Ballard: Jahr des „richtigen“ und „nachhaltigen“ Wachstums

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FCvelocity-HD-7-Modul, © Ballard

Ballard Power geht verstärkt den China-Weg, was sich in diversen Übereinkünften mit chinesischen Unternehmen aus den Bereichen der Busproduktion und der Entwicklung wasserstoffbetriebener Schienenfahrzeuge ausdrückt. Der kanadische BZ-Hersteller achtet dabei nach eigener Aussage sehr genau darauf, nur mit nachweislich seriösen Partnern zusammen zu kommen, die unterschiedlich groß sind und jeweils eigene Standortvorteile genießen. Ballard verfolgt also eine klassische Multi-Partner-Strategie. Es scheint, als wolle Ballard die sich aus der Produktion in China ergebenden Skalierungseffekte für sich nutzen, um nicht nur die Anzahl der zu produzierenden BZ-Stacks massiv auszuweiten, sondern vor allem um Preisvorteile zu generieren. Letztere wirken sich dann natürlich auch auf andere Weltmärkte aus, sollte Ballard mit Hilfe chinesischer Partner BZ-Stacks zu sehr wettbewerbsfähigen Preisen anbieten können. Warum also sollte der niederländische Ballard-Partner Van Hool seine Ballard-Stacks nicht aus China erhalten?

Konkret haben die Kanadier ein Projekt mit der Foshan Yunfu Eco Environmental Protection Industries International Cooperation Zone angestoßen, bei dem wasserstoffbetriebene Busse in der Provinz Guangdong produziert werden sollen. Der erste BZ-Bus wurde am 1. Dezember 2015 in einer besonderen Zeremonie vor Ort präsentiert: Er kann 78 Passagiere befördern, benötigt nur 7 kg H2 pro 100 km (ein neuer Bestwert!), hat einen Radius von 300 km und enthält das neueste BZ-Modul von Ballard: den FCvelocity®-HD-7-Stack. Die Planung sieht vor, dass ab Mitte 2016 vorerst 12.000 BZ-Module pro Jahr vom Band laufen und 3.000 BZ-Busse pro Jahr produziert werden sollen, was bedeuten könnte, dass ein Großteil der Module an unterschiedlicher Kunden/Anbieter/Hersteller geht.

Parallel dazu hat Ballard ein weiteres Abkommen geschlossen: Mit Xiamen King Long United Automotive Industry Co., dem zweitgrößten Busproduzenten der Welt, sollen ebenfalls BZ-Busse neu konzipiert und produziert werden. Man kann gespannt sein, welche neuen und vor allem permanenten und langfristigen Erträge (Lizenzen, Umsatzprovisionen, Forschungsaufträge, Stack-Lieferungen u. a.) hieraus für den nordamerikanischen Stack-Produzenten erwachsen. Darüber hinaus könnten die Produktion und die Teilefertigung in China Ballard erhebliche Kostenvorteile gegenüber dem internationalen Wettbewerb bringen, wenn auch als sicher anzunehmen ist, dass die F&E-Abteilung ebenso wie die Fertigung besonders sensibler Teile immer am Firmensitz in Kanada bleiben wird. Konkret konnte zudem ein Auftrag über 300 BZ-Busmodule generiert werden – der bislang größte Einzelauftrag in diesem Segment überhaupt.

Weiterhin gab Ballard bekannt, dass man mit dem langjährigen Partner und Zulieferer, der japanischen Nisshinbo-Gruppe (über 22.000 Mitarbeiter) daran arbeitet, die PEM-Zellen eventuell mit anderen Materialien auszustatten als mit Platin oder aber den Anteil dieses teuren Katalysatormaterials zu reduzieren zu Gunsten leistungs- und leitungsfähigerer Materialien, die günstiger in der Anschaffung und Produktion sind. Hier bestehen neben dieser Kooperation noch weitere Forschungspartnerschaften von Ballard mit verschiedenen Universitäten und Unternehmen. Man kann daher davon ausgehen, dass Ballard als der weltweite Marktführer in Sachen PEM-Brennstoffzelle hier seinen Marktvorsprung halten und ausbauen wird. Als ein Zeichen der Verbundenheit hat Nisshinbo zudem US-$ 5 Mio. in Ballard investiert beziehungsweise Aktien zu US-$ 1,50/Aktie von Ballard erworben. Eine starke und nachhaltige Forschungspartnerschaft, wie mir scheint.

Im dritten Quartal konnte des Weiteren die Übernahme von Protonex abgeschlossen werden. Die Konditionen blieben unverändert, da sich die Mehrheit der Protonex-Aktionäre bereits frühzeitig festgelegt hatte. Dies war zunächst ein Punkt der Unsicherheit, da hier durch den Kursrückgang der Ballard-Aktien eine wesentlich höhere Anzahl an Aktien hätte ausgegeben werden müssen, um dem vereinbarten Kaufpreis zu entsprechen. Protonex soll schon für das laufende Geschäftsjahr (31.12.2015) bis zu US-$ 5 Mio. zum Umsatz bei Ballard beitragen. 2016 sollen es mehr als US-$ 15 Mio. werden.

Ballard-Kunde Plug Power scheint indessen große Fortschritte bei der eigenen Produktion von BZ-Stacks für Gabelstapler zu machen. Hier ist eine in den Diskussionsforen oft genannte Sorge, dass Ballard auf Sicht als Zulieferer komplett ausfallen könnte. Ich sehe dies weniger kritisch. Meine Erwartung ist eher, dass Ballard neben Plug auch andere Hersteller mit BZ-Stacks unter anderem für Gabelstapler beliefern wird. Es besteht ja auch schon eine Partnerschaft in Korea mit M-Field. Zudem glaube ich, dass Plug bestimmte Stacks für große Stapler zwar selbst produziert, aber weiterhin von Ballard derartige Stacks für kleinere Stapler, die man gar nicht selbst produzieren will, kaufen wird.. Beide Unternehmen dürften somit auch über das Vertragsjahr 2017 hinaus weiterhin gut zusammenarbeiten, so meine Analyse. Und selbst wenn Plug Ballard als Zulieferer nicht mehr anfragt, sollte Ballard bereits andere viel größere Märkte ins Visier genommen haben und für einen schnellen Ausgleich sorgen.

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