Honda und sein Clarity Fuel Cell

Honda
Raum für 5 Passagiere, © Honda

Honda hat ein schweres Los, denn der japanische Autokonzern steht stets im Schatten seines großen Widersachers Toyota. Während Toyota als weltweit führender Automobilhersteller seinen Vorsprung dank des Dieselskandals von Volkswagen weiter ausbaut, gelingt es Honda nur mäßig, zumindest mit zukunftsweisenden Würfen in den Fokus der Beobachter zu gelangen. So geschehen im Herbst 2015, als Honda die zweite Generation seines Brennstoffzellenautos Clarity präsentierte, weltweit aber weitaus weniger Notiz davon genommen wurde als von der ersten Generation des Mirai.

Schon 2002 wetteiferte Honda mit Toyota darum, wer als Erster eigene Brennstoffzellenautos an externe Testpartner ausliefern würde (s. Wettkampf zwischen Honda und Toyota). Mag also sein, dass es auch jetzt einfach nur Pech war: Zunächst litt Honda beim Bau des FCX Clarity unter den Folgen des Erdbebens sowie des Tsunamis im März 2011. Toyota und Nissan waren zwar ebenfalls betroffen, aber bei Honda konnten weniger Exemplare des BZ-Modells als ursprünglich erhofft produziert werden. Dann wurde zudem eine Rückrufaktion für Takata-Airbags gestartet, wovon insbesondere Honda mit seinem Clarity Fuel Cell betroffen war, so dass an einen zeitgleichen Marktstart mit dem Toyota Mirai – analog zu der Aktion von 2002 (s. Wettkampf) – nicht mehr zu denken war.

Hydrogenics

Takahiro Hachigo, Präsident von Honda Motor Co., Ltd., verkündete dennoch, seine Langfriststrategie laute, dass bis zum Jahr 2030 zwei Drittel der Gesamtproduktion elektrisch angetriebene Autos sein sollen. Von dieser Entwicklung dürfte auch General Motors profitieren, das sowohl im BZ-Bereich als auch beim autonomen Fahren mit Honda kooperiert.

Über 700 km Reichweite

Erstmals präsentiert wurde der Clarity Fuel Cell fast ein Jahr nach dem Mirai während der Tokyo Motor Show im Oktober 2015. In Europa war die zweite Generation des Clarity erstmals auf dem Genfer Auto-Salon Anfang März 2016 zu sehen, kurz bevor der Verkaufsstart in Japan erfolgte. Als erster Kunde bekam das japanische Ministerium für Wirtschaft, Handel und Industrie (METI) Mitte März ein Exemplar von Takahiro Hachigo höchstpersönlich ausgehändigt.

Das Highlight dieses Fahrzeugs ist mit Sicherheit die enorme Reichweite von bis zu 750 km pro Tankfüllung (japanische JC08-Norm). Die mögliche Fahrtstrecke wurde gegenüber dem Vorgängermodell um 30 Prozent gesteigert, wobei nach wie vor eine Befüllung des 700-bar-Tanks innerhalb von drei Minuten realisierbar ist. Hondas oberster Technologie-Stratege Keiji Otsu erklärte dazu unlängst dem Spiegel: „Wir haben ein Drittel des Volumens eingespart, brauchen nicht mehr Bauraum als ein konventioneller V6-Motor und haben jetzt die kleinste Brennstoffzelle in der ganzen Autoindustrie.“ Beim Clarity Fuel Cell ist erstmals der gesamte Brennstoffzellenantrieb im Motorraum platziert, so dass mehr Raum im Innenraum bleibt und – anders als bei allen anderen bisherigen BZ-Autos – fünf Personen Platz finden.

Auch wenn sich dies nach einer ausgereiften kommerziellen Version anhört, werden in der Produktionsfabrik in Takanezawa, Tochigi, zunächst trotzdem nur 200 Exemplare dieser 130 kW leistenden Limousine pro Jahr gebaut. Diese werden vorerst per Leasing-Vertrag an wichtige Persönlichkeiten vergeben (Preis: 62.000 Euro). Die USA und Europa werden ab Ende 2016 beliefert, allerdings gilt Deutschland nicht als Primärmarkt, weshalb auch in den letzten Jahren vom FCX Clarity nur zwei Exemplare hierzulande zu finden waren. Stattdessen werden die BZ-Fahrzeuge zunächst nach Großbritannien und Dänemark geschickt.

Ergänzend bieten die Japaner den Power Exporter 9000 als APU an, die die externe Nutzung des Brennstoffzellenstroms (9 kW) ermöglicht. Diese „Energiequelle auf Rädern“, die jetzt ebenfalls kommerziell angeboten wird, soll für eine Woche ausreichend Strom für einen Durchschnittshaushalt liefern können.

Thomas Brachmann von Honda Deutschland hat gegenüber dem Nachrichtenmagazin Spiegel erklärt: „Wir haben den FCX Clarity bereits seit 2008 auf der Straße. Was wir hier in Tokio enthüllen, ist deshalb schon eine Generation weiter als bei Toyota.“

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