Reichen 500 callux-Brennstoffzellen-Geräte tatsächlich aus?

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Guido Gummert

Auf diesen Zeitpunkt hatten viele lange gewartet: Während der Hannover Messe 2015 zeigten die auf dem Stand der Initiative Brennstoffzelle vertretenen Firmen gleich mehrere auf dem Markt erhältliche Brennstoffzellen-Heizgeräte. Nachdem die Hausenergieversorger bereits Mitte März 2015 auf der ISH, der nach eigenen Angaben weltgrößten Leistungsschau für energieeffiziente Heizungs- und Klimatechnik, an ihren Ständen in Frankfurt am Main ihre große Vorstellung gegeben hatten, waren in Hannover alle auf einem Gemeinschaftsstand vereint. Zum ersten Mal war dort die Logapower BZH192iT von Buderus zu sehen. Außerdem feierte SOLIDpower seinen Einstand bei der IBZ. Und Ceramic Fuel Cells (CFC) war auch dabei, obwohl zu dieser Zeit sowohl in Australien als auch in Heinsberg schon die Insolvenzverwalter das Sagen hatten.

Die Stimmung im Heizgerätesektor war daher zwiegespalten in Hannover: Während sich die einen erfreut über die Beteiligung von SOLIDpower sowie die Ankündigungen von SenerTec und Buderus zeigten und hoffnungsfroh in die Zukunft blickten, schauten andere voller Skepsis nach hinten auf das bisher Erreichte beziehungsweise das Noch-nicht-Erreichte. So stellte IBZ-Sprecher Andreas Ballhausen beispielsweise fest, dass „wir in Deutschland mittlerweile 1.000 Brennstoffzellen-Heizgeräte installiert haben, davon 500 im callux-Programm“. Weiter sagte er rückblickend, dass die Versprechen von 2011 (800 Geräte bis 2015) damit „übererfüllt“ worden seien. Er verschwieg jedoch, dass die reinen callux-Installationen, auf die sich diese Vorhersage ursprünglich bezogen hatte, schon seit Jahren weit hinter den Erwartungen zurückhängen und es 2009 noch geheißen hatte, bei callux „sollen etwa 800 Anlagen bis Ende 2012 erprobt werden“.

Hydrogenics

Weiter sagte Ballhausen in der Podiumsdiskussion, die irritierenderweise von seinem IBZ-Kollegen Alexander Dauensteiner und nicht von einem neutralen Moderator geleitet wurde, dass dies „mehr als erwartet“ sei und, dass „wir in der Pole-Position stehen“. Im Gegensatz zu Deutschland hat Japan allerdings mittlerweile über 120.000 Ene-Farm-Geräte im Feld und liegt damit mindestens noch 119.000 Anlagen vor der Pole-Position. Erik Schumacher, NOW-Projektleiter für stationäre Brennstoffzellen, konstatierte demgegenüber ganz nüchtern und weitaus realitätsnäher: „500 sind einfach nicht genug.“

Weiterhin wurde mehrfach festgestellt, dass der wichtigste Knackpunkt immer noch der zu hohe Preis für BZ-Heizgeräte ist. Schumacher bestätigte, dass die Kostenreduktion im Rahmen des callux-Vorhabens nicht im erhofften Maße eingetreten ist, weshalb er die Marktaktivierung über ein NIP-Folgeprogramm vorschlug. Andreas Ballhausen, der auch Geschäftsführer der CFC GmbH war, sagte dazu: „Ceramic Fuel Cells hat 300 Mio. Euro in diese Technik investiert. […] Wir müssen uns eingestehen, dass die Produktionskosten zu diesem Zeitpunkt auf einem sehr hohen Level liegen. Wir brauchen das Markteinführungsprogramm, um für die Industrie Volumen zu kreieren.“

Ceramic Fuel Cells war überraschenderweise trotz der finanziellen Probleme in Australien und Heinsberg wieder mit auf dem IBZ-Gemeinschaftsstand vertretenen gewesen. Ballhausen sagte zu den wirtschaftlichen Perspektiven: „CFC ist nicht insolvent, wir sind in einem vorläufigen Insolvenzprozess und schauen uns nach Investoren um. […] Wir machen jetzt eine Art Neustart und sind sehr zuversichtlich, dass wir Investoren in diesem Prozess finden werden und das Geschäft am Laufen halten können.“ Diese Aussage hat sich inzwischen bestätigt, da CFC mittlerweile von SOLIDpower übernommen wurde.
Zu verdanken ist diese Rettung Guido Gummert, der ein bemerkenswertes Comeback hinlegte. Nach über einem Jahr der Abwesenheit von der deutschen BZ-Branche gab es während der Hannover Messe ein erstes Wiedersehen mit ihm. Der Hamburger, der über viele Jahre hinweg seit der Gründung 1999 zunächst european fuel cell und dann Baxi Innotech geleitet und die Gamma Premio 1.0 bis zur Marktreife gebracht hatte, war im September 2013 aus der Baxi Group ausgeschieden. Das von ihm mitentwickelte Gerät wird nun unter dem Dach von SenerTec auf den Markt gebracht. Gummert ist mittlerweile bei dem italienischen Unternehmen SOLIDpower untergekommen. Seit Juni 2014 leitet er von Hamburg aus die Geschäfte des Firmenzusammenschlusses von SOFCpower aus Norditalien und HTceramix, einem Spin-off der EPFL Lausanne, Schweiz, der Anfang 2015 in SOLIDpower umbenannt wurde. Seit Februar 2015 gibt es in Wentorf bei Hamburg die dazugehörige GmbH.

1.000 BZ-Heizgeräte in Deutschland
Gemäß dem NOW-Jahresbericht 2014 wurde der Bereich stationäre Hausenergie bis Ende 2014 mit fast 70 Mio. Euro gefördert. Bei 450 Geräten, die bis dahin installiert waren, entspricht dies einer Fördersumme von mehr als 150.000 Euro pro Aggregat.
Über 500 weitere Aggregate wurden in Deutschland im Rahmen weiterer Projekte installiert:
–    Bei FuelCell@Home – ebenfalls ein NOW-Fördervorhaben – gingen bis Februar 2015 119 Aggregate von CFC ins Feld (Projektvolumen: 9 Mio. Euro, Förderung: 4,3 Mio. Euro, für 134 Geräte von Ende 2010 bis Mitte 2016). Insgesamt baute CFC bisher knapp 650 Aggregate, davon stehen rund 475 in Deutschland.
–    Im Rahmen des EU-Projekts ene.field gingen 91 Aggregate bis Februar 2015 in Betrieb.
–    Sonstige Projekte kamen auf 316 Systeme (u. a. verkaufte Viessmann bisher knapp 100 Panasonic-Aggregate).

NOW-Geschäftsführer Dr. Klaus Bonhoff erklärte gegenüber HZwei, beim callux-Start sei noch nicht absehbar gewesen, dass BZ-Heizgeräte in Deutschland auch über andere Förderprojekte ins Feld gebracht würden. Wesentlich sei doch, dass heute 1.000 Aggregate installiert seien.

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