Die Wasserstoff-Döschen für unterwegs

PowerTrekk 2,0
PowerTrekk 2.0 mit Puck bei der „Aufladung“ (Quelle: myFC)

Das PowerTrekk ist bereits seit längerem auf dem Markt. Das schwedische Unternehmen myFC AB stellte das erste Modell während der CES in Los Angeles im Januar 2012 vor. Anfänglich kostete dieses Gadget über 200 Euro und jeder H2-Puck 6 Euro. Die Nachfolgegeneration, die seit Oktober 2014 erhältlich ist, verfügt über mehr Kapazität und kostet jetzt 149 Euro. Die HZwei-Redaktion erhielt nach
langer Wartezeit Anfang dieses Jahres ein PowerTrekk-2.0-Ansichtsexemplar, um sich einen eigenen Eindruck von diesem Gerät machen zu können.
Nachdem es Anfang dieses Jahrhunderts bereits vielfach verfrühte Meldungen über angeblich marktreife Mikro-Brennstoffzellensysteme gab, entschied sich die Redaktion, etwaige Ankündigungen neuer Entwicklungen im Bereich der Unterhaltungselektronik stets eher zurückhaltend zu bewerten, bevor vorzeitig falsche Erwartungen geweckt würden. Somit war zuletzt im HZwei-Heft vom Januar 2008 etwas über die Entwicklungsarbeiten von myFC zu lesen gewesen. Seitdem sind etliche Player aus diesem Bereich auf der Strecke geblieben. Weder von der israelischen Medis Technology Ltd. noch von Antig Technology Co. Ltd. aus Taiwan ist heute noch etwas zu hören.
Die in Stockholm ansässige myFC AB hingegen hat ebenso bis heute durchgehalten wie die in Singapur ansässige Firma Horizon Fuel Cell Technologies, die ebenfalls auf wasserstoffbasierte Lösungen setzt (s. HZwei-Heft Okt. 2011) – allerdings mit Metallhydridspeicher. Seit der Gründung im Jahr 2005 arbeiten die Skandinavier an einer PEM-Brennstoffzelle, die auf Natrium-Borhydrid als Wasserstoffspeicher zurückgreift. Mittlerweile liegt davon die zweite Gerätegeneration vor.
Das PowerTrekk 2.0 kommt in einem zunächst futuristisch anmutenden, leuchtend grünen Design daher. Intuitiv zu bedienen ist es allerdings nicht, weshalb ein Blick in die Bedienungsanleitung hilft. Darin geben die Schweden zwei wichtige Hinweise: Erstens darf ein myFC-Puck (s. Abb. 1, vorne links) – wurde er erst einmal aktiviert – nicht wieder herausgenommen werden, bevor er nicht all seine Energie abgegeben und sich das Ladegerät ausgeschaltet hat. Zweitens darf ein Puck kein zweites Mal verwendet werden. Selbst wenn die Vermutung besteht, dass er noch nicht ganz leer ist, sollte er nicht wieder in das Gerät eingesetzt werden. Ist in Ordnung, aber wie erfolgt die Inbetriebnahme?
Beim Kauf dieses Brennstoffzellenladegeräts wird für das „Warm-up“ ein erster Puck mitgeliefert. Dieser muss zunächst aus seiner silbernen Schutzfolie entnommen und in den Geräteunterbau eingelegt werden. Außerdem muss das Wasserreservoir mit etwa ein bis zwei Teelöffeln ordinären Wassers befüllt werden. Nachdem dann das Siegel von der Oberseite des Pucks entfernt und das Gerät mit zwei Klemmen ordnungsgemäß wieder verschlossen wurde, startet im Inneren die chemische Reaktion und die Brennstoffzelle lädt den in den Oberbau integrierten Lithium-Ionen-Akku. Im Vergleich zum Vorgängermodell speichert der Akku jetzt dreimal mehr Energie.
Beim ersten Startvorgang dauert es zunächst rund zwei Stunden, bis der Stromspeicher voll ist. Während dieser Zeit sollte erst einmal kein Gerät angeschlossen werden. Wurde danach der Start-Puck entfernt, kann ein Mobiltelefon an den USB-Ausgang angeschlossen werden. Nach Betätigung des „Power Transfer Buttons“ an der Gerätelängsseite leuchtet ein grüner Pfeil und die Aufladung beginnt. Weitere Ladevorgänge können wahlweise per Kabel über den Micro-USB-Eingang erfolgen oder mit weiteren Pucks, die für 3,30 Euro pro Stück nachgekauft werden können. Das Gerät schaltet sich allerdings nicht selbständig wieder aus. Erst wenn der Power-Transfer-Button gedrückt wird, erlischt der grüne Pfeil.
Insgesamt mutet diese externe Stromreserve noch etwas kompliziert an. In Zeiten intuitiv zu bedienender Elektrogeräte fehlt noch das gewisse Etwas. Auch wenn Wassernachfüllen und Puck-Wechsel nicht aufwändig sind, entspricht dies eher dem althergebrachten Technologiestandard, wie es auch auch die Diskussion im Internet widerspiegelt: Hier gibt es zwar Anwender, die das Gerät beispielsweise als dauerhaften Stromlieferanten für Pedelecs nutzen und in höchsten Tönen loben, aber viele fragen auch, warum nicht einfach normale Akkus verwendet werden – insbesondere angesichts des hohen Preises.
Der entscheidende Schritt in die richtige Richtung könnte mit dem neuen Systemkonzept folgen, das myFC am 27. Januar 2015 ankündigte und Ende Anfang MärzFebruar 2015 auf dem Mobile World Congress in Barcelona präsentierte. Das JAQ ist eine kleine Karte im handlichen Handy-Format, die bereits reines Wasser sowie Salz enthält und ein Smartphone einmal aufladen kann. Es soll gegen Ende dieses Jahres für unter 100 Euro erhältlich sein und über den normalen Hausmüll entsorgt werden können. „Die bemerkenswerte Verkleinerung des Brennstoffzellenladegeräts und des benötigten Brennstoffs ermöglicht ein sehr viel dünneres Ladegerät, welches zum Beispiel ohne Probleme in die Tasche einer Gore-Tex-Jacke passt”, erklärte Björn Westerholm, der Geschäftsführer der seit dem 4. Mai 2014 an der NASDAQ OMX First North gelisteten Firma.
Kraftstoffdöschen
In den kleinen, runden, scheibenförmigen Pucks (Ø: 5 cm) befinden sich Natrium-Silicid, Natrium-Borhydrid sowie 12 g Aluminium. Diese Metallverbindungen reagieren in Verbindung mit Wasser und setzen reinen Wasserstoff frei. Dieses Gas wird dann für den Betrieb der Niedertemperatur-PEM-Brennstoffzelle, die das Gerät auf etwas über Handtemperatur erwärmt, eingesetzt. Damit die Polymermembran der Brennstoffzelle nicht dehydriert, empfiehlt das schwedische Unternehmen die Aufbewahrung in dem mitgelieferten, luftdicht verschließbaren Kanister. Nach dem Gebrauch empfiehlt myFC die Entsorgung der Kraftstoffdöschen über Metallrecycling.

HOC

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