Franz Untersteller

World of Energy Solutions in Stuttgart

Für Franz Untersteller ist „Wasserstoff der Energiespeicher der Zukunft“.
Für Franz Untersteller ist „Wasserstoff der Energiespeicher der Zukunft“.

Drei Tage lang hat sich die internationale Wasserstoff-, Brennstoffzellen-, Batterie- und Energiespeicher-Szene in Stuttgart versammelt und intensiv die aktuellen politischen sowie technischen Entwicklungen diskutiert. Im Mittelpunkt stand vom 30. September bis zum 2. Oktober 2013 natürlich die Bundestagswahl, verbunden mit der Frage, welche Regierungskoalition wohl welche Auswirkungen auf den weiteren Werdegang der Branche haben wird. Außerdem stellte die H2Mobility ihren neuen Aktionsplan vor, und die e-mobil BW gründete ein neues Brennstoffzellennetzwerk.

Die Eröffnung des Konferenzteils der World of Energy Solutions, die erstmalig auf englisch abgehalten wurde, übernahm Franz Untersteller, Umweltminister des Bundeslandes Baden-Württemberg. Er stellte die 50-80-90-Strategie seines Ministeriums vor, die er im Mai 2013 im Rahmen der Kampagne „Energiewende im Dialog“ präsentiert hatte. Demnach sind 50, 80 und 90 seine „Erfolgszahlen“, die dafür stehen, dass bis zum Jahr 2050 „50 % Energie eingespart, 80 % Strom und Wärme aus erneuerbaren Quellen erzeugt und 90 % weniger Treibhausgase ausgestoßen werden“.

Außerdem kündigte der Grünen-Politiker in seiner Begrüßungsrede die Gründung des Clusters Brennstoffzelle BW an. Das Ziel dieses Clusters ist, den Weg zur Industrialisierung der Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie zu ebnen. Er soll zum dritten Standbein der e-mobil BW werden neben dem bereits bestehenden Spitzencluster Elektromobilität Süd-West und dem Schaufenster Elektromobilität Living Lab BWe mobil. Außerdem sollen damit die Interessen der in Baden-Württemberg stark vertretenen BZ-Zulieferindustrie sowie der Wasserstoffwirtschaft und der Forschungsinstitute gebündelt werden. Franz Loogen, Geschäftsführer der e-mobil BW, erklärte: „Es ist wichtig zu forschen, aber auch zu industrialisieren.“

Dr. Klaus Bonhoff, Geschäftsführer der Nationalen Organisation Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie (NOW), nutzte die Veranstaltung, um den insgesamt über 3.000 Teilnehmern den neuen Aktionsplan der H2Mobility vorzustellen. Demnach plant die Industrieinitiative, zusätzlich zu den bereits zugesagten 50 H2-Tankstellen, die bis 2015 in Deutschland installiert sein sollen, bis zum Jahr 2017 noch 50 weitere zu bauen. Im Jahr 2023 sollen es dann insgesamt 400 sein, so dass alle Hauptverkehrsrouten mit Betankungsstellen versorgt sind. Zur Realisierung dieses Vorhabens planen die sechs Unternehmen Air Liquide, Daimler, Linde, OMV, Shell und Total mit Investitionen in Höhe von 350 Mio. Euro. Bonhoff betonte: „Die Industrie ist bereit, ihren Teil zu tragen.“

Die H2Mobility bleibt allerdings mit diesem Plan hinter den Zielvorgaben, die noch im Frühjahr 2012 genannt wurden, zurück. Damals hieß es, bis 2015 sollten 100 Stationen und bis 2020 rund 400 zur Verfügung stehen. Diese Zahlen wurden schon während des Deutschen Wasserstoffkongresses im Mai 2012 als nicht besonders ambitioniert kritisiert.

Bei der Messe viel auf, dass die Stände der Battery+Storage (64 Aussteller) in Höhe und Fläche größer waren als im hinteren Bereich, wo sich vornehmlich die 91 f-cell-Aussteller versammelten hatten. Silke Frank von der veranstaltenden Peter Sauber Agentur erklärte dieses Phänomen so, dass im Batterie- und Speicher-Segment schon heute Geld verdient wird, während im BZ-Segment meist noch geforscht und entwickelt wird. Dass es aber auch im BZ-Bereich voran geht, bewiesen die Viessmann Werke, die ihr gemeinsam mit Panasonic entwickeltes Mikro-KWK-Systeme vorstellten. Wie Dr. Martin Viessmann, Firmeninhaber des Allendorfer Unternehmens, zwei Wochen zuvor in Berlin bekanntgegeben hatte, soll das neue Vitovalor 300-P ab April 2014 für Eigenheimbesitzer in Europa erhältlich sein.

Während der gesamten Veranstaltung sorgte insbesondere die in Aussicht gestellte Neuauflage des Nationalen Innovationsprogramms Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie NIP 2.0 für Gesprächsstoff. So hielt Klaus Bonhoff im Namen des NOW-Beirats ein Plädoyer für die Weiterführung des NIP, indem er betonte, dass „Technologieentwicklung durch die Bundesregierung gefördert werden sollte“, um erstens die aktuelle Technologiebasis abzusichern und zweitens eine Marktaktivierung zu erreichen. Minister Untersteller sagte seine Unterstützung zu und versicherte, dass er sich nachdrücklich für die Verlängerung des NIP einsetzen werde.

Den diesjährigen f-cell award in der Kategorie Classic gewann Mann+Hummel mit einem neuen BZ-Filtersystem, das Schadgase aus der kathodenseitig zugeführten Luft herausfiltert (Details: s. HZwei Jan.-Heft 2014). Den zweiten Platz erzielte Wenger Engineering für die Entwicklung seiner Partikelsammelapparatur, die die Sauberkeit von Wasserstoff an 700-bar-Tankstellen prüft (s. HZwei-Heft Okt. 2012).

 

Neuer H2- & BZ-Kompetenzatlas
Barbara Makowka, Organisatorin zahlreicher H2-Stammtische, warb während der drei Tage für den neuen Bundesweiten Kompetenzatlas BUKA, den ihre Agentur derzeit aufbaut. In Zusammenarbeit mit der NOW GmbH soll eine Branchen-Online-Datenbank für H2-, BZ- und Batterien-Technologien entstehen, in der schnell und einfach potentielle Geschäfts- und Projektpartner gesucht und gefunden werden können. Der BUKA ist kostenlos und geht Ende Oktober 2013 online unter www.buka-kompetenzatlas.com.

Schreibe einen Kommentar