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Integriertes Lernen im Brennstoffzellen-Sektor

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A. Lange, M. Hoppe und A. Johnsen von H-TEC (v.l.) mit dem Lehrmodell (Quelle: uptodate)

Der Hausenergiesektor ist einer der ersten Bereiche, in dem Brennstoffzellen bereits in der Praxis eingesetzt werden. Deswegen ist insbesondere hier die frühzeitige Aus- und Weiterbildung von Fachkräften von elementarer Bedeutung, denn die Hersteller der Brennstoffzellenheizgeräte allein können die Installation sowie die erforderlichen Reparatur- und Wartungsarbeiten nicht übernehmen. Ohne eine frühzeitige Einbeziehung der Installationsfirmen und eine angemessene Qualifizierung der Monteure ist die breite Markteinführung im Hausenergiesektor nicht zu meistern.

Prof. Dr. Manfred Hoppe von der Forschungsgruppe Praxisnahe Berufsbildung (FPB) der Universität Bremen hat sich schon seit Jahren dem Thema verschrieben und kümmert sich insbesondere um die Qualifizierung der Installateure in der Kraft-Wärme-Kopplungstechnik. Um diese Arbeit weiter voranzutreiben, hat er gemeinsam mit der Handwerkskammer Osnabrück-Emsland-Grafschaft Bentheim (HWK OS) mehrere Weiterbildungsangebote für Lehrkräfte und Ausbilder ersonnen.

Ein Teil dieser Qualifizierungspalette ist das „Informations- und Demonstrationsmodell Brennstoffzellen in der Haustechnik“, das er bei den 6. UPTODATE-Unternehmertagen in Düsseldorf am 14. Februar 2014 vor rund 300 Teilnehmern vorstellte. Bei diesem Modell handelt es sich um einen vorinstallierten Versuchsaufbau, der zusammen mit der H-TEC Education GmbH konzipiert wurde und beispielsweise Handwerkerschulungen und Verkaufsgespräche unterstützen kann. Das Tischmodell wird nun nach Auskunft von Prof. Hoppe „zügig weiter entwickelt“.

Eingesetzt werden soll dieses Modell unter anderem in Blended-Learning-Seminaren zu Brennstoffzellenheizgeräten, die seit April 2014 von der Handwerkskammer Osnabrück angeboten werden. Integriertes Lernen (blended learning) meint in diesem Zusammenhang, dass diese Weiterbildungsangebote in Form von Präsenz- und Online-Teilen durchgeführt werden. Die Präsenzteile finden direkt im Bildungs- und Technologiezentrum der Handwerkskammer statt und richten sich an Personen, die BZ-Heizgeräte ins Portfolio ihres Betriebes aufnehmen wollen. Dementsprechend wird das gesamte dafür notwendige Know-how vermittelt, um die Mitarbeiter fachlich auf den Umgang mit dieser neuen Technik einzustellen. Ebenso wird das Thema der Kundenakquise angesprochen. Dabei wird allerdings keine Produktschulung an einzelnen Heizgeräten durchgeführt. Dies bleibt bis auf absehbare Zeit den Herstellern vorbehalten.

Bestandteil des Online-Moduls ist unter anderem die Bearbeitung des Callux-Informationsprogramms „Zukunftsfähige Energieversorgung mit Brennstoffzellen-Heizgeräten“ (s. HZwei-Heft Jan. 2011), das unter Leitung der FPB entwickelt wurde. Ergänzend dazu gibt es Aufgabensätze zu den einzelnen Kapiteln dieses Informationsprogramms, die inhaltlich auf das Präsenzseminar vorbereiten. Das Präsenzseminar erstreckt sich über zwei Tage (10 Stunden) und ist in drei Blöcke geteilt: Zunächst geht es bei „Kundenaufträge und Absatzstrategien“ um das Pro und Kontra bei Brennstoffzellen-Heizgeräten, was also für und was gegen diese Technik sprechen könnte. Im zweiten Block geht es dann im KWK-Schulungszentrum der Handwerkskammer in Osnabrück an die Geräte. Hierbei werden Aufbau und Funktion von zwei beispielhaften BZ-Heizgeräten (Vitovalor von Viessmann und BlueGEN von CFC) besprochen sowie die Einbindung in die Haustechnik, die Wartung und der Markt. Zu guter Letzt werden im dritten Block wirtschaftliche Aspekte, Fördermöglichkeiten und Contracting thematisiert.

Erste Veranstaltungen für Fachkräfte aus der Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik (SHK) sowie aus der Elektrotechnik (ET) finden im Juni statt. Weitere Seminare für SHK- und ET-Berufsschullehrer sowie Ausbilder folgen im Juni sowie September 2014. Projektleiter Axel Lange vom Berufsbildungs- und TechnologieZentrum Osnabrück erklärte gegenüber HZwei: „Die Seminare finden in den eigens dafür ausgestatteten Räumen der HWK OS statt.“ Hoppe ergänzte: „Im Zentrum stehen didaktische und berufspädagogische Fragen der Umsetzung der Brennstoffzellentechnologie.“

Parallel dazu planen die Macher auch den Aufbau eines Aus- und Weiterbildungsnetzwerks für den BZ-Heizgeräte-Sektor. So soll auf der Website der Handwerkskammer ein Diskussionsforum zur Beantwortung von Fragen eingerichtet werden. Außerdem werden regelmäßig „Infos für Lehrkräfte zu Brennstoffzellen-Heizgeräten“ verschickt.

Prof. Hoppe beabsichtigt, derartige Aus- und Weiterbildungsseminare für den Heiztechnikbereich zukünftig regelmäßig an verschiedenen Standorten in ganz Deutschland anzubieten. Auf Nachfrage der HZwei, ob denn ausreichender Bedarf da sei, schließlich musste das EAZ-Aalen 2008 sein Angebot einstellen, erklärte er: „Das EAZ in Aalen war leider etwas zu früh dran. Jetzt ist aber genau die richtige Zeit für Weiterbildungsmaßnahmen im Hausenergiesektor, so dass ich denke, dass die Seminare gut besucht sein werden.“

Auszubildende dieser Branchen können sich seit neuestem auch deutlich kostengünstiger mit Hilfe des Lernprogramms „Brennstoffzellen-Heizgeräte – Strom und Wärme gekoppelt und dezentral erzeugen“, informieren. Das multimediale Lernmaterial, das Anfang 2014 im Christiani Verlag erschienen ist (Nettopreis: 39,80 Euro), wurde zwischen 2010 und 2012 im europäischen Bildungsprogramm Leonardo da Vinci von Prof. Manfred Hoppe und Reinhold Frenz von ModernLearning entwickelt. Es umfasst eine Broschüre mit Begleitmaterial und eine CD-ROM und simuliert für Fachhandwerker einen fiktiven Kundenauftrag zum Einbau und zur Inbetriebnahme eines Brennstoffzellen-Heizgerätes. Ab Mai 2014 wird es davon auch eine englisch- und eine spanischsprachige Ausgabe geben.

s. auch: NOW und Hydrogeit Verlag bringen neues Unterrichtsmaterial heraus

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