Zu viele eRoaming-Plattformen verderben den Brei

Eine weitere deutsch-niederländische Zusammenarbeit besteht seit Juni 2013 zwischen ladenetz.de und The New Motion. ladenetz.de ist eine Kooperation verschiedener Stadtwerke, die ein flächendeckendes Netz von kommunalen Ladestationen und Dienstleistungen durch einheitliche Standards und Roaming-Abkommen im In- und Ausland aufbauen soll. Der Koordinator, die smartlab Innovationsgesellschaft mbH, koordinierte außerdem econnect Germany: Von Anfang 2012 bis Mitte 2014 (zwischenzeitlich verlängert bis Ende 2014) waren in diesem Leuchtturmprojekt elf Industriepartner, sieben Stadtwerke und vier Hochschulen aus ganz Deutschland im Rahmen des Technologiewettbewerbs „IKT für Elektromobilität II“ zusammengeschlossen (s. HZwei-Heft Apr. 2013). Insgesamt wurden hierbei an sieben Standorten die Anforderungen an eine zukunftsfähige Elektromobilität untersucht. Ab Juni 2013 beteiligten sich auch der niederländische E-Mobilitätsdienstleister The New Motion und der luxemburgische Ladeinfrastrukturbetreiber Estonteco am Test des IT-Systems. Herausgekommen ist dabei unter anderem die neue Roaming-Plattform e-clearing.net.
Diese neue sogenannte „Datendrehscheibe“, an der sich neben smartlab sowie der niederländischen Stiftung ElaadNL anfangs auch noch Blue Corner aus Belgien beteiligte, soll als einheitliche, europaweite Lösung dienen. Bereits im Mai 2014 hatten mehrere große Player aus unterschiedlichen Branchen (z. B. E.ON, Mitsubishi, T-Systems und Vattenfall) zugesagt, sich an diesem Non-Profit-Angebot beteiligen zu wollen, sobald der Marktzugang erfolgt ist, was jetzt der Fall ist: Der offizielle Marktstart erfolgte während der eCarTec vom 21. bis 23. Oktober 2014 in München. Als nächster Schritt ist geplant, diese Plattform in eine unabhängige, nicht gewinnorientierte Gesellschaft zu überführen.

Hauke-Hinrichs
Hauke Hinrichs von smartlab (Quelle: smartlab)

Hauke Hinrichs, Technischer Leiter bei smartlab, erklärte dazu: „Mit unserer Datendrehscheibe e-clearing.net möchten wir die relevanten Marktakteure miteinander vernetzen, indem wir ihnen die Möglichkeit bieten, alle relevanten Daten untereinander auszutauschen. Den Elektromobilisten eröffnet dies unkompliziertes Roaming im In- und Ausland.“ Weiter sagte er: „Die Kunden sehen nicht nur den genauen Standort und die Ausstattung der Säulen, sondern auch, ob ein geeigneter Ladepunkt frei und nutzbar ist.“
Arjan Wargers, Manager bei ElaadNL, erläuterte: „Wir haben die B2B-Plattform e-clearing.net genau auf die Anforderungen des Marktes zugeschnitten und nach dem Bedarf der verschiedenen Marktteilnehmer programmiert, so dass sie für die Partner sehr einfach zu nutzen ist.“ Ein wesentlicher Punkt ist dabei ein unbehinderter Zugang, eine offene Schnittstelle des IT-Systems, dem das OCHP-Protokoll (Open Clearing House Protocol) zugrunde liegt. Wargers konkretisierte: „Dies ist für uns zentral: Ein offenes Protokoll geht deutlich über eine Veröffentlichung im Internet hinaus: Es muss auch frei von Schutzrechten und Gebühren sein. Unser erklärtes Ziel ist die gemeinschaftliche Weiterentwicklung des Protokolls mit allen Marktpartnern.“ Die Plattform wird sowohl vom deutschen als auch vom niederländischen Wirtschaftsministerium gefördert.
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2 Gedanken zu „Zu viele eRoaming-Plattformen verderben den Brei“

  1. Ausführiges Artikel zum Thema Roaming! Sie haben ein wichtiges aber kompliziertes Thema klar beschrieben. Hoffentlich ist es bald so weit, dass man mit einer Ladekarte (oder mit einem anderen Zugangsmedium) überall laden kann!

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  2. so ein Krampf! Roaming – wenn ich das schon höre. Ich will gar keine Karte. Brauch ich an der Benzintankstelle ja auch nicht. Warum geht das nicht wie bei den Nachttankstellen. EC-Karte durchziehen, los geht’s. Alles andere wird nicht zur allgemeinen Akzeptanz führen.
    Alle Säulenbetreiber schreien immer nach Einheitlichkeit, meinen damit aber ihr System und betreiben denselben Protektionismus mit ihrem Kartenwirrwarr wie ihre Konkurrenten.

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