Brennstoffzellen-Heizgeräte brauchen Unterstützung

Staatssekretär Rainer Bomba redete der Industrie ins Gewissen
Staatssekretär Rainer Bomba redete der Industrie ins Gewissen

Es könnte so schön sein: Die ersten Brennstoffzellenheizgeräte sind endlich auf dem Markt. Das Ziel, auf das die gesamte Branche seit Jahren hingearbeitet hat, scheint somit erreicht zu sein. Aber von Freude oder gar Erleichterung ist weit und breit keine Spur. Ganz im Gegenteil: Jetzt, nachdem Millionenbeträge in die Forschungs- und Entwicklungsarbeit für diese modernen Kraftwärmekopplungsgeräte geflossen sind, ruft die Industrie nach einer Anschlussfinanzierung für die Markteinführung. Zunächst musste die Initiative Brennstoffzelle (IBZ) jedoch den Unmut von Staatssekretär Rainer Bomba über sich ergehen lassen, denn der zeigte sich gar nicht begeistert von dem bisher Erreichten und las der deutschen Heizgerätebranche mal wieder gehörig die Leviten.

Die Entwicklung im Bereich der Brennstoffzellenheizgeräte dauert mittlerweile schon rund 15 Jahre an. In dieser Zeit gab es verschiedene Episoden – voll von hoffnungsfroher Zuversicht, aber auch voller Ernüchterung. Der größte Teil der Forschungs- und Entwicklungsarbeit scheint mittlerweile geschafft zu sein, und tatsächlich vermeldeten 2012 zumindest zwei Firmen mit Standorten in Deutschland, dass sie ihre Geräte kommerziell anbieten: Ceramic Fuel Cells (CFC) verkaufte in 18 Monaten rund 250 Einheiten. Anfang Februar dieses Jahres verkündete das Heinsberger Unternehmen, dass die BZ-Kraftwerke von CFC im Januar 2013 die Marke von zwei Millionen Betriebsstunden bei einer Verfügbarkeit von 99 Prozent überschritten hätten. Das zweite Unternehmen, Elcore, hatte angekündigt, 2012 rund 50 Geräte installieren zu wollen und die Kapazität 2013 auf 1.000 Stück pro Jahr auszubauen. Verifizierte Zahlen gab das Unternehmen bisher aber nicht heraus.

Die Unternehmen, die den Markteintritt erst für 2014 angekündigt haben, geben größtenteils zu Protokoll, „die Technik ist fertig“. Dies bestätigte sowohl Walter Bornscheuer, Leiter Technologie der Viessmann Werke, als auch Christian Haferkamp von der EWE Vertrieb GmbH. Dies könnte jetzt also – theoretisch – der langersehnte Startpunkt zur Markteinführung der BZ-Heizgeräte sein, wenn da nicht schon wieder neue Probleme wären. So muss sich CFC derzeit nach einem neuen Vertriebspartner für Deutschland umschauen, da die sanevo home energy GmbH Ende Februar 2013 Insolvenz anmeldete. Nachdem das spanische Unternehmen Effizient Home Energy, dessen WhisperGen-Geräte sanevo bisher vertrieb, im November 2012 insolvent gegangen war (s. HZwei-Heft Jan. 2013), folgte nun auch das Aus für das Offenbacher Unternehmen selbst. Für Belgien hat Ceramic Fuel Cells zwar in Solar Spirit Ende Februar 2012 einen Vertriebspartner für seine BlueGen-Geräte gefunden. Wie Andreas Ballhausen, Geschäftsführer Vertrieb bei CFC, allerdings gegenüber HZwei mitteilte, liegt der anvisierte Absatzschwerpunkt des autralisch-deutschen Unternehmens in Deutschland. Ballhausen zeigte sich jedoch zuversichtlich, dass die bisher positiv verlaufenen Gespräche mit potentiellen Vertriebspartnern für den deutschen Markt eine Lösung bringen werden.

Das Hauptproblem, das dem Vertrieb von BZ-Heizgeräten in Europa derzeit im Wege steht, bleibt nach wie vor das hohe Kostenniveau. Sowohl für das Material als auch für die Produktion liegen die Preise derzeit noch über dem Preisniveau konkurrierender Technologien. Dementsprechend fehlt es auch an Kunden. Kaum ein Gerätehersteller traut sich daher, in den Aufbau von Fertigungsinfrastruktur zu investieren, nur CFC hat in Heinsberg bisher eigene Produktionskapazitäten aufgebaut.

Der Ruf nach einem geeigneten Markteinführungsprogramm für stationäre Brennstoffzellensysteme wird daher immer lauter. Die Initiative Brennstoffzelle (IBZ) veranstaltete deswegen zu diesem Thema am 28. Februar 2013 ein „Zukunftsgespräch Energieeffizienz“ in Berlin. Gemeinsam mit Vertretern von Geräteindustrie, Energieversorgern und der Politik diskutierten IBZ-Mitglieder öffentlich über die Potenziale dieser Mikrokraftwerkstechnologie. Andreas Ballhausen zeigte sich dabei zuversichtlich, dass „die Brennstoffzelle einen wesentlichen Beitrag zur Energiewende beitragen kann“. Zuvor müsse die BZ-Technik allerdings noch wachgeküsst werden, da waren sich alle Anwesenden einig.

Rainer Bomba, der Staatssekretär vom Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS), ließ indessen seinem Unmut freien Lauf und erklärte: „Ich bin von der Brennstoffzellentechnologie enttäuscht. […] Es ist Zeit geworden, zu sehen, was aus dem bisher investierten Geld geworden ist.“ Mit Blick auf das von der Bundesregierung geförderte Callux-Projekt sowie vergleichbare EU-Vorhaben stellte er ernüchtert fest: „300 BZ-Geräte in Deutschland und 1.000 in Europa, darüber spricht in China keiner, aber hier klopfen wir uns auf die Schulter.“ Grundsätzlich sei er zwar nach wie vor von den Potentialen der Brennstoffzellentechnik überzeugt, aber „die Ergebnisse liegen deutlich hinter den Erwartungen zurück“.

Im Hinblick auf ein zu diskutierendes Marktanreizprogramm rief Bomba der Brennstoffzellenbranche ähnlich deutlich wie auch schon auf der Hannover Messe 2012 förmlich zu: „Wir sind gerne bereit, das Geld in die Hand zu nehmen, wenn wir sehen, dass etwas passiert, aber Sie müssen auch abliefern. Wenn es eine Anschlussfinanzierung geben soll, müssen wir Ergebnisse sehen, ansonsten wird es Mittel in dieser Höhe nicht mehr geben.“

Christian Haferkamp stellte dazu fest, dass derzeit „die Begeisterung bei den Kunden noch fehlt“, dass jetzt aber „die entscheidende Phase“ komme. Er präsentierte einen konkreten Programmentwurf, wie eine Förderung zur Markteinführung von BZ-Heizgeräten aussehen könnte. Dieser von Haferkamp vorgestellte Ansatz der Initiative Brennstoffzelle, der auf dem vom BMWi in Auftrag gegebenen Gutachten des Instituts für ZukunftsEnergieSysteme (IZES) basiert, sieht eine Kombination verschiedener Förderinstrumente vor: KWK-Gesetz plus Investitionsförderung sowie eine über zehn Jahre laufende Umwandlungsvergütung. Der Gesamtfördermittelbedarf dafür läge bei 400 Mio. Euro, wenn durchschnittlich jedes BZ-Heizgerät mit 1.000 Euro pro Jahr gefördert würde. Nach ersten Berechnungen könnten damit von 2013 bis 2020 rund 175.000 Geräte in den Markt gebracht werden, wobei die Stückzahlen ansteigen, die Kosten aber sinken (degressiv) würden.

Die eingeladenen energiepolitischen Sprecher der Parteien CDU/CSU, FDP und Grüne (SPD-Vertreter war erkrankt) zeigten sich zunächst äußerst skeptisch, solch ein Förderprogramm initiieren zu können. Im Laufe der Gesprächsrunde wich jedoch diese Skepsis einem gewissen Wohlwollen. Am Veranstaltungsende signalisierten Thomas Bareiß, Klaus Breil und Oliver Krischer, denen das große Potential der Brennstoffzellentechnologie bereits im Vorfeld bewusst war, zumindest weitere Gesprächsbereitschaft.

1 Gedanke zu “Brennstoffzellen-Heizgeräte brauchen Unterstützung

  1. Warum das ALLES seit jahrtzehnetn nicht wirkloich weiter geht und im Moment usn allen so teuer wird, hat ZWEI Gründe:
    1.) Solange die lieben Leute Erdgas,
    also einen fossilen Energieträger,
    mit mehr als zweifelhafter Herkunft,
    als Treibstoff für stationäre (oder auch mobile) Anwendungen nehmen,
    um Wasserstoff zu erzeugen ( = Reformieren…),
    bringt das im Prinzip gar nichts!
    (Wobei Elektrolyse auch nicht wirklich weiterhilft!…)
    2.) Solange niemand über eine echten Mehrwert
    (engl.: added value) nachdenkt und daran arbeiten,
    bringt das ebenfalls gar nichts!
    Kein Wunder, das *wir alle* jetzt genau da sind, wo wir sind!
    Und das nicht nur in Deutschland, sondern global.
    Mehr dazu gerne hier:
    http://www.hydrogenambassadors.com/meet-aae/index.php

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