Toyota-Mirai-Hannover-2015

Hannover Messe: Die MobiliTec schwächelt

Toyota-Mirai-Hannover-2015
Testfahrt mit dem Toyota Mirai bei schönstem Sonnenschein

Hannover bleibt der wichtigste Branchentreffpunkt für die H2- und BZ-Community. Wie bereits in den vergangenen Jahren versammelten sich vom 13. bis 17. April 2015 wieder fast 150 Aussteller auf dem Gemeinschaftsstand Wasserstoff + Brennstoffzellen + Batterien in Halle 27. Abseits davon gab es jedoch nur sehr vereinzelt lohnenswerte Anlaufstellen für interessierte Besucher. Das Thema Elektromobilität war jedoch längst nicht mehr so präsent wie noch in den Vorjahren. Auf der MobiliTec standen dieses Mal vier große Gemeinschaftsstände von Baden-Württemberg, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen sowie vom Bundesverband Solare Mobilität im Mittelpunkt – und natürlich die Ride-&-Drive-Area, wo erstmals neben dem Toyota Mirai auch der VW US Passat HyMotion erprobt werden konnte.

Auf dem Messegelände in Hannover mit seinen zehn Leitmessen erschienen in diesem Jahr insgesamt mehr als 220.000 Besucher bei den 6.500 Ausstellern. 2014 waren es über 170.000 Besucher auf sieben Leitmessen (4.800 Aussteller) gewesen. Während allerdings auf der MobiliTec 2014 noch über 154 Aussteller auf knapp 4.000 m² ausstellten, waren es dieses Mal 120, die meisten davon als Unteraussteller auf den großen Gemeinschaftsständen.

Hydrogenics

Während der Pressekonferenz am Gemeinschaftsstand von Tobias Renz, bei der am ersten Messetag schon fast traditionsgemäß der NOW-Geschäftsführer Dr. Klaus Bonhoff zusammen mit Markus Bachmeier, dem Wasserstoffverantwortlichen von Linde, mit dabei war, ging es wieder mal um die Weiterführung des Nationalen Innovationsprogramms Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie (NIP). Dr. Bonhoff beteuerte gewohntermaßen, er plädierte für ein neues Programm zur Markteinführung.

Ein weiteres Thema war der Ausbau der H2-Infrastruktur, der nicht ganz so zügig wie erhofft vorankommt. Derzeit ist absehbar, dass die anvisierten 50 Tankstellen bis Ende 2015 nicht alle fertiggestellt werden können, da es vielfach Verzögerungen bei der Standortfestlegung und der Einholung von Baugenehmigungen gab. Aktuell sind 17 H2-Stationen fertig. Trotzdem erklärte Bachmeier: „Bis Ende 2015 werden wir einen Großteil haben.“ Bonhoff konkretisierte: „Es gibt für 50 Tankstellen Förderanträge und Förderzusagen. Die Finanzierung ist vorhanden. Wenn dann die letzten 2016 in Betrieb gehen, dann ist das so.“ Die offizielle Redeweise wurde entsprechend angepasst, so dass es jetzt heißt: „Über die Restlaufzeit des NIP – bis Anfang 2016 – wird eine erste strategische Aufbau-Etappe realisiert.“ Ab Ende 2016 kümmert sich dann das im März 2015 gegründete Unternehmen H2Mobility (hervorgegangen aus der H2Mobility-Initiative) um den Aufbau weiterer Wasserstofftankstellen (400 H2-Stationen bis 2023).

Dass hier nicht stärker aufs Tempo gedrückt wird, liegt auch mit daran, dass die deutschen Automobilbauer derzeit noch keine Brennstoffzellenfahrzeuge verkaufen. Demgegenüber berichtete Andy Fuchs von Toyota, dass im Januar 2015 in Japan rund 1.600 unterzeichnete Verträge vorlagen. Die anfängliche Produktion von 700 wurde daher auf 2.000 erhöht. Nächstes Jahr sollen es 3.000 und 2020 dann 10.000 Exemplare sein.
Zweifelhafter Erkenntnisgewinn

Bei der Diskussion im Public Forum über H2-Mobilität, bei der am Vormittag des zweiten Messetags auch wieder Bachmeier und Fuchs auf dem Podium saßen, gab es dann wenig Neues, auch nicht von dem wie in jedem Jahr eingeladenen CEP-Vorsitzenden Patrick Schnell. Dafür lieferte die nachmittägliche Podiumsdiskussion die Erkenntnis, dass der Energiekonzern BP so gut wie nichts mehr mit Wasserstoff zu tun hat. Dr. Ruprecht Brandis, Director External Affairs bei BP, zeigte deutliche Wissenslücken, indem er erklärte: „Wasserstoff ist problematisch als Kraftstoff: Sie müssen ihn sehr tief runterkühlen, Sie haben hohe Leitungsverluste, und die Tankstellen, die Sie dafür brauchen, sind technisch außerordentlich komplex und auch schwierig für die Kundschaft zu handhaben. Wir sind davon nicht überzeugt.“ Glücklicherweise konterte der stets gut informierte Moderator Ulrich Walter diese Aussagen mit der Feststellung: „Ich bin nicht so richtig überzeugt, dass Sie die Entwicklung seit 2004 weiterverfolgt haben, denn flüssiger Wasserstoff wird dafür nicht mehr verwendet.“ Daraufhin legte Brandis noch einen nach: „Ich bin jetzt seit zehn Jahren bei der BP und wir haben seitdem eine Reihe Debatten gehabt über alternative Kraftstoffe. Jedes Mal war es der Stein der Weisen. […] Ich muss sagen, die Bilanz der zehn Jahre ist nicht so berühmt für die Alternativen.“

Insgesamt 145 Aussteller hatten in diesem Jahr bei Renz gebucht, davon allein 14 Energieversorger und Heizgerätehersteller auf dem IBZ-Gemeinschaftsstand, zudem vier Automobilhersteller auf dem Freigelände. GP Joule war – wie schon 2014 – gleich mit zwei Ständen in Halle 27 vertreten. Am Hauptstand ging es vorrangig um Sonne, Wind und Bioenergie sowie deren Stromlückenfüller, und beim Tochterunternehmen H-Tec Education stand das Thema „Weiterbildung im H2- und BZ-Sektor“ im Fokus. Dementsprechend hat sich mittlerweile auch die Struktur des 2009 gegründeten Unternehmens geändert: In den letzten Monaten konzentrierte es sein Engagement an zwei Standorten: Reußenköge in Schleswig-Holstein (Hauptsitz) und Buttenwiesen in Bayern. Und weil im Süden der Republik die gesamte Systemintegration gebündelt wurde, führt H-Tec Systems fortan auch dort die Entwicklung seines Elektrolyseurs weiter. Die erste Ausbaustufe seines „Stromlückenfüllers“ (4 x 5 kW) ging wenige Tage nach der Messe in Reußenköge in Betrieb.

H-Tec Education hat derweil neue Räumlichkeiten in Lübeck bezogen und einen neuen Geschäftsführer bekommen: Nachdem mit Uwe Küter einer der Unternehmensgründer die Firma im Zuge der Neuausrichtung verlassen hat, steht seit Anfang des Jahres der ehemalige Vertriebsleiter Ake Johnsen den rund 20 Mitarbeitern vor.

Am selben Standplatz in Halle 27, wo früher Truma ausstellte, war in diesem Jahr SFC zu finden, die ebenfalls Brennstoffzellen für Reisemobile anbieten. Dr. Peter Podesser, der SFC-Vorstandsvorsitzende, berichtete, dass der Camping-Markt insbesondere in den südeuropäischen Ländern in den vergangenen Jahren deutlich nachgegeben hat. Statt in diesem oder im Telekommunikationsbereich würden mittlerweile zunehmend mehr Systeme im Bereich der industriellen Sonderanwendungen verkauft. Hier ist insbesondere die autarke Energieversorgung von im Bau befindlichen Windkraftanlagen sowie die Überwachung von Ölpipelines zu nennen. Mit dieser Strategie, dass nicht explizit Brennstoffzellen, sondern Strom und Komplettlösungen angeboten werden, hofft Podesser mit seinen mittlerweile über 200 Mitarbeitern noch in diesem Jahr in den positiven Bereich vorzustoßen.

Mit dazu beitragen soll auch das im März 2015 angekündigte EFOY-Pro-12000-Duo-System, das in Hannover vorgestellt wurde. Es handelt sich dabei um eine 500-W-Direktmethanol-Brennstoffzelle, die bisher leistungsstärkste des Brunnthaler Unternehmens mit einer Ladekapazität von 12.000 Wh pro Tag, die für den netzfernen, industriellen Einsatz unter anspruchsvollen Umgebungsbedingungen gedacht ist. In einem Schaltschrank können bis zu fünf Module kombiniert werden (60 kWh pro Tag). Podesser sagte dazu: „Wo andere Stromerzeuger wie Solarmodule oder Dieselgeneratoren an ihre Grenzen kommen oder zu teuer in Betrieb und Logistik sind, bieten unsere Brennstoffzellen eine kostenattraktive, zuverlässige Lösung.“

Weitere Details über die Hannover Messe 2015 lesen Sie in der Juli-Ausgabe der HZwei.

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