Große China-Phantasie bei Ballard – viele Durchbrüche in Aussicht

P200i-Protonex
P200i-Back-up-System (Quelle: Protonex)

Die Zahlen für das zweite Quartal waren ernüchternd. In allen Bereichen kam es zu Rückgängen im Umsatz. Aber: Das zweite Halbjahr 2015 soll, so Vorstandschef MacEwen, in vielen Bereichen des Unternehmens sehr positive Entwicklungen bringen – man sei „extremly busy“. Im Einzelnen: Die Übernahme von Protonex wird m. E. in Kürze umgesetzt, da diesem Schritt bereits über 50 % der Stimmrechte auf Seiten von Protonex im Vorwege zugestimmt haben. Der zwischenzeitlich stark gedrückte Aktienkurs von Ballard hätte hier eventuell eine Nachverhandlung ausgelöst. Ich gehe davon aus, dass man aus dem Bereich der protonex-Aktionäre bereits im Vorwege der Übernahme Aktien von Ballard leer verkauft hat, um sich abzusichern. Dies könnte sogar ein erheblicher Grund für die Kursschwäche von Ballard sein.

Protonex wird in 2015 nach Firmenangabe bereits einen Umsatz von US-$ 5 Mio. und in 2016 von über US-$ 15 Mio. anteilig zum Ballard-Umsatz beisteuern. Das Unternehmen gilt als sehr wachstumsstark und verbreitert das Produktportfolio von Ballard um diverse Märkte und Produkte, u. a. im militärischen Einsatz wie Drohnen u. v. a. Parallel kam es zu einer Kapitalerhöhung bei Ballard, die dem Unternehmen weitere etwa US-$ 15 Mio. in die Kasse spülte. Über die Umsetzung dieser Kapitalerhöhung kann man indes nur den Kopf schütteln, da diese zu US-$ 1,60/Aktie durchgeführt wurde, während der damalige Aktienkurs über US-$ 2,20 lag. Auch hier kann vermutet werden, dass angesichts des Kursabschlages bereits im Vorwege die Position gehedget wurde, d. h. dass man eventuell seitens der Underwriter Aktien leer verkaufte, um sich dann zu US-$ 1,60 wieder einzudecken (nicht unüblich, auch wenn es keiner zugeben würde). Das verlief recht „unglücklich“ und hätte nur parallel bei guten Nachrichten (Aufträge, Kooperationen, China-Projekte) zu anderen für Ballard wesentlich besseren Konditionen umgesetzt werden können. Nun ist’s aber Vergangenheit.

Hydrogenics

In China ist Ballard in vielfältiger Weise unterwegs: Man verhandelt wohl mit diversen Busherstellern über Kooperationen in verschiedener Form, angefangen von der Zulieferung von BZ-Stacks, F&E-Kooperationen, BZ-Produktion auf Lizenzbasis u. a. Hier sind noch im Jahr 2015 Durchbrüche (Verträge, Vorauszahlungen, Aufträge) zu erwarten. Auch das Projekt, bei dem 48 chinesische Städte jeweils 1.000 eBusse (Batterie, BZ-Hybrid u. a.) erwerben wollen, könnte manchen Folgeauftrag für Ballard bringen. Bislang liegen ja schon Aufträge für 33 BZ-Busse in zwei Städten vor (US-$ 10 Mio. Auftrag). Es könnten – so meine Erwartung – auch 1.000+ Busse werden, die Ballard zuliefert und/oder für die Ballard-Partner eine BZ-Stackproduktion auf Lizenzbasis aufbauen.

Im Bereich der Schienenfahrzeuge (Straßenbahnen, Züge) ist Ballard mit den zwei größten Firmen bereits im Geschäft: Mit TRC (Fusion von CNR & CSR zum weltgrößten Schienenfahrzeugkonzern) läuft ein Projekt für einen Prototypen eines wasserstoffbetriebenen Zuges (Umsetzung 2016), während Ballard schon für CSR eine H2-betriebene Straßenbahn als Prototyp abgeliefert hat. Hier ist zu erwarten, dass neben dem bereits geschlossenen Framework-Agreement klar definierte Verträge folgen, die Front Payments ebenso beinhalten wie eine F&E-Partnerschaft und Aufträge für BZ-Stacks. Allein ein solcher Deal lässt große Kursfantasie in Ballard entwickeln.

In China sieht man „rapid progress“ (O-Ton) und kann sich seitens Ballards auch gut vorstellen, dass das Land in Sachen BZ & H2 massiv Gas gibt und sogar Japan, Deutschland und die USA (hier vor allem Kalifornien) in der Umsetzung in den Schatten stellt. Meine Erwartung/Idee: Eventuell könnten 10.000 H2-Tankstellen in drei bis fünf Jahren via Gesetz/Verordnung/KP-Vorlage umgesetzt werden, alles denkbar! Deutsche Kfz-Hersteller wie BMW, Daimler & VW könnten dann genötigt sein, der Brennstoffzelle wesentlich mehr und schneller Aufmerksamkeit zu geben, da China ja zum weltgrößten Kfz-Markt avancierte.

Fazit: Ballard ist weltweit in BZ-Sachen perfekt positioniert. Das Unternehmen ist kerngesund, hat auf der Bank etwa US-$ 60 Mio. (inklusive einer Zahlung in 2016, keine Schulden = 1/3 der Börsenbewertung!), lässt diverse Aufträge erwarten (Backup-Power-Systeme, BZ-Stacks für Busse, u. a.), generiert Umsätze über den Rahmenvertrag mit VW (ca. US-$ 20 Mio. Auftragspotential p. a. bis 2019/20) und dürfte an weiteren Akquisitionen interessiert sein, die das IP-Portfolio von Ballard perfekt ergänzen.

Des Weiteren gelten weitere OEM-Deals (u. a. mit Kfz-Zulieferunternehmen) als wahrscheinlich. Last but not least wird m. E. die Kooperation und BZ-Zulieferung mit Plug Power im zweiten Halbjahr wieder zunehmen. Einerseits strebt zwar Plug eine eigene BZ-Stack-Produktion an, andererseits ist aber Ballard auch geneigt, mit anderen Unternehmen aus dem Bereich Material Handling zusammenzuarbeiten, weltweit, um von Plug unabhängiger zu werden. Die Kursschwäche ist in gewisser Weise selbst initiiert (KE, Protonex-Finanzierung) und beruht auch „psychologisch“ auf dem stark gedrückten Ölpreis. Wer hier Zeit hat, sollte die arg gedrückten Kurse nutzen, denn BZ & H2 sind eindeutig Zukunftstechnologien, die gar einen neuen Megatrend auslösen werden, zumal das Thema sauberer Energie ein Weltthema ist.

Risikohinweis
Jeder Anleger muss sich immer seiner eigenen Risikoeinschätzung bei der Anlage in Aktien bewusst sein und auch eine sinnvolle Risikostreuung bedenken. Die hier genannten BZ-Unternehmen bzw. Aktien sind aus dem Bereich der Small- und MidCaps, d. h. es handelt sich nicht um Standardwerte und auch deren Volatilität ist wesentlich höher. Es handelt sich bei diesem Bericht nicht um Kaufempfehlungen – ohne Obligo. Alle Angaben beruhen auf öffentlich zugänglichen Quellen und stellen, was die Einschätzung angeht, ausschließlich die persönliche Meinung des Autors dar.

Autor: Sven Jösting

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