Das ist lobenswert. Doch nun muss sie sich an Taten messen lassen.

Hydrogenics

Wenn Bundeskanzlerin Merkel, Wirtschaftsminister Gabriel und Umweltministerin Hendricks den globalen Klimapakt wirklich ernst nehmen, muss die Regierung die Energiewende noch einmal drastisch beschleunigen: Nicht wie geplant bis 2050 muss Deutschland seine Wirtschaft klimafreundlich umgebaut haben, belegt die aktuelle „Sektorkopplungsstudie“ der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Berlin von Juni 2016. Nicht um 80 bis 95 Prozent, wie bislang von der Bundesregierung angestrebt, müssen wir unsere Treibhausgasemissionen senken, vor allem den Ausstoß von CO2. Eine vollständige Dekarbonisierung sämtlicher Wirtschaftsbereiche müssen wir vielmehr – so erfordern es die Paris-Ziele nach der Analyse der Berliner Wissenschaftler um Professor Volker Quaschning – schon bis zum Jahr 2040 schaffen.

Der dazu notwendige Wandel wird auf viele Widerstände stoßen, aber er ist möglich, wenn wir zügig die Konsequenzen aus Paris ziehen. Neben einer deutlich effizienteren Nutzung von Energie in den Haushalten und in der Wirtschaft haben die Berliner Forscher als zentrale Voraussetzungen für den Erfolg der Energiewende vor allem drei Elemente identifiziert:

  1. Ein konsequenter …

link-to-hzwei-web

Mindestens 80 GW Elektrolyseurleistung

Das nötige Speicherpotenzial bietet nur die Windgastechnologie (Power-to-gas). Mit ihr werden aus (idealerweise überschüssigem) Wind- und Solarstrom Wasserstoff und Methan erzeugt. Die im vorhandenen Gasnetz speicherbaren Windgasmengen reichen aus, um die Stromversorgung für bis zu drei Monate zu sichern. Damit wir den von Quaschnings Team ermittelten Energiebedarf durch erneuerbare Speicher absichern können, muss Deutschland bis 2040 eine Elektrolyseurleistung von mindestens 80 Gigawatt aufbauen. Nur so lassen sich die nötigen Wasserstoffmengen erzeugen, wie Berechnungen von Greenpeace Energy zeigen. Für einen wirksamen Klimaschutz müssen wir also ohne Verzögerung damit beginnen, diese Kapazitäten aufzubauen. Die Bundesregierung ignoriert dieses wichtige Thema im neuen EEG 2017 jedoch komplett.

Dabei sind die Voraussetzungen eigentlich günstig: …

Mit Windgas ist zudem sowohl der räumliche wie zeitliche Ausgleich von Stromerzeugung und -bedarf möglich. Damit ist auch ein häufig vorgetragenes Argument von Energiewende-Kritikern widerlegt, demzufolge in einem erneuerbaren Stromsystem keine Versorgungssicherheit zu gewährleisten sei.

Windgas erspart Milliarden

In der Politik scheint diese Botschaft noch nicht angekommen zu sein. Die Bundesregierung fürchtet offensichtlich, gerade die letzten 20 Prozent erneuerbarer Kraftwerke im Stromsystem würden die Kosten der Energiewende noch einmal drastisch nach oben treiben.

Das Gegenteil ist der Fall, konstatiert eine neue Analyse des Berliner Analyseinstituts Energy Brainpool von Februar 2015: Spätestens ab einem Erneuerbaren-Anteil von …

Appell an die Politik

Damit die Windgas-Produktionskapazitäten entstehen, die in Zukunft gebraucht werden, müssen Politik und Marktakteure allerdings heute schon …

Inzwischen haben aber auch Stadtwerke, Technologiefirmen und Energiekonzerne das Potenzial der Technik erkannt, und die Deutsche Energie-Agentur dena betreibt ihre Power-to-Gas-Plattform, um Akteure zu vernetzen und die Politik mit Handlungsempfehlungen zu versorgen. So langsam wird das Thema Mainstream. Nun müssen nur noch das Wirtschaftsministerium und das Kanzleramt aufwachen – und den Weg für die Windgastechnologie und damit für eine erfolgreiche Sektorkopplung freimachen.

Das macht auch ökonomisch Sinn: Schließlich werden wegen zu erwartender …

Die längst überfällige Dekarbonisierung aller Wirtschaftsbereiche – von Kanzlerin Angela Merkel beim G7-Gipfel auf Schloss Elmau vollmundig verkündet – wie auch die für Deutschland verpflichtenden Klimaziele von Paris dulden keinen Aufschub mehr. Die Ziele sind klar, die Mittel sind vorhanden. Nun muss die Bundesregierung den Willen beweisen, Deutschland 100 Prozent erneuerbar zu machen – durch Taten.

Autor: Sönke Tangermann, Greenpeace Energy eG

Schreibe einen Kommentar