Werner-Tillmetz

Wer entscheidet über Fördergelder für H2- und BZ-Technik?

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Prof. Werner Tillmetz will nicht wieder als Beiratsvorsitzender kandidieren.

Über die konkrete Gestaltung des anvisierten NIP 2.0 gibt es derzeit noch keine genauen Angaben. Das Bundesverkehrsministerium hat zwar in Aussicht gestellt, zunächst 161 Mio. Euro für drei weitere Jahre bereitstellen zu wollen, die anderen Ministerien äußerten sich dazu bisher allerdings noch nicht – erst recht nicht zu einer längerfristigen Planung.

Die Grundlage für die bisherigen Überlegungen zur Ausgestaltung eines Nachfolgeprogramms bildet bis dato immer noch der Entwurf des NOW-Beirats. Ob sich in diesem Papier jedoch tatsächlich alle Player wiederfinden, ist fraglich. Das Stimmungsbild, das sich der HZwei-Redaktion währen der Hannover Messe 2015 – auch rückblickend auf das NIP 1.0 – darbot, lässt eher vermuten, dass sich etliche kleine und mittlere Unternehmen (KMU) nicht gebührend repräsentiert fühlen.

Dr. Klaus Bonhoff, Geschäftsführer der NOW GmbH, verweist bei dieser Thematik zwar stets darauf, dass „das Geld, das an große Unternehmen geht, weitergeleitet wird an die kleinen“, und dieser Sachverhalt wurde auch von einigen Kleinunternehmen bestätigt. Dennoch kritisierten etliche andere KMU-Geschäftsführer, dass sie sich zu wenig berücksichtigt fühlten. Während sich die Großen ein Förderprogramm nach ihren eigenen Vorstellungen zusammenbasteln könnten, müssten die Kleinen zusehen, was am Ende an sie weitergereicht werde, ohne eigenen Gestaltungsfreiraum zu haben oder eigene Ideen verwirklichen zu können, so hieß es.

Im NOW-Beirat gab es bisher drei Mitglieder, die die KMUs vertreten sollten: Prof. Dr. Werner Tillmetz, der die speziellen Anwendungen mitrepräsentieren sollte, ist allerdings für ein Forschungsinstitut (ZSW) tätig und war bisher im Beirat hauptsächlich als Vorsitzender (gemeinsam mit Dr. Georg Menzen) aktiv. Er will jedoch nicht erneut für den Vorsitz kandidieren (s. HZwei-Heft Juli 2015, S. 16). Dr. Uwe Maier kommt zwar von einem Komponentenzulieferer, aber die ElringKlinger AG kann als börsennotiertes Unternehmen mit über 7.000 Mitarbeitern eher als Konzern denn als KMU angesehen werden. Und Andreas Ballhausen musste im Hausenergiesektor neben den Interessen seines eigenen Unternehmens Ceramic Fuel Cells auch die von Großfirmen wie Vaillant und Viessmann mitverfolgen. Dominiert wurde das Beratergremium somit bislang von Großunternehmen (Daimler, Volkswagen, EWE Energie, Vattenfall Europe Innovation, Linde, Total Deutschland).

Einen starken Fürsprecher für Kleinunternehmen gab es demnach nicht, auch nicht in Person von Johannes Schiel, der zwar die Geschäfte der VDMA AG Brennstoffzellen führt, der sich im Beirat aber eher um die Industrieanwendungen, in denen traditionell eher Großfirmen aktiv sind, kümmerte.

Der Vorsitzende der VDMA AG Brennstoffzellen Dr. Manfred Stefener, der als Geschäftsführer der elcore GmbH selbst ein Kleinunternehmen leitet, sieht keine Notwendigkeit zur Überarbeitung des NIP. Er fühlt sich vielmehr nach eigener Aussage im NIP gebührend berücksichtigt. Andere Kleinunternehmer und Mittelständler äußerten jedoch Kritik am NIP, wobei diese teils aus Angst vor einer Zurückweisung zukünftiger Förderanträge nicht öffentlich wiederholt wurde. Seitens GP Joule hieß es dazu in Hannover ganz offen: „Der Mittelstand ist willens, zu investieren, aber wir haben den Eindruck, dass wir am Katzentisch sitzen.“

Dass es auch ohne große staatliche Förderprogramme geht, darauf verwies Andreas Frömmel, Geschäftsführer von FuelCell Energy. Sein Unternehmen beziehungsweise der US-amerikanische Mutterkonzern habe bisher rund 1 Mrd. US-$ an der Börse eingesammelt, komme ansonsten aber ohne Förderung aus, erklärte Frömmel. Dabei verschwieg er jedoch, dass das deutsche Vorgängerunternehmen MTU Onsite Energy etliche Millionen an Fördergeldern zur Entwicklung der MCFC-Technik bekommen hatte, bevor dessen Mutterkonzern Tognum sich aus diesem Technologiefeld zurückzog und FuelCell Energy die Reste übernahm.

Vielleicht erweist sich aber auch die Variante von eZelleron, das über Crowdfunding reichlich Geld für die geplante Produktion einsammelte (s. HZwei-Heft Apr. 2015), als erfolgversprechend. Welcher Weg auch immer der richtige ist, muss die Zukunft zeigen. Klar ist aber schon jetzt, dass die Meinung innerhalb der Industrie sehr viel stärker geteilt ist als bei der Vorbereitung auf das NIP 1.0. Damals gab es bei der Aussicht auf Fördermillionen fast schon eine euphorische Stimmung in der Brennstoffzellenindustrie, so dass die meisten Unternehmen zustimmten, 50 % des Fördervolumens selbst aufzubringen. Dieses Mal dürfte es ungleich schwerer werden, ein einhelliges Votum einzuholen. Ein solches wäre aber hilfreich, damit ein wirklich nachhaltiges, wirksames Marktaktivierungsprogramm zustande kommt.

Es erscheint somit ratsam, den bisherigen Entwurf des NOW-Beirats noch weiter zu optimieren, damit sich zukünftig auch der Mittelstand gebührend berücksichtigt fühlt. Ein erster Schritt wäre, gleichzeitig mit der Neuwahl des Beiratsvorsitzenden auch den restlichen Beirat zumindest teilweise neu zu besetzen beziehungsweise zumindest die Aufgabenbereiche angemessen zu verteilen.

Sollte hier kein klares Zeichen gesetzt werden, müssten sich nicht nur große schwäbische Unternehmen die Frage gefallen lassen, warum trotz Fördermillionen nach über 15 Jahren der Versprechungen immer noch keine harten Fakten auf Deutschlands Straßen zu sehen sind, warum aber genau diese Unternehmen weiterhin mit darüber entscheiden dürfen, wohin zukünftig die Steuergelder fließen.

2 Gedanken zu “Wer entscheidet über Fördergelder für H2- und BZ-Technik?

  1. Eins sehr schöne Analyse des Ist-Zustandes, Herr Geitmann. Dankeschön.
    Davon brauchen wir noch viel mehr. Und wir brauchen auch noch viel mehr Leute,
    die endlich das Potenzial von Wasserstoff,
    vor allem bei seiner DEZENTRALEN Herstellung
    und in seinen bisher ungenutzten Anwendungen
    als zukünftiger Energieträger erkennnen.
    Und diese Leute sitzen eben NICHT in den o.a. Grossfirmen.
    Und leider auch nicht in den Forschungsinstituten.
    Das sollte nach soviel Zeit- und Geldverschwendung mittlerweilen allen klar sein.
    Vor allem die globale Glaubwürdigkeit leidet darunter sehr.
    Und das seit über 15 Jahren, wie von Ihnen so richtig erwähnt.

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