H2-Meile ist Teil des grünen Korridors München-Modena

HZwei: Die Diskussion um das Für und Wider wurde teils sehr vehement geführt. Immer wieder gab es kritische Anfragen, ob denn solch ein kostenintensives Vorhaben notwendig sei. Sind Ihre Kritiker mittlerweile verstummt?

Walter-Huber-IIT
Huber erklärt sein H2-Zentrum (H2 Südtirol)

Huber: Solche Diskussionen werden bei jeder neuen Technik geführt. Kritische Anfragen werden von uns immer ernst genommen und ausführlich beantwortet, meist steht ein Besuch der Anlage im Programm, wo wir dann persönlich aufklären. Es muss klar gemacht werden, dass Wasserstoff nicht nur ein Ersatz eines fossilen Brennstoffs durch einen erneuerbaren ist, sondern dass Wasserstoff ein System darstellt, dass er als Stromspeicher dient und die Effizienz erneuerbarer Stromquellen, die sonst nicht effizient arbeiten können, erst ermöglicht. 2.500 Besucher im letzten Jahr überzeugten sich von der Effizienz des Systems. Damit ist es eine Technologie zum Anfassen geworden. Über 240 Artikel, Interviews, Darstellungen wurden in den öffentlichen Medien im zweiten Halbjahr 2014 veröffentlicht – keine einzige negativ, das ist schon positiv zu sehen. Es gibt immer Kritiker, aber konstruktive Kritik ist ernst zu nehmen und verbessert die Situation. Mittlerweile scheint auch den Kritikern der positive Ansatz bewusst geworden zu sein.

Hydrogenics

HZwei: Ihrem Projekt wurde unter anderem vorgeworfen, dass die fünf Brennstoffzellenbusse mit 9 Mio. Euro sehr teuer und zudem ständig kaputt und reparaturbedürftig seien. Außerdem seien sie lediglich für Strecken mit einer Steigung von weniger als einem Prozent geeignet. Was sagen Sie zu derlei Kritik?
Huber: Die 9 Mio. Euro sind die Kosten für die fünf Busse für fünf Jahre Betrieb, inklusive der Kosten für Treibstoff, Versicherung, Personal sowie Umbau einer Buswerkstätte usw. Das sind die Kosten, die auch bei gleichwertigen Dieselbussen in derselben Zeit anfallen. Man muss solche Kosten schon richtig bewerten, um nicht falsche Schlüsse zu ziehen. Die Busse haben in der Zwischenzeit die Verfügbarkeit von über 95 % erreicht und sind nicht störanfälliger und reparaturbedürftiger als Dieselbusse. Von wegen 1 % Steigung: Wir haben bereits im Vorfeld Probefahrten mit Wasserstoffbussen gemacht, z. B. vollbeladen von Bozen auf die Seiser Alm auf 2.000 m Meereshöhe und teils über 16 % Steigung, alles ohne Probleme, obwohl die Busse für den Stadtbetrieb gebaut sind. Man kann heute jeden Blödsinn veröffentlichen und viele lesen dies – auch der Weltuntergang nach dem Maya-Kalender wurde vorausgesagt und von vielen gelesen, aber doch wohl nicht geglaubt …

HZwei: 2005 hieß es, dieser Standort solle Teil einer „Wasserstoffmeile“ von München nach Verona mit mehreren H2-Stationen (alle 100 km) werden. Mittlerweile ist die Rede von einem „grünen Korridor“. Wie steht es um diesen Korridor? Gibt es bereits weitere Stationen?
Huber: Derzeit gibt es in Süddeutschland Tankstellen in Stuttgart und München. Bozen ist seit einem Jahr in Betrieb. Am 21. Mai 2015 ist in Innsbruck eine Wasserstofftankstelle von OMV eröffnet worden. In Rovereto auf der Höhe des Gardasees läuft die Planung an. Verona und Modena werden folgen. Die Wasserstoffmeile ist ein Teil des Grünen Korridors von München nach Verona und Modena. Alle 100 km entlang der Autobahn soll eine Tankstelle realisiert werden. Es ist also keine Utopie, sondern konkreter Realisierungswille vorhanden. Aber alles braucht seine Zeit.

HZwei: Ihr Standort ist Partner in dem von der EU finanzierten Projekt HyFIVE (Hydrogen For Innovative Vehicles, s. HZwei-Heft Jul. 2014), das im April 2014 gestartet ist. Was ist Ihr Part in diesem Vorhaben?
Huber: Der Part des IIT ist der Aufbau einer Pkw-Flotte, vor allem aber, die Errichtung von Tankstellen entlang der Strecke München-Verona-Modena voranzutreiben und damit Süddeutschland mit Norditalien zu verbinden. Gleichzeitig planen wir die Einbindung des Territoriums Südtirol mit Beteiligung lokaler Firmen, damit die H2-Technologie sich zu einer Wasserstoff-Wirtschaft entwickeln kann und Südtirol davon profitiert.

HZwei: Was sind denn jetzt Ihre weiteren Pläne?
Huber: Nach den ersten Schritten im Mobilitätsbereich, der mit weiteren Tankstellen und Vergrößerung der Bus- und Pkw-Flotten wachsen wird, wird der stationäre Bereich wie Haustechnik intensiver angegangen. Die Ausbildung in technischen Fachschulen und Berufsschulen wird verstärkt, denn wir brauchen gut ausgebildete Menschen, damit die Entwicklung weitergehen kann und zum Erfolg führt. Auch die Wasserstofftechnik macht sich nicht von allein und braucht vielfältiges Engagement.

HZwei: Herr Huber, ganz lieben Dank für dieses Interview.

Das komplette Interview lesen Sie in der Juli-Ausgabe der Zeitschrift HZwei.

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