Brennstoffzellen-Gabelstapler in den USA immer beliebter

Brennstoffzellen-Stapler von Still auf der Hannover Messe 2013
Brennstoffzellen-Stapler von Still auf der Hannover Messe 2013

In Nordamerika sind brennstoffzellenbetriebene Niederflurfahrzeuge seit Jahren weit verbreitet. In etlichen Lagerhallen großer US-Unternehmen übernehmen Gabelstapler mit BZ-Antrieb einen Großteil der Arbeit, die bisher von Elektrostaplern erledigt wurde. Nicht so in Europa. Auf dieser Seite des Atlantiks steht der Schwenk von Diesel- oder Elektro- zu BZ-Modellen noch aus, obwohl die Technologie auch hier bereits seit über zehn Jahren weiterentwickelt und erprobt wird. Dies soll sich nun ändern. Auch in Deutschland sollen bald Brennstoffzellenstapler für einen sauberen Warentransport sorgen.

Cummins

In den USA ist alles ein bisschen größer als in Europa, das gilt auch für Lagerhallen. BMW verfügt beispielsweise in Spartanburg, South Carolina, über eine 350.000 m2 große Produktionsanlage. Im Jahr 2010 installierte der bayerische Autobauer dort ein Wasserstoffspeicher- und -versorgungssystem, um rund 100 Brennstoffzellenstapler mit Kraftstoff betanken zu können. Mittlerweile dürfte die Fahrzeuganzahl auf 400 Stück gestiegen sein – plus 14 Betankungseinheiten.

Laut einem Bericht von Fuel Cells 2000 wurden allein im vergangenen Jahr insgesamt über 1.100 BZ-Stapler in Nordamerika gekauft, alle aus US-Produktion. Zu den Kunden gehören Konzerne wie Sysco, die allein mehr als insgesamt 700 Exemplare nutzen, sowie Walmart (500 Stück). Insgesamt dürften in den USA 2012 rund 5.000 Stapler im Betrieb gewesen sein. Sie alle kommen in den Genuss spezieller Fördermaßnahmen, die einen wirtschaftlichen Betrieb ermöglichen.

Demgegenüber erscheinen die europäischen Aktivitäten als verschwindend gering. Dennoch gibt es mittlerweile Anzeichen dafür, dass es jetzt auch hierzulande losgehen könnte. Ein Beispiel dafür sind die Pläne des französischen Gaseunternehmens Air Liquide. Nur wenige Wochen vor der weltweit größten Industriemesse in Hannover wurde bekannt, dass Plug Power und Axane, ein Tochterunternehmen von Air Liquide, das gemeinsame Unternehmen Hypulsion JV gegründet. Das neue Joint Venture soll sich um die Entwicklung und den europaweiten Vertrieb von wasserstoffbetriebenen Brennstoffzellensystemen für Niederflurfahrzeuge kümmern.

Warren Brower, der Vertriebsleiter von HyPulsion, erklärte gegenüber HZwei, dass BZ-Niederflurfahrzeuge auch in Europa eine Chance hätten. So bestätigte er, dass in den USA zunächst eine Förderung notwendig war, „um Skaleneffekte zu erreichen“. Inzwischen sei die Technik aber „konkurrenzfähig“, so dass im Vergleich zu anderen Antriebstechniken nur „ein Bruchteil der Kosten“ anfällt. Für die mit Ballard-Stacks ausgestatteten GenDrive-Systeme von Plug Power bietet der Markt in Europa mehr Potential als der US-Markt. Um dies zu belegen, ist nach Meinung von Brower „Deutschland der perfekte Fall“. Als erstes rüstet HyPulsion zunächst allerdings ein IKEA-Warenlager in Frankreich auf BZ-Betrieb um.

Momentan befindet sich Deutschland allerdings noch im Demonstrationsstadium. Potentielle Kunden müssen erst noch über die Vorteile dieser Technologie informiert werden. Wie Dr. Joachim Wolf, Vorstandsvorsitzender der Wasserstoff- und Brennstoffzellen-Initiative Hessen, erläuterte, müssten zunächst „die Barrieren für einen bevorstehenden Markteintritt gesenkt werden“. Aus diesem Grund initiierte Wolf im März 2013 eine Informationskampagne, bei der hessische Firmen die umweltfreundlichen Flurförderzeuge für einige Wochen testen können. Die dafür benötigten Fahrzeuge werden von der Firma Still bereitgestellt, die nach eigenen Angaben „in der europäischen Intralogistik verstärkt auf nachhaltige Antriebstechnologien wie zum Beispiel Lithium-Ionen-Batterien, Hybridtechnologie und neue Brennstoffzellenprojekte setzt“. Die für die Erprobung erforderliche Betankungstechnik kommt in Form einer mobilen Tankstelle von GHR. Das BZ-System kam ursprünglich mal von Proton Motor, mittlerweile ist es von H2Logic.

Erste Einsatzgebiete für dieses vom hessischen Umweltministerium unterstützte Projekt waren beim Frankfurter Flughafen sowie bei den Viessmann Werken.
Ziel dieses Testlaufs ist, den Firmen deutlich zu machen, dass Brennstoffzellenstapler besonders energiesparend und klimafreundlich sind und dass die bei Elektrostaplern anfallenden langen Ladezeiten oder das erforderliche Wechseln der Akkus entfallen. Die hessische Umweltministerin Lucia Puttrich erklärte beim Projektstart: „Wasserstoff- und Brennstoffzellenanwendungen sind insbesondere beim Warenumschlag mit Staplern eine saubere und langfristig eine kostengünstige Alternative zu konventionellen Antriebstechnologien und fossilen Treibstoffen. Zahlreiche große Logistikunternehmen haben ihr Interesse angemeldet.“

Weitere Einsatzgebiete hierzulande lassen sich allerdings an einer Hand abzählen. So wurden bisher einige Flurförderzeuge am Münchener und Hamburger Flughafen sowie im Hamburger Hafen und bei dem Chemiekonzern BASF erprobt. Weitere europäische Tests laufen seit September 2012 mit zwei Fahrzeugen beim belgischen Einzelhandelsunternehmen Colruyt und seit Oktober mit vier Staplern bei der dänischen Baumarktkette Stark. Am Frankfurter Flughafen befindet sich seit Anfang März ein BZ-Modell in der insgesamt 74 Elektrostapler umfassenden Flotte von LUG aircargo handling. Patrik Tschirch, operativer Geschäftsführer bei LUG, bestätigte: „Im Gegensatz zu Europa werden in Nordamerika Brennstoffzellenstapler bereits umfangreich eingesetzt. In Deutschland waren sie bisher zu teuer, um sich am Markt durchzusetzen, da wegen geringer Nachfrage nur kleine Stückzahlen produziert werden. Doch dieser Prototyp ist attraktiv und entspricht unseren hohen Betriebsanforderungen.“

Am 7. Juni 2013 gingen zudem zehn Logistikfahrzeuge mit Brennstoffzellen-Hybridantrieb in Hörsching, Österreich, in Betrieb. Dort startete ein Firmenkonsortium, unter anderem bestehend aus Linde Material Handling, Fronius, DB Schenker, OMV, HyCentA Research und Johanneum Research Forschungsgesellschaft, den Feldtest zu ihrem Forschungsprojekt E-LOG-Biofleet. Gleichzeitig startete dort Doris Bures, die österreichische Bundesministerin für Verkehr, Innovation und Technologie, den Einsatz der ersten H2-Indoor-Betankungsanlage in Europa.

Einer der wesentlichen Gründe für die größere Nachfrage in den USA ist die höhere Auslastung der Stapler. Bedingt durch die kleineren Lager in Europa sowie die kürzeren Arbeitszeiten machen sich kürzere Betankungszeiten und ein reduzierter Platzbedarf stärker bemerkbar. Da in Amerika zum Teil 24 Stunden am Tag und sieben Tage die Woche gearbeitet wird, armortiseren sich BZ-Stapler dort schneller. Hinzu kommt, dass in den USA durchschnittlich mehr Batterien in Elektrostaplern verbaut sind als in Europa, so dass sich bereits geringe Einsparungen bei den Stückkosten insgesamt betrachtet wesentlich stärker finanziell bemerkbar machen.

5 Gedanken zu “Brennstoffzellen-Gabelstapler in den USA immer beliebter

  1. „Sie alle kommen in den Genuss spezieller Fördermaßnahmen, die einen wirtschaftlichen Betrieb ermöglichen.“

    Im Klartext:
    Ohne Subventionen unwirtschaftlich.
    Logisch, dass nach Auslaufen der Förderprogramme die Fahrzeuge dann nicht weiter betrieben werden.

  2. Ich kann Arno dabei nur zustimmen. Es ist logisch das „normale“ Dieselstapler nicht mehr ganz up-to-date sind und gerade innovative Unternehmen nach Alternativen suchen. Da ist aber eine Ressource wie Wasserstoff für Gabelstapler, Seitenstapler und Co nicht das optimale. *Wenn es dafür nur eine Lösung gäbe, also eine Ressource die überall von Natur aus vorhanden ist* Ach ja, wie wäre es mit dem Licht. Elektrostapler gibt es auch schon…

  3. heheh auch hier gilt:
    Man/frau hört und liest IMMER nur die Jubelmeldungen
    Zu Beginn derartiger „Erprobungsphasen“ …
    . Was nicht erwähnt wird ist, wenn diese abgeschlossen sind
    und das Ganze sang- und klanglos zu den Akten gelegt wird.
    Leider werden die wirklich mageren Zahlen dann auch nicht gelöscht,
    sondern weiter mit durchgezogen, obwohl die Gabelstapler mit H²-Antrieb
    längst verschrottet sind. das findet man auch NUR heraus,
    wenn man wirklich vor Ort ist und sich das Elend dort selbst ansehen kann ….
    Es ist erschütternd und hat so gar NICHTS mit den im Internet
    dargestellten Behauptungen zu tun!!!

    Das wäre ja noch nicht mal „das Schlimmste“…
    Noch schlimmer ist es, das niemand die Herkunft des Wasserstoff hinterfragt.
    Oft wir dieser über tausende von Kilometern von den beiden fossilen und monopolistischen H² -Herstellern innerhalb der USA per Diesel-Truck herangekarrt.
    Was bitte soll das Alles?

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