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NOW: Wir verfolgen energiewirtschaftliche Ziele

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K. Bonhoff, NOW (l.), mit S. Kühn, eZelleron (r.), und A. Fuchs, Toyota

Seit mehreren Monaten wird mittlerweile über die Weiterführung des Nationalen Innovationsprogramms Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie (NIP), also ein etwaiges NIP 2.0, spekuliert. Damit allerdings die Ideen zur Ausgestaltung der Neuauflage des Programmes nicht in der Luft zerrissen werden, bevor dieses überhaupt verabschiedet ist, lohnt sich ein kurzer Blick zurück: Was waren eigentlich Inhalt und Ziel des NIP 1.0?

Dr. Klaus Bonhoff, Geschäftsführer der Nationalen Organisation Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie GmbH (NOW), stellte Mitte April 2015 während der Hannover Messe grundsätzlich klar, dass das Nationale Innovationsprogramm Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie stets eine zentrale Zielsetzung verfolgt habe: Es ist speziell auf diejenigen Anwendungen zugeschnitten, die industriepolitisch und energiewirtschaftlich eine umweltrelevante Auswirkung haben. Dies bedeutet, dass vorrangig die Techniken mit einem hohen Potential unterstützt werden, deren Entwicklung gesellschaftspolitisch von Interesse ist, bei denen das wirtschaftliche Risiko aber nicht allein von der Industrie getragen werden kann.

Neben diesem industriepolitisch relevanten Bereich gibt es einen zweiten Sektor, in dem insbesondere kleine und mittelständische Unternehmen agieren. Diese profitieren nach Bonhoffs Worten indirekt von den NIP-Fördergeldern, indem sie von den Industrieunternehmen Unteraufträge bekommen. Darüber hinaus wies er darauf hin, dass auch KMUs und Start-ups von der mit Fördergeldern initiierten Forschungslandschaft profitieren, da Existenzgründer und Mittelstand ebenfalls Zugriff auf das Know-how der Institute (z. B. bei der Materialentwicklung) bekommen.

Angesprochen auf Unterstützungsmöglichkeiten für Kleinunternehmen wie beispielsweise eZelleron, mit dessen Geschäftsführer Dr. Sascha Kühn der NOW-Chef in Hannover auf dem Podium saß, antwortete Bonhoff, es liege nicht im Zuständigkeitsbereich des Staates, solche aufladbaren Brennstoffzellengeräte zu entwickeln. Er erklärte: „Es ist vom politischen Auftrag her nicht die Aufgabe unseres Programmes, die Start-up-Szene zu fördern. Wir verfolgen energiewirtschaftliche Ziele. […] Die Rolle der NOW sehe ich dabei nicht zuletzt in der Koordinierung von öffentlichen und privaten Akteuren in den Kernaufgaben H2-Infrastrukturaufbau, Kraft-Wärme-Kopplung sowie Elektromobilität.“

Dieser Grundgedanke betrifft ebenso die Wasserstoffversorgung kleiner dezentraler Anwendungen (z. B. für Back-up-Systeme, s. HZwei-Heft April 2015). Die H2-Infrastruktur abseits des großen Mobilitätssektors ist im NIP adressiert, obwohl sie industriepolitisch betrachtet nicht von maßgeblicher Bedeutung ist. Die Problematik, wie kleine und mittelgroße Anwendungen einfach und günstig mit Wasserstoff versorgt werden können, wird dennoch in einem NOW-Arbeitskreis im Rahmen von Clean Power Net (CPN) behandelt, wurde aber bisher noch nicht zufriedenstellend gelöst.

Industriepolitisch liegt das Hauptaugenmerk im NIP 1.0 auf der H2-Mobilität und der Erprobung neuer Techniken im Rahmen von Demonstrationsprojekten. Hier gab es zuletzt immer wieder Nachfragen nach der Weiternutzung derartiger Fördervorhaben nach dem Projektende. Dazu sagte Bonhoff, dass es zwar nicht grundsätzlich das Ziel sei, dass Demonstrationsprojekte nach der Laufzeit sofort beendet werden, manchmal ließe sich dies aber nicht verhindern. Im Rahmen eines Demo-Vorhabens gehe es primär darum, die Machbarkeit nachzuweisen und Erfahrungen zu sammeln, nicht nur technisch, sondern auch, wie sich etwas wirtschaftlich darstellt. So ist es nicht ungewöhnlich, dass Komponenten nach dem Projektende anderen Verwendungen zugeführt oder in Einzelfällen dann auch verschrottet werden, so Bonhoff.

Bei den CEP-Tankstellen, von denen bereits einige eine Laufzeitverlängerung erhalten haben, ergibt sich laut Bonhoff eine Sondersituation: Hier gibt es seit März 2015 mit dem Unternehmen H2Mobility, das sich aus der H2Mobility-Initiative gebildet hat, eine Organisation, die die Nachnutzung der Tankstellen sicherstellt, allerdings auch hier nicht in jedem Fall. Wie die Zukunft der Clean Energy Partnership (CEP) konkret aussieht, ist derzeit ungewiss. Allem Anschein nach könnte sie aber nach dem derzeit geplanten Projektende 2016 mit einem neuen Fokus weitergeführt werden.

Während der Hannover Messe zeigte sich Dr. Klaus Bonhoff zuversichtlich, dass auf das NIP 1.0 ein NIP 2.0 folgen wird. Konkret sagte er über den Katalog möglicher Fördermaßnahmen, der bereits vor etlichen Monaten vom NOW-Beirat vorgelegt worden war: „Der Vorschlag der Industrie wird zurzeit zwischen den Ressorts der Bundesregierung diskutiert. Wir haben erste sehr positive Rückmeldungen, dass man dies sehr wohlwollend prüft.“

Zu weiteren Fördermaßnahmen erklärte der NOW-Leiter, er gehe davon aus, dass in diesem Themenspektrum eine Förderung für den Forschungs- und Entwicklungsbereich auf vergleichbarem Niveau wie heute erforderlich sei, also jährlich etwa 60 bis 70 Mio. Euro. Obendrauf kämen dann noch Marktaktivierungsmaßnahmen, wie auch immer die aussehen werden, die für jeden Programmbereich über die nächsten Jahre einige hundert Mio. Euro betragen könnten.

Gemäß dem Koalitionsvertrag wurde zwar vereinbart, dass die NOW GmbH weitergeführt werden soll, es steht aber nichts über das NIP in dem Papier. Dazu sagte Bonhoff, dass eine NOW-Fortsetzung nur Sinn mache, wenn es auch ein NIP gebe – in welcher Form auch immer.

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