CFC-Übernahme war eine Win-win-Situation

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Guido Gummert (Quelle: SOLIDpower)

Das deutsch-australische Unternehmen Ceramic Fuel Cells stand kurz vor der Schließung: Zunächst hatte die australische Mutterfirma Ceramic Fuel Cells Limited und dann auch die deutsche Tochterfirma Ceramic Fuel Cells GmbH Insolvenzverfahren eröffnet. Doch dann kam SOLIDpower S.p.A. als Retter in der Not. Das deutsch-italienische Unternehmen mit Sitz in Mezzolombardo, Südtirol, das lange Zeit im Stillen werkelte, verpflichtete zunächst mit Guido Gummert einen langjährigen Branchenkenner und präsentierte anschließend auf der Hannover Messe 2015 seine Pläne, innerhalb kurzer Zeit eine aktive Rolle auf dem europäischen Markt für Brennstoffzellen-Heizgeräte spielen zu wollen. Dann überraschte es im Juli 2015 mit der Meldung, das Geschäft der Ceramic Fuel Cells GmbH (CFC) zu übernehmen. Ausreichend Gründe für HZwei, um mit dem Geschäftsführer von der SOLIDpower GmbH, Guido Gummert, zu sprechen.

HZwei: Sehr geehrter Herr Gummert, fangen wir zunächst mal bei Ihren Ursprüngen an: Sie waren Ende der 1990er Jahre Gründer von european fuel cell, die von der Hamburg Gas Consult GmbH (HGC), einem Tochterunternehmen der Hein Gas Hamburger Gaswerke GmbH (heute zu E.ON gehörend), für die Entwicklung von Brennstoffzellen-Heizgeräten ins Leben gerufen wurde. Gemeinsam mit Ihrem damaligen Schwesterunternehmen Senertec wurde efc im August 2002 von der britischen Baxi Group übernommen. Ist das so weit erst einmal korrekt?
Gummert: Ja, das ist im Wesentlichen korrekt.

HZwei: Im März 2007 wurde efc umbenannt in Baxi Innotech. 2009 gab es dann die Übernahme des Unternehmens durch den britisch-niederländischen Heizgerätehersteller BDR Thermea und 2013 eine vom Konzern verordnete Eingliederung bei Senertec. Sie verließen damals das Unternehmen. Warum und was passierte dann?
Gummert: Die Baxi Innotech existiert weiterhin und ist heute in der Entwicklung tätig, die Geräte werden allerdings seitdem von Toshiba hergestellt. Baxi Innotech und die Technik haben inzwischen einen anderen Stellenwert innerhalb der Gruppe bekommen. Man war bestrebt Synergien innerhalb der Gruppe zu nutzen, von denen nach meiner Einschätzung die Firma Senertec auch profitierte.

HZwei: Kurze Nachfrage noch: Warum verabschiedeten Sie sich von „Ihrem“ Unternehmen? Waren Sie mit dieser Eingliederung bei Senertec nicht einverstanden?
Gummert: Es war, wie gesagt, der für mich erkennbar veränderte Stellenwert, den man der Technologie innerhalb der BDR-Thermea-Gruppe zu geben beabsichtigte. Das führt zwangsläufig dazu, Ziele und Positionen auf ihre Machbarkeit hin zu überdenken.

HZwei: Verstehe, Sie waren dann einige Monate lang von der Bildfläche verschwunden und tauchten schließlich in Italien wieder auf. Wie kamen Sie dorthin?
Gummert: Manche Branchenwege führen auch mal über verschlungene Pfade und meiner über die Alpen. Dort ist man auf mich aufmerksam geworden, und das SOFC-Entwicklungskonzept der damaligen SOFC-Power, heute SOLIDpower, hat mich gleich überzeugt. Einen Wettbewerber vom fachlichen Gewicht der CFC, so war ich überzeugt, kann die Branche gut gebrauchen. Eine SOFC-Technik mit diesem extrem hohen Wirkungsgrad und einem großen Kostenreduzierungspotenzial ist in der Branche so gut wie nicht präsent.

HZwei: Ist denn CFC an Sie herangetreten wegen einer Geschäftsübernahme oder umgekehrt?
Gummert: CFC hat im Rahmen des Insolvenzverfahrens über eine internationale Ausschreibung nach Investoren gesucht. Die profunde Erfahrung in der Praxis, die es bereits mit über 570 BlueGEN gab, ist für uns von immensem Wert. Die vorhandenen Strukturen für Vertrieb und Service sind zudem für uns eine gute Ergänzung. Unterm Strich lag es für uns nahe, ein entsprechendes Angebot abzugeben. Dass wir uns hier am Ende durchsetzen konnten, freut uns heute natürlich sehr.

HZwei: SOLIDpower war bislang in Deutschland noch nicht sonderlich bekannt. Bitte erklären Sie kurz in zwei, drei Sätzen die Besonderheiten dieses Unternehmens.
Gummert: Mit der Entwicklung im schweizerischen Technologiecenter in Yverdon les Bains, der Produktentwicklung in Mezzolombardo und der dortigen Stackfertigung für SOFC mit enormen Kostenreduzierungspotenzialen wurde die Basis für das Produkt der SOLIDpower, die EnGen 2500 mit 2,5 kWel, geschaffen. Mit dem Standort in Deutschland haben wir die Vermarktung unserer hocheffizienten SOFC-Technik vorangetrieben. Unseren Erfolg verdanken wir auch dem starken Commitment unserer Investoren, die gemeinsam mit uns das große Marktpotenzial dieser Technik sehen. Wir können aus voller Überzeugung sagen, dass die Technik für die Energiewende in unserem Hause angesiedelt ist.

HZwei: Sie haben bisher stets an PEM-Brennstoffzellen gearbeitet. Ist es nicht eine sehr große Umstellung, jetzt plötzlich bei fast 800 °C anstelle von 80 °C zu arbeiten?
Gummert (lacht): Wissen Sie, jede der beiden Technologien hat ihre spezifischen Vor- und Nachteile. Entscheidend ist am Ende doch, dass man aus dieser oder jener Technologie heraus auch ein wettbewerbsfähiges und qualitativ hochwertiges Produkt entwickeln kann, das vom Markt angenommen wird. Ich möchte gerne zeigen, dass dies auch mit der Produktion in Europa gelingt: Nah am Kunden, mit hochqualifizierten Partnern im Markt.

HZwei: Bitte erlauben Sie uns ein paar Einblicke hinter die Kulissen: Wie viel musste SOLIDpower für CFC hinblättern?
Gummert (lacht wieder): Einen angemessenen Betrag, mehr kann ich dazu nicht sagen. Die neuen Kollegen sind aufgrund ihrer Erfahrungen unbezahlbar. Zusammen mit dem SOLIDpower-Team hat sich die Unternehmensgruppe wieder ein Stück näher an die Weltspitze der Branche bewegt.

HZwei: Wer steht denn als Investor hinter SOLIDpower, dass Sie sich solche Rettungsaktionen leisten können?
Gummert: Die Investition in die CFC war eine knallhart kalkulierte Investition mit einer Win-win-Situation für alle Beteiligten. Unsere Investoren haben natürlich eine entscheidende Rolle gespielt, und ich bin allen Beteiligten sehr dankbar, dass diese Investition möglich wurde. In dem sehr konservativen Energiemarkt erscheint diese Investition als etwas Besonderes. Wer aber die Technik kennt und Erfahrung mit internationalem Management besitzt, der erkennt das Potenzial des BlueGEN mit dem weltweit höchsten elektrischen Wirkungsgrad von über 60 %. BlueGEN und EnGen sind die Produkte für die Energiewende. Und: Sie sind heute serienreif! Wenn Sie einmal durch die Fertigungsstätten in Mezzolombardo und Heinsberg gehen, verstehen Sie, was ich meine.

HZwei: Ist denn bei diesem Deal nur die CFC GmbH eingeschlossen oder auch die australische Mutterfirma?
Gummert: Wir haben die Assets und die Mitarbeiter der in Deutschland ansässigen CFC GmbH übernommen. Neben dem europäischen Vertrieb und dem Service umfasst dies auch die Produktionsstätte in Heinsberg.

HZwei: Was passiert denn nun mit dem australischen Hauptsitz und den dortigen Mitarbeitern?
Gummert: Die Assets der australischen Muttergesellschaft wurden von einem anderen Bieter übernommen, über dessen Pläne ich nicht spekulieren möchte. Wir sind jedoch bemüht, einige Schlüsselpersonen in Australien für uns zu gewinnen.

Das komplette Interview können Sie im Oktober-Heft der HZwei nachlesen.

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