IAA-Augenmerk lag auf Hybriden, nicht auf E-Autos

Toyota-Mirai-IAA-2015
Der Mirai erhielt viel Lob – auch von Angela Merkel

Konnektivität und Digitalisierung – das waren die Hauptthemen während der Internationalen Automobil-Ausstellung, die vom 17. bis 27. September 2015 in Frankfurt am Main stattfand. Sowohl die mediale Verknüpfung mit der ganzen Welt als auch digitale Zusatzangebote erschienen somit sehr viel wichtiger als saubere Antriebstechnologien. In den Ankündigungen war zwar auch viel von Elektromobilität zu hören gewesen, tatsächlich vor Ort waren allerdings im Wesentlichen Fahrzeuge mit Hybridantrieb; reine Batterieautos gab es kaum, Brennstoffzellenautos nur zwei.

Der Verband der Automobilindustrie (VDA) hatte zwar nicht ganz Unrecht, als er meldete, dass während der IAA auch Elektromobilität thematisiert würde. Bei genauerem Hinschauen wird jedoch schnell deutlich, dass hier bereitwillig Missverständnisse in Kauf genommen wurden, um der Automobilbranche ein grüneres Mäntelchen verpassen zu können. Klassische E-Mobile, die nur über einen Akku sowie einen Elektromotor verfügen, waren nur vereinzelt zu sehen.

Als einzige Ausnahmen können Audi und Porsche angesehen werden, die beide so genannte „Tesla-Fighter“ vorstellten. Michael Müller, Vorstandsvorsitzender der Zuffenhausener, präsentierte mit dem Porsche Mission E eine Konzeptstudie, die „ein Porsche-typisches Fahrgefühl“ und Elektromobilität miteinander verbinden soll. Die Reichweite dieses 440 kW starken Sportwagens soll auch bei sportlicher Fahrweise mindestens 500 Kilometer betragen. Die Aufladung soll nicht länger dauern als „ein Tankstopp plus Espresso und Händewaschen“ (ca. 15 Min.). Ermöglicht werden soll dies mit einer 800-Volt-Ladung, die angeboten werden soll, „sobald die Technologie so weit ist – in weniger als fünf Jahren“. Dem Tesla-Chef Elon Musk bleibt somit noch Zeit genug, seinen Vorsprung weiter auszubauen.

Audi zeigte den e-tron quattro concept, ebenfalls eine Studie, die in punkto Reichweite, Leistung (drei E-Motoren mit insg. 370 kW) und Sportlichkeit dem Tesla Konkurrenz machen soll, allerdings in Form eines SUVs. Als Gimmick verfügt dieser Viersitzer über ein Solardach. Er wird aber voraussichtlich frühestens 2018 als kommerzielle Version angeboten.

Weitere Neuheiten in Sachen Batterieauto waren nicht zu finden. Die meisten anderen Automobilisten schwiegen sich bei diesem Thema weitestgehend aus. Bei Opel hieß es auf die Frage nach E-Autos nur kurz: „In diesem Jahr nicht.“ Auch bei Honda gab es „gar nichts in diesem Jahr“. Außerdem wurde die bewährte Praxis, den Shuttle-Service auf dem Messegelände mit schadstofffreien Elektroautos abzudecken, in diesem Jahr nicht weitergeführt. Stattdessen kamen Verbrenner und ab und zu einmal ein Hybridfahrzeug zum Einsatz.

Mangelnde Motivation
Zum Übergang vom Verbrennungsmotor zum Elektrofahrzeug sagte Willi Diez vom Institut für Automobilwirtschaft (IFA): „Wenn die Ölpreise so niedrig bleiben wie im Moment, dann wird das eher 2030 oder 2040 der Fall sein. Jedes Unternehmen, das betroffen ist, hat also viel Zeit, sich anzupassen.“
E-Mobilität in die Ecke geschoben

Immerhin ein kleines Plätzchen räumte Nissan seinem e-NV200 sowie seinem Leaf ein, auch wenn das Show-Car auf der Bühne eine Hybrid-Studie war. Ähnlich war es bei Mitsubishi, die für ihren i-MiEV zumindest etwas Grün ins Blickfeld schoben. BMW hatte immerhin einige i3– und i8-Modelle draußen wie drinnen positioniert, allerdings schien dies ein bisschen so wie eine Alibi-Aktion, damit die Messebesucher zumindest in ein paar E-Autos probesitzen können.

Auch bei Daimler ist derzeit Elektromobilität nicht das Hauptthema, sondern eher das autonome Fahren. Wie Autos in Zukunft angetrieben werden, scheint momentan zweitrangig, auch wenn es offiziell während der Daimler-Pressekonferenz hieß: „Digitalisierung und Elektrifizierung werden unsere Sparte umkrempeln.“ Wichtiger als schadstoffarmes Fahren ist den Stuttgartern momentan, dass ihre Fahrzeuge vollautomatisch lenken und bremsen können und über das Internet mit der ganzen Welt verbunden sind.

Dementsprechend stand auch bei dem Forschungsfahrzeug F 015, das bereits im Januar 2015 auf der Consumer Electronics Show (CES, s. Abb. 1, S. 20/21) in Las Vegas vorgestellt wurde, eher die Ausstattung im Vordergrund. Alles rankt sich darin um große Ultra-HD-Touchscreens, um 180 Grad drehbare Vordersessel und Lichtprojektionen. Dass die Luxuslimousine dann im Jahr 2030 eventuell mit einer Brennstoffzelle angetrieben werden könnte, erscheint einerseits selbstverständlich, andererseits aber nebensächlich. Derzeit ist der F 015 allerdings noch Zukunftsmusik: In dem bisherigen Demonstrator versorgt momentan noch ein Akku den Elektromotor, der dann später mal 200 kW leisten soll.

New Mobility World
Anstelle der Elektromobilität-Halle, die es noch 2013 gegeben hatte, organisierte der VDA dieses Mal die Sonderausstellung New Mobility World, bei der neben alternativen Antriebsformen auch Themen wie Vernetzung, Automatisierung sowie CarSharing dargestellt wurden.

Brennstoffzellenseitig war die Frankfurter Autoshow eine einzige Enttäuschung. Nur Toyota warb offensiv mit seinem neuen BZ-Auto Mirai – sowohl auf der Homepage als auch auf dem Messestand sowie der Pressekonferenz. Der neue Toyota-Motor-Europe-Chef Dr. Johan van Zyl erwähnte gleich zu Beginn der Firmenpräsentation die kürzlich erfolgte Markteinführung des Mirai in Europa, und am Eröffnungstag kam auch Bundeskanzlerin Angela Merkel zum Toyota-Messestand, um sich anzuschauen, wie ein serienmäßiges Brennstoffzellenauto aussieht. Dirk Breuer, Pressesprecher von Toyota Deutschland, verlieh gegenüber HZwei seiner Hoffnung Ausdruck, dass dieser prominente Besuch andere Automobilhersteller zu etwas mehr Engagement in diesem Techniksegment bewegen möge. Weiter hieß es aus Japan: „Toyota ist der Überzeugung, dass verschiedene Technologien parallel existieren werden, von Elektroautos über Hybride bis zur vielleicht innovativsten Lösung, dem Brennstoffzellenfahrzeug.“

Hyundai-Präsident Hyung Cheong Kim verwies beim IAA-Auftakt ebenfalls auf sein BZ-Auto ix 35 und kündigte an, ab 2016 Hybrid-, Plug-in-Hybrid- sowie rein batteriebetriebene Modelle folgen zu lassen. Außerdem wurde die Konzeptstudie eines Rennwagens enthüllt, der – zumindest theoretisch – das Brennstoffzellen-Know-how der Koreaner und die Schnelligkeit eines Sportwagens vereint: der Hyundai N 2025 Vision Gran Turismo. Dieses Autokonzept ist allerdings nur für das PlayStation®-Spiel Gran Turismo® entwickelt worden.

Laut Ausstellerverzeichnis stellte lediglich Hyundai zum Thema „Wasserstoff“ aus. Beim Thema „Brennstoffzelle“ waren es – immerhin – noch drei weitere: CeramTech, ElringKlinger und Woco.

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