Pitschak-Froemmel-Podesser

Fragen an den Mittelstand: Wie geht’s weiter mit dem NIP?

Pitschak-Froemmel-Podesser
Pitschak/Hydrogenics, Frömmel/FuelCell Energy Solutions & Podesser/SFC Energy

In der aktuellen politischen Debatte stellt die Energiewende zwar ein zentrales Element dar, aber derzeit geht es mehr darum, den Ausbau von „grüner“ Energietechnik eher zu reduzieren, als sie zu fördern. Einig sind sich die Parteien nur darin, dass das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) novelliert werden muss. Ob bei der anstehenden Überarbeitung dann aber die Brennstoffzellentechnik berücksichtigt, und falls ja, in welchem Maße sie als effizientes Energiewandlungsverfahren gefördert wird, ist gänzlich offen; ebenso offen wie die Rolle von Wasserstoff in einem zukünftigen Energiemix – sei es als Kraftstoff oder Energiespeicher. Das Nationale Innovationsprogramm Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie (NIP) läuft zunächst noch bis zum Jahr 2016 und gemäß Kolationsvereinbarung auch darüber hinaus. Damit sich dann also die bisher in die Forschung investierten Gelder bezahlt machen können, bedarf es einer sinnvollen Anschlussregelung. Ohne die wird es keine Markteinführung geben, da insbesondere die klein- und mittelständischen Unternehmen (KMU) den Markteintritt nicht alleine finanzieren können. Deswegen bat die HZwei-Redaktion drei Vertreter von kleinen und mittelständischen Unternehmen um eine Stellungnahme zum NIP 2.0, nachdem im HZwei Oktober-Heft 2013 Prof. Werner Tillmetz das Strategiepapier des NOW-Beirats vorgestellt hat und darin die Konzernvertreter der Automobil- sowie der Heizgerätebranche zu Wort gekommen sind.

HZwei: Sehr geehrter Herr Frömmel, was halten Sie denn vom NIP 1.0? War beziehungsweise ist dies das richtige Förderprogramm zum richtigen Zeitpunkt?

Hydrogenics

Frömmel: Ja. Das Förderinstrument kann aber nicht die Verantwortung für die Ergebnisse dessen Nutzung übernehmen. Vielleicht hätte man besser kommunizieren müssen, dass es sich um eine Risikoförderung handelt, bei der klar ist, dass nicht alle Ziele erreicht werden. So ist das nun mal in der Forschung. Ich kann die Ungeduld hinsichtlich der Ergebnisse dieses hohen Mitteleinsatzes durchaus verstehen, zumal die Branche sich eher mit Chartware als Hardware hervorgetan hat, also viel versprochen und wenig geliefert hat. Hinsichtlich des Zeitpunktes stelle ich mir vielmehr die Frage, warum es so lange gedauert hat, das Anschlussprogramm NIP 2.0 auf den Weg zu bringen. Es hätte längst parallel laufen müssen. Welche kritischen Auswirkungen eine solche Diskontinuität beziehungsweise Verspätung hat, sieht man ja nun an der Lage der Mikro-KWK-Anbieter hinsichtlich ihrer internationalen Wettbewerbsposition.

HZwei: Sehr geehrter Herr Pitschak, einige Unternehmensvertreter bemängeln hohe bürokratische Hürden und sehr lange Bearbeitungszeiten. Wie sind Ihre Erfahrungen?

Pitschak: Zunächst muss man die Möglichkeit sehr begrüßen, dass Fördermittel für eine Branche und Technologie zur Verfügung gestellt werden, in der es natürlich noch viele offene Punkte zu erforschen gilt. Zudem sind die Player in dieser Branche technologisch auf sehr unterschiedlichen Niveaus. Die Möglichkeit, Fördermittel zur Produktentwicklung zu erhalten, erachte ich für eine ausgezeichnete Option, besonders für kleine und mittelständische Unternehmen. Für die Vergabe von Fördermitteln muss natürlich auch ein Filter vorgeschaltet sein, in welchem beurteilt wird, ob etwas förderwürdig ist. Dies kann man natürlich als bürokratische Hürden bezeichnen, allerdings klagt man dann auf hohem Niveau.

HZwei: Sehr geehrter Herr Podesser, sollte ein neues, ein unbürokratisches NIP 2.0 aufgesetzt werden?

Podesser: Absolut. Wir erleben immer wieder in Gesprächen mit potentiellen Kunden und Anwendern, wie viel Potenzial es für die Brennstoffzelle gibt. Und ich rede hier gar nicht von neuen Technologien. Selbst wenn Sie mit existierenden Brennstoffzellenprodukten einen neuen Markt erschließen wollen, müssen Sie in der Regel neue Funktionen und Leistungsdaten erfüllen. Sie glauben gar nicht, wie groß die Unterschiede in den jeweiligen Märkten sind, und es genügt nicht, einfach nur eine Brennstoffzelle zu liefern. Die Kunden wollen integrierte Lösungen für ihre Anwendungen, und eine Lösung für Anwendung X funktioniert nicht automatisch auch in Anwendung Y. Der Aufwand hierfür ist in unserem Unternehmen erheblich, und hierfür bedarf es definitiv der weiteren Förderung.

Das gesamte Interview mit Dr. Bernd Pitschak von Hydrogenics, Andreas Frömmel von FuelCell Energy Solutions und Dr. Peter Podesser von SFC Energy lesen Sie im Januar-Heft 2014 der HZwei.

Schreibe einen Kommentar