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Hermann Albers: Katastrophe für den europäischen Automobilbau

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Hermann Albers

Im Nachgang der WindEnergy Hamburg und im Hinblick auf eine engere zukünftige Zusammenarbeit der Wasserstoff- sowie der Windbranche sprach HZwei in der Verbandszentrale an der Friedrichsstraße in Berlin-Mitte mit Hermann Albers, dem Präsidenten des Bundesverbands WindEnergie e.V. (BWE). In einem ausführlichen Interview stand der immer noch in der Landwirtschaft aktive Lobbyist Rede und Antwort und gab ein umfangreiches Stimmungsbild aus seiner Branche wieder.

Überraschenderweise äußerte sich der Verbands-Chef, der in Simonsberg bei Husum bereits 1993 seinen ersten Windpark mit elf Enercon-Anlagen auf seinem eigenen Grundstück errichtete und gleichzeitig Geschäftsführer mehrerer Bürgerwindparks in der Region Nordfriesland ist, auch ausführlich über E-Autos. „Ich möchte den Staffelstab aufnehmen, weil ich glaube, dass jetzt die Zeit dafür gekommen ist.“ Konkret berichtete Albers, dass er seit vier Jahren im Thema der Elektromobilität unternehmerisch aktiv ist und ab Anfang 2015 als größter Gesellschafter in die Unternehmensführung der Firma Lautlos durch Deutschland eintreten wird.

Hydrogenics

In Bezug auf die politischen Rahmenbedingungen erklärte er: „Wir haben heute nur 24.000 Elektrofahrzeuge auf dem Markt. Das Ziel der Bundesregierung von 1 Mio. Elektrofahrzeugen bis 2020 in Deutschland ist quasi noch nicht einmal am Horizont erkennbar. Die Bundesregierung muss aus meiner Sicht sehr, sehr viel tun in diesem Sektor.“ Unter anderem plädierte er für den Einsatz von Elektroautos in Fahrschulen.
In einer Beispielrechnung legte er dar, wie Windenergie und Elektromobilität zusammenfinden: „Wenn wir Windstrom nach EEG vergütet in der Elektromobilität einsetzen, kostet eine Fahrtstrecke von 100 Kilometern 1,35 Euro. Wenn wir das fossil tun, kostet dieselbe Fahrstrecke 9 Euro. Hieran kann man erkennen, dass teure Batterien gegenfinanziert werden können, auch wenn das in letzter Konsequenz die Verbraucher bisher noch nicht überzeugt hat, weil die Anfangsinvestition eben doch zu hoch ist. Deswegen braucht es offensichtlich auch einen politischen Impuls.“ Auf Nachfrage, ob das bisher diskutierte Elektromobilitätsgesetz in der vorliegenden Form als Impulsgeber ausreicht, stellte er klar: „An einem Zuschuss wird man nicht vorbeikommen.“

Die Tatsache, dass der Großteil des deutschen Batterie-Know-hows abgegeben wurde und deswegen zukünftig das Herzstück des Automobils (Motoren- und Batterietechnik), also der Teil mit der größten Einzelwertschöpfung, in Asien zugekauft werden musst, bezeichnete er als „Katastrophe für den europäischen Automobilbau, insbesondere für den deutschen“.

Weitere Äußerungen können Sie in dem kompletten Interview im Januar-Heft der Zeitschrift HZwei nachlesen.

8 Gedanken zu “Hermann Albers: Katastrophe für den europäischen Automobilbau

  1. Wo sind die Leistungsträger unter den „Studenten“ die nicht nur an „Kohle“ denken sondern auch an der Wertschöpfung im Bereich der Elektromobilität und der Batterietechnik interessiert sind.

    Das die verbr……rische Öl-Mafia über Helfershelfer erfolgreich versucht hat alles zu tun um die Elektro Mobilität und die Wasserstoff Mobilität zu unterwandern, weiß man seid „Total“ bei BMW „Clean-Energy“ eingestiegen ist und es die bereits anfang der 90 iger Jahre fertigen Bmw Modelle mit Wasserstoff fast nicht mehr gibt, bzw. auf das Abstellgleis gestellt worden sind. Auf keinen Fall gibt es aber irgendeine Wasserstoff Tanksteslle in Bayern. Sie gibt es in Hamburg, Berlin und Karlsruhe. Zarte Ansätze jetzt auch in Stuttgart. Da wo die Autos hergestellt werden gibt es so gut wie keine Wasserstoff Tankstelle.

    Youtube Film mit dem Titel: Warum die Elektromobilität sterben musste.

    https://www.youtube.com/watch?v=9r1W_kbJ7Zo

    Das ausgerechnet die „Batterietechnik“ ausgelagert worden ist wie Herr Albers schreibt ist nicht nur eine Katastophe für den Deutschen Automobilbau sondern das stand schon von vornherein fest, da man nicht sehen will was da ist, nämlich das wir auch nach 7 JAhrezehnten immer noch ein bestetzes Land sind und wir nur das bauen, was und die „Allierten“ erlauben bauen zu dürfen. Und wer das immer noch nicht begreifen will dem sage ich hier und heute:

    Verschwörungstheorie = DENKFAULHEIT

    Was wir brauchen sind privat finanzierte Höhere Bildungsanstalten wo es noch Visionäre und leidenschaftliche Schülerinnen und Schüler gibt, die bereit sind dem Heimatland einen Dienst zu erweisen und die Nachhaltigkeit nicht nur auf den Lippen, sondern im Herzen tragen.

  2. Heizöl hat 80ct/L gekostet und kostet jetzt 60ct/L. Das macht 5,40 bis 3,60 Euro für die 9 Liter fürs Dieselauto. Windmühlenstrom kostet 18ct/kWh plus 15ct/kWh Infrastruktur für die Lieferung bis zu meiner Garage. Das macht 33ct/kWh und für die 24.4 kWh macht das 8 Euro fürs Elektroauto. Jetzt habe ich keine Windmühle im Garten und auch keinen Hydrogenerator. Bleibt nur noch Solarstrom. Ich kann natürlich auch Strom aus Kohle oder Erdgas verwenden. Dann kostet die kWh 25ct and where is the point? Der Liter Speiseöl im Supermarkt kostet 80ct/L. Oder sollte ich Bio-Methan im Erdgasauto verwenden?

    Laßt uns den Speiseöl- und BioMethan- Motor subventionieren!! Oder??

  3. Die Ansage von nur 1,35 Euro für 100 Km E-mobil klingt auf den ersten Blick unglaubwürdig, ist aber nachvollziehbar:
    Er geht von einem Auto aus, das ca.6 L Sprit auf 100 Km verbraucht. Das sind ca.65 KWh. Davon gehen etwa 30%=19,5 KWh auf die Räder.
    Bei Akkus sind das ca.80%. Das sind also ca. 24,4 KWh, die als Input benötigt werden. Wenn er die für 1,35 € einkaufen kann, dann sind das ca.18 Ct./KWh.
    Selbst wenn er an einer Ladestation das Doppelte bezahlen muss, ist das immer noch deutlich billiger (1/3) als Benzins ! Hoffentlich stimmt das !

  4. Soso, ein Lobbyist fordert mehr staatliche Unterstützung in seinem Segment.
    Wow, das sind mal Neuigkeiten!
    Hoch lebe die freie Wirtschaft.

    • Bisher sind die Lobbyisten ja hervorragend mit ihrer Gier
      bzw. der ihrer Auftraggeber durchgekommen.
      In der Energie-Wirtschaft läuft das bereits 130 Jahre.
      Das daran etwas faul ist, dämmert erst jetzt so langsam.
      Nach meiner bescheidenen Meinung: Viel ZU langsam!

  5. Schade, das immer mehr nach dem Staat gerufen wird.
    SO kommen wir nicht wirklich weiter!
    Dafür dauert das auch alles schon viel zu lange!
    Der „Staat“ kann uns nicht helfen,
    allerdings sind das: Wir Alle!
    Gute Ideen sind gefordert.
    Dafür brauchen wir gute Leute.
    Daran mangelt es!

    • Warum soll ich mir für 20-30% Aufpreis ein Elektroauto kaufen, wenn ich mit meinem Diesel oder Benziner bestens zufrieden bin ? Das lohnt sich doch nur, wenn ich erhebliche Betriebskosten spare ! Die kann ich aber nur sparen, wenn ich täglich mindestens 80-100 Km fahre ! Das amortisiert sich erst in vielen Jahren. Also warte ich, bis die Akkus und damit die E-Autos deutlich billiger werden.
      Es ist also mal wieder ein „Huhn-oder-Ei-Problem“: Weil zu wenig E-Autos gekauft werden, werden sie nicht billiger. Solange sie noch zu teuer sind, kauft sie kaum einer !

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