Aktien-Kurs-Verlauf-Brennstoffzellen

Analyse der Aktienkurse von Brennstoffzellenunternehmen

Aktien-Kurs-Verlauf-BrennstoffzellenDie Börse kann durchaus als Antizipationsmechanismus verstanden werden. Dort, auf den Finanzparketts dieser Welt, lassen sich derzeit sehr gute Entwicklungen im Bereich der börsennotierten Brennstoffzellenunternehmen erahnen: So erlebten die Aktien der US-amerikanischen Firmen Plug Power und Fuelcell Energy sowie der kanadischen Unternehmen Ballard Power Technologies und Hydrogenics innerhalb der vergangenen zwei Jahre und auch seit Beginn dieses Jahres zum Teil dramatische Höhenflüge, die auch für die Zukunft einiges erwarten lassen.

Plug Power zog von ehemals etwa US-$ 0,50 bis auf über US-$ 11 an, Ballard von US-$ 1 bis auf über US-$ 8. Dass es da vorübergehend zu Abkühlungen – sogenannten Phasen der Gewinnmitnahme – kommen musste, liegt auf der Hand. Man spricht auch von sogenannten 50 %-Reaktionen nach einem sehr starken kurzfristigen Anstieg. Exakt dort stehen wir heute. Dies könnte die Basis für einen neuen, und zwar langfristigen Aufwärtstrend bedeuten – vieles spricht dafür.

Hydrogenics

Parallel zu diesen Kurssprüngen gab es viele technologische Durchbrüche und auch eine Vielzahl von Produktentwicklungen in einer Reihe von Brennstoffzellenmärkten, die weltweit als sehr wachstumsstark angesehen werden können, derzeit aber gerade erst am Anfang stehen. Außerdem verbesserte sich zuletzt das Stimmungsbild zum Einsatz von Wasserstoff in der Öffentlichkeit.

Wo stehen wir heute?
Anfang der Jahrtausendwende war es zu einer regelrechten Boomphase bei Unternehmen, die mit der Entwicklung der Brennstoffzelle zu tun hatten, gekommen. Vorneweg ging Ballard Power, die zeitweise einen Börsenwert von über US-$ 11 Mrd. aufwiesen, als der Aktienkurs auf über US-$ 120 explodierte. Dann aber kamen viele Jahre der Ernüchterung, Re- beziehungsweise Neu-Fokussierung und auch Enttäuschung, weil viele Entwicklungen nicht so zügig wie erwartet voranschritten.

Ballard trennte sich in mehreren Etappen von seiner automobilen Brennstoffzellensparte, die zusammen mit Daimler und Ford in dem Venture Auto AFCC (www.afcc-auto.com) gebündelt war, indem man sich auszahlen ließ, wohl aber Nutzungsrechte an bestimmten Entwicklungen behielt und als Subunternehmer weiter mitarbeitet. Daimler ist jetzt somit quasi auch Untermieter von Ballard im kanadischen Vancouver.

Der damalige Hype ist durchaus zu vergleichen mit den heutigen Elektromobilitätsunternehmen (nur Batterie) wie zum Beispiel Tesla (US-$ 278/Aktie). Deren Börsenbewertung liegt derzeit bei US-$ 35 Mrd. Jetzt stehen allerdings Brennstoffzellen-Hybrid-Fahrzeuge u.a. von Toyota vor der Markteinführung, die Konkurrenz machen könnten. Ergeht es Tesla vielleicht wie Ballard vor zwölf Jahren?

Ballard Power (BLDP, US $ 3,42)
Als Schlüsselinvestment empfiehlt sich Ballard Power. Das Unternehmen besitzt das größte Patentportfolio in der Branche, eigene Produktionskapazitäten, diverse strategische Allianzen, Forschungsaufträge wie mit VW (bis zu CAD 100 Mio.) und eine Reihe vielversprechender Anwendungen, beispielsweise Backup-Power-Systeme für die Telekommunikation (China, Indien, Südafrika u.a.) und BZ-Hybridbusse. Von United Technologies wurde unlängst ein sehr umfassendes Patentportfolio (wie auch ergänzende Auswertungen u.v.a.) für US-$ 20 Mio. erworben (Kaufpreis: 5 Mio. Aktien und ca. US-$ 2 Mio. Bargeld). Dieses Portfolio soll über US-$ 1 Mrd. an F&E-Aufwendungen zur Grundlage haben. Zudem verfügt das Unternehmen über US-$ 40 Mio. an liquiden Mitteln (null Bankschulden!). Es werden weitere OEM-Abkommen erwartet, also Partnerschaften, bei denen Ballard Know-how gegen Lizenzgebühren eintauscht und gemeinsame Forschungsarbeit leistet. Zudem wurde kürzlich ein neuer CEO benannt, der sicherlich zukunftsweisende Impulse in das Unternehmen einbringen wird. Mit dem Partner Azure soll der chinesische Markt unter anderem für BZ-Busse geöffnet werden.

Der Kurs der Aktie besitzt sehr hohes Potential, wenn auch nur einige der geplanten Kooperationen in Aufträge münden. Und: Plug Power (s. u.) bezieht seine BZ-Stacks für Gabelstapler von Ballard. Zwar gibt es wohl Bestrebungen seitens Plug Power, unabhängiger zu werden, doch ist dies mehr Wunsch als Wirklichkeit, da beide Unternehmen sehr erfolgreich zusammenarbeiten und Ballard wichtige Patente hält. Zudem wird Ballard auch andere Partner unter anderem in Europa als Kunden gewinnen können. Ballard plant, dieses Jahr das erste Mal in der Firmengeschichte cash-flow-positiv zu arbeiten – und 2015 mit Gewinn. Das Wachstum wird auf 30 % p.a. geschätzt. Und: Auch Übernahmefantasien angesichts des größten – nach eigener Aussage – PEM-Patent-Portfolios sind nicht auszuschließen.
www.ballard.com

Plug Power (PLUG, US-$ 5,30)
Plug Power ist der Shootingstar, was die Börsenentwicklung angeht: Von Kursen um US-$ 0,50 kam es in den vergangenen zwei Jahren zu einem Anstieg bis auf über US-$ 11. Das Unternehmen hat sich auf die Umrüstung von Gabelstaplern via Brennstoffzelle konzentriert. Die BZ-Stacks kommen von Ballard Power. Diverse Großaufträge (von WalMart, P & G) liegen vor. Plug verdient zudem auch am Wasserstoffverbrauch über ein Venture mit einer Unternehmenstochter von Air Liquide, die auch bei Plug Power beteiligt sind. Es sollen Aufträge im Wert von über US-$ 150 Mio. allein in diesem Jahr generiert werden. Mittels zweier Kapitalerhöhungen konnten liquide Mittel zufließen, die mit über US-$ 160 Mio. auf der Bank liegen. Unternehmen wie WalMart haben es wahrscheinlich zur Bedingung gemacht, dass Plug finanziell „auf sicheren Füßen steht“, um größere Aufträge zu erhalten. Indes kann es auch zu besonderen Kursschwankungen kommen, da bei Plug fast 38 Mio. Aktien leerverkauft worden sind und bei guten Nachrichten daraus „Eindeckungsdruck“ (Short Squeeze), also der Rückkauf, erforderlich werden könnte. Mit über US-$ 900 Mio. Börsenbewertung ist das Unternehmen schon „sportlich“ bewertet, wird aber bei guten News wie auch Eindeckungskäufen weiter laufen.

Plug arbeitet an eigener Stack-Entwicklung, könnte also irgendwann von Ballard unabhängig werden. Es gibt aber Kommentare seitens Ballard, dass man noch dieses Jahr an einem weiteren Zuliefervertrag (exklusiv?) arbeitet und „getrennte Wege“ daher eher unwahrscheinlich und auch unnötig sind. Von Seiten Plug Power ist es verständlich, dass man nicht von einem Zulieferer abhängig sein möchte. Ballard selbst könnte aber auch geneigt sein, mit anderen Partnern unter anderem in Europa den Markt der Gabelstapler in Sachen Brennstoffzellen zu entwickeln.
www.plugpower.com

Fuelcell Energy (FCEL, US-$ 2,42)
Das Unternehmen verfügt bereits über hohe Auftragsbestände (circa US-$ 350 Mio.) und setzt über US-$ 190 Mio. mit hohem Wachstum um. Ab 2015 will man profitabel sein. Kürzlich hat ein Unternehmenspartner, NRG Energy, neue Aktien für US-$ 35 Mio. gezeichnet, wobei der Ausgabekurs dem aktuellen Börsenkurs entsprach, also ohne Abschlag, was sehr positiv zu bewerten ist. Zudem stellt NRG Energy eine Kreditlinie in Höhe von US-$ 40 Mio. zur Verfügung, was ein weiterer Vertrauensbeweis ist. Die neue Kapitalbasis könnte als Grundlage dafür verstanden werden, einen Großauftrag annehmen zu können. Gerüchteweise soll der US-Energieversorger Long Island Lighting an BZ-Projekten arbeiten, die Aufträge im Wert von über US-$ 300 Mio. ausmachen können. Fuelcell Energy liefert BZ-Komplettsysteme (Kraft-Wärmekoppelung) unter anderem für Großanwendungen (Krankenhäuser u.v.a.).
www.fuelcellenergy.com

Hydrogenics (HYGS), US 20,00)
Hydrogenics arbeitet am Aufbau einer Wasserstoffinfrastruktur, H2-Tankstellen wie auch Elektrolyseuren. Wasserstofftankstellen stellen noch eine Hürde da, werden aber allmählich eingeführt. Schätzungen für Deutschland besagen, dass circa 500 H2-Tankstellen bis 2020/23 bestehen und langfristig circa 4.000 von insgesamt 14.000 Tankstellen auch H2 anbieten werden. Das Unternehmen will dieses Jahr zum ersten Mal in der Firmengeschichte profitabel arbeiten.
www.hydrogenics.com

Risikostreuung sinnvoll
Wer sich mittel- bis langfristig im BZ/H2-Bereich börsentechnisch engagieren will, sollte sich einen Mix an Aktien der Branche zulegen. Aufgrund der Marktkapitalisierung bevorzuge ich ausschließlich nordamerikanische Werte. Diese können bequem an deutschen Börsen erworben werden. Dazu gehören die vier oben benannten Unternehmen.

Diesen Unternehmen ist gemein, dass sie unterschiedliche BZ-Märkte, Produkte, geographische Zonen und Anwendungen abdecken, also Risiken aufteilen. In einem Portfolio würde ich die Asset-Allocation wie folgt wählen:

45 % Ballard Power Technologies
35 % Fuelcell Energy
10 % Hydrogenics
10 % Plug Power

Das Investment sollte mittel- bis langfristig gesehen werden, da auch bei negativen Börsenphasen bis hin zu einem Crash Aktien dieses Sektors selbst bei zu erwartenden guten Nachrichten sich der Allgemeintendenz nicht werden entziehen können, indes der Markt der BZ wie auch der Produktion von Wasserstoff in den Anfängen steckt und unzählige neue Massenmärkte (Energie, Mobilität u.v.a.) in der Entstehung sind. Die First-Mover dieser Branche werden meines Erachtens die größten Bewertungszuwächse erfahren.

TIPP: Es empfiehlt sich, das Buch Die H2-Revolution von Jeremy Rifkin zu lesen (kam 2002 heraus, ist aber tagesaktuell).
Sven_JoestingSven Jösting (53) ist seit vielen Jahren Mitglied der Wasserstoff-Gesellschaft Hamburg e.V.. Er befasst sich schon lange beruflich mit dem Thema Brennstoffzelle, d. h. er hat Unternehmen der Branche zusammengeführt, strategische Partnerschaften initiiert und ist auch besonders mit dem Thema Börse verbunden. Jösting war beruflich über 15 Jahre als Broker bekannter US-Investmentbanken tätig. Sein Fokus liegt auf Unternehmen, die sich u. a. mit regenerativen Energien, der Brennstoffzelle und Umwelttechnologien befassen. Zudem ist er seit circa 27 Jahren Mitglied in und assoziiert mit B.A.U.M. e.V., der dieses Jahr im September sein 30-jähriges Jubiläum feiert.

 

Dieser namentlich gekennzeichnete Beitrag entspricht nicht zwangsläufig der Meinung der Redaktion und spiegelt lediglich die Meinung des Autoren wieder. Es handelt sich hierbei um keine Aufforderung zum Aktienkauf. Im Gegenteil: Die Redaktion warnt ausdrücklich vor den Risiken beim Handel mit Aktien.

2 Gedanken zu “Analyse der Aktienkurse von Brennstoffzellenunternehmen

  1. Wasserstoff ist einer der genialsten Energieträger, da fast überall Einsetzbar, und vor allem speicherbar…. – auch das wird TESLA noch kapieren müssen, auch wenn er auf seine Batterietechnik steht. Ich bin schon ein paar Jahre in diesem Segment investiert, und finde die Beschreibungen zu den aktuellen AG’s nicht schlecht. Allerdings fängt bei mir die Brennstoffzelle erst dann zum wirken an, wenn es auch den dazugehörigen Wasserstoff zum erwerben gibt. Und das beginnt in der Infrastruktur – daher ist mein vorwiegendes Investment vorab mal HYDROGENICS. Sie sind der Marktführer in der Elektrolyse – und dort wird es am schnellsten zu Aufträgen kommen. Denn was bringt schlussendlich eine Brennstoffzelle ohne Brennstoff ?

Schreibe einen Kommentar