DLR präsentiert Hy4 auf der WES

Bosch-WES
Prüfende Blicke von Loogen, Hermann, Pauli, Kromer v. Baerle, Bütikofer (v. r.)

Als vom 12. bis 14. Oktober 2015 die World of Energy Solutions in Stuttgart stattfand, war der Abgasskandal um Volkswagen noch ganz frisch. Das sogenannte „Dieselgate“ beherrschte viele Gespräche und auch viele Vorträge. Franz Untersteller, der Minister für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft des Landes Baden-Württemberg, zeigte sich in seiner Eröffnungsrede zuversichtlich, dass der Skandal um manipulierte Abgastests dazu beitragen werde, dass der Elektromobilitätssektor „neuen Drive“ bekomme. Die Brennstoffzelle nannte er „die Technologie der Zukunft“.

Unterstellers Ziel ist „die Vorreiterrolle bei der Energiewende“. Um dieses Ziel zu erreichen, baut er eindeutig auf die Elektromobilität, wobei er mit der bisherigen Rolle der deutschen Automobilindustrie nicht sonderlich zufrieden ist: So stellte der Umweltminister zunächst fest, dass „Tesla die deutsche Konkurrenz hinter sich gelassen hat“. Dann berichtete der Grünen-Politiker, er habe sich ein Elektroauto mit 240 km Reichweite bestellt, bedauerte aber gleichzeitig ausdrücklich, dass dieses Modell nicht aus Baden-Württemberg stamme.

Weiter berichtete der Minister von dem Landesprogramm Wärmewende im Heizungskeller. Hier habe es bis dato über 180 Anfragen gegeben. Allerdings sei dieses Programm Ende September 2015 ausgelaufen und würde nicht verlängert, weil Anfang 2016 ein bundesweites Förderprogramm an dessen Stelle treten soll (s. Interview).

Eine bemerkenswerte Rede hielt am Abend des ersten Veranstaltungstages Dr. Klaus Bonhoff. Bemerkenswert gleich in zweifacher Hinsicht: Zum einen war es durchaus hervorhebenswert, wie souverän der voraussichtlich noch länger amtierende NOW-Geschäftsführer seinen Dinner Speech zu Ende brachte, obwohl ein nicht enden wollendes lautes Gemurmel den Anschein erweckte, es würde niemand zuhören. Tatsächlich lag das aber wohl eher an der extrem schlechten Akustik in der Alten Stuttgarter Reithalle im Maritim Hotel. Zum anderen konnten diejenigen, die zuhörten, vernehmen, dass Bonhoff vorsichtig „eine neue voraussichtliche Zehnjahresphase“ ankündigte. Seinen Worten zufolge waren die Ressorts der Ministerien zu dieser Zeit gerade dabei, den Rahmen für ein eigenes Programm zur Markteinführung von Brennstoffzellen bis Ende des Jahres vorzubereiten.

Ein Blickfang war der Gemeinschaftsstand des Partnerlands Niederlande, wo Unternehmen aus der Region Nordbrabant ihre Exponate präsentierten. Unter anderem war dort das elektrische Motorrad STORM Pulse zu sehen. Junge Ingenieure der TU Eindhoven konstruierten dieses E-Motorrad, das über eine Reichweite von 380 km verfügen soll, in weniger als einem Jahr. Das Highlight der Veranstaltung war aber die Präsentation des neuen Wasserstoffflugzeugs Hy4 vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR; s. ausführlicher Bericht).

Bosch Engineering präsentierte auf dem Vorfeld des Messegeländes seinen Gepäckschlepper, der im Rahmen des Förderprojekts Innovative regenerative On-Board-Energiewandler (InnoROBE, s. Abb.) mit einer Brennstoffzelle als Range-Extender ausgestattet wurde. Nach Aussage des Unternehmens soll dieser Schlepper mit Brennstoffzellen-Hybridantrieb 2016 im Flughafeneinsatz erprobt werden, allerdings steht bislang noch nicht fest, an welchem Flughafen.

Der vom Land Baden-Württemberg gestiftete f-cell Award 2015, um den sich in diesem Jahr erstmals 29 Entwickler beworben hatten und der mit zweimal 10.000 Euro dotiert war, ging an die ElringKlinger AG und die Universität Freiburg. ElringKlinger erhielt die Auszeichnung in der Kategorie products & market für sein Brennstoffzellenmodul BZM 5, da der auf metallischen Bipolarplatten basierende Stack nach Urteil der Jury „industriell herstellbar ist und sich dabei durch seine Leistungsdaten und technische Reife auszeichnet“. Weiter hieß es, mit der im Kunststoffspritzgussverfahren hergestellten Endplattenbaugruppe, die bereits wesentliche Systemfunktionen integriere, ergäben sich große Einsparpotenziale für Stack und System. ElringKlinger arbeitet nach eigenen Aussagen seit rund 15 Jahren an Brennstoffzellen, blieb jedoch lange Zeit im Verborgenen und bezeichnet sich derweil selbst als „einzigen deutschen Stack-Hersteller“.

Der f-cell Award research & development ging an das Institut für Mikrosystemtechnik IMTEK der Universität Freiburg. Dort am Lehrstuhl für Anwendungsentwicklung bei Prof. Dr. Roland Zengerle hat die Nachwuchsgruppe „Poröse Medien“ ein vereinfachtes Herstellungsverfahren für Membran-Elektroden-Einheiten (MEA) entwickelt. Wie die Doktoranden Matthias Breitwieser und Matthias Klingele während der Preisverleihung berichteten, hätten sie im Rahmen ihrer Doktorarbeit einfach mal „gebrainstormt“ und überlegt, ob Membranmaterial direkt auf die Elektrode „gedruckt“ werden könnte. Die Überlegung war, zunächst auf Glas und dann direkt auf die Elektrode zu drucken. Wie sie berichteten, „hat das gleich im ersten Versuch geklappt“. Dieses Spray-Coating-Verfahren, bei der die Katalysator- und die PEM-Membran direkt auf die mikroporöse Trägerschicht (die Gasdiffusionslage) „aufgesprüht“ werden, gefiel dann auch den Kollegen von ElringKlinger so gut, dass sofort nach der Preisverleihung ein Kennenlerntermin für den nächsten Tag vereinbart wurde. Einen ausführlichen Fachbericht über diese Entwicklung lesen Sie im HZwei Januar-Heft 2016.

e-fleet Flughafen
Am Nachmittag des zweiten Veranstaltungstages fand auf dem nahegelegenen Flughafengelände die Präsentation des Projekts e-fleet statt; nachzulesen im HZwei Januar-Heft 2016.
DLR präsentierte H2-Flugzeug
Ein Highlight der Veranstaltung war die Präsentation des neuen Wasserstoffflugzeugs Hy4 vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR); nachzulesen im HZwei Januar-Heft 2016.
IMTEK erhält f-cell Award
Matthias Breitwieser und Matthias Klingele präsentierten während der WES-Abendveranstaltung ihre preisgekrönte Idee und schreiben darüber im HZwei Januar-Heft 2016.

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