Die grünen Technologien müssen raus aus der Weltverbesserungsecke

Gastkommentar von Matthias Putzke

Ein Jahr nach Fukushima ist die Energiewende nicht vorangekommen gekommen. Dabei ist sie wichtiger denn je. Die Geschichte hat gezeigt, dass ein einziger Atomunfall ganze Landstriche für lange Zeit unbewohnbar macht. Ursprünglich war der Kernenergie der Platz als Brückentechnolgie zugedacht auf dem Weg zum Zeitalter der erneuerbaren Energien.

Durch die eingeläutete Energiewende sind die Karten neu gemischt. Um die ambitionierten Klimaziele der Bundesrepublik zu erreichen wird nun immer klarer: Energieeffizienz wird die eigentliche Brückentechnologie, während die Gewinnung von erneuerbaren Energien weiter ausgebaut wird.

Doch damit das gelingt, muss die zentrale Frage beantwortet werden: Warum will er nicht anspringen, der Energieeffizienzmotor? Alles ist im Prinzip vorhanden: marktreife Technologien, gesetzliche Rahmenbedingungen, Fördermittel, Finanzierungsmodelle. Einzig der Unternehmer ziert sich, so scheint es.

Tatsächlich verhält er sich, wie er es immer getan hat: wie ein guter Kaufmann. Die Ressource Kapital ist bekanntlich knapp im Firmen. Der Unternehmer muss die Liquidität optimal einsetzen, um sich zu erneuern und Marktanteile zu gewinnen. Dabei muss er selbstverständlich auch aufs Sparen achten. Warum nicht auch bei der Energie, der oftmals noch einzigen verbliebenen Stellschraube im Unternehmen? Im Prinzip wäre er sogar dazu bereit, die Firmen-Energiebilanz beleuchten zu lassen, wäre da nicht das Dilemma mit dem knappen Geld. Ein Unternehmer, der vor die Wahl gestellt wird, investiere ich in eine neue Maschine, die meinem Betrieb mehr Umsatz bringt oder in eine Energieeffizienztechnologie, mit der ich mehr Einsparungen erziele, wird sich immer für die Erweiterungsinvestitionen entscheiden. Günstige Rechnungen über Lebenszykluskosten, interner Zinsfuß, hohe Renditen fallen dem Diktat des Unternehmenszweckes zum Opfer.

Dafür den Staat verantwortlich zu machen, ist zu kurzsichtig gedacht. Zwar schreit die Branche ständig nach einer einheitlichen Energieeffizienzstrategie, um Planungssicherheit zu erzielen. Jedoch erkennt man bei genauerem hinsehen, dass es durchaus eine Vielzahl interessanter Instrumente gibt. So fördert die KfW zum Beispiel unabhängige Energieeffizienzberatungen mit bis zu 80 Prozent. Das ist das wohl am höchsten subventionierte Programm der Bundesregierung. Darüber hinaus werden den Unternehmen zinsgünstige Kredite angeboten und Einzelmaßnahmen, wie besondere Förderung in KWK (Kraftwärmekopplung).

Jedoch liegen die durchschnittlichen Amortisationszeiten zwischen fünf bis acht Jahren, in Abhängigkeit von der jeweiligen Technologie und den Rahmenbedingungen im Unternehmen. Viel zu lange, sagen die Unternehmen. In maximal 2 Jahren müssen sich diese Investitionen amortisiert haben.

Für Investitionen in Energieeffizienz steht weniger Liquidität zur Verfügung, und sie müssen sich schneller amortisieren als Erweiterungsinvestitionen. Die Schmerzgrenze im Markt scheint sich zwischen drei bis fünf Jahren einzupendeln. Genau hier muss der Hebel angesetzt werden. Und da können wir aus der Historie lernen. Nehmen wir das erfolgreiche Programm des Aufschwung Ost: Sonder AFA 50. Diese diente dem Ziel, den Gebäudebestand in den Neuen Bundesländern zu modernisieren, dies schneller zu erreichen und mehr Liquidität zu absorbieren. Wunderbar hat dies funktioniert.

Das gleiche Prinzip könnte auch im Bereich Energieeffizienz gelten: Werden dem Unternehmen zweckgebundene Steuererleichterungen beziehungsweise Sonderabschreibungen für Investitionen in Energieeffizienz geboten, günstigstenfalls flankiert mit zinsgünstigen Krediten, sinken die Amortisationszeiten erheblich. Der Break-even wäre schneller erreicht und der Cashflow steigt. Und noch weiter gedacht: Sollten die erzielten Einsparungen vom gesamtunternehmerischen Cashflow abgekoppelt und wieder in Energieeffizienz re-investiert werden, könnte der steuerliche Anreiz weiter zunehmen. Somit würde sich die permanente Energiereduktion selber tragen, und es wäre möglich, dies solange fortzusetzen, bis das Unternehmen Klimaneutralität erreicht hat. Zwar mit Anschub, aber aus eigener Kraft. Das fühlt sich für einen Firmenchef, insbesondere für den jetzigen Typus des unternehmerischen Entscheiders, besser an als die Botschaft, das morgen die Welt untergeht, wenn er nicht endlich umdenkt.

Jedoch ist das Ganze vor allem ein langfristig angelegtes Zukunftsunterfangen, das vielleicht erst in der nächsten Unternehmergeneration automatisiert läuft. Daher gilt es, die „Chefs von morgen“ auf die Thematik vorzubereiten. Wahrscheinlich wird die Generation Facebook nachhaltigere Überlegungen in Ihre Entscheidungen einbeziehen als nur Rendite und Amortisationszeiten. Somit ist es wichtig, das Thema Energieeffizienz frühzeitig in Lern- und Ausbildungskonzepte einzubinden. Eine jede Ausbildung, zumindest jene für energieintensive Berufe, sei es Koch oder Maschinist, sollte ein Fach Energie einführen. Und das nicht nur fakultativ. Das ist von heute auf morgen nicht erreichbar, sondern in der Tat eine Generationsfrage. Solange jedoch Kinder denken, der Strom kommt aus der Steckdose, gibt es hier noch viel zu tun.

Bliebe zum Schluss noch die Kampagne. Das, was Solar und nun die Elektromobilität geschafft haben, muss auch der Energieeffizienz gelingen. Sie muss sexy und begehrenswert werden. Klar, Effizienz klingt nicht gut. Darin schwingt das Wort sparen mit. „Den Gürtel enger schnallen“ will niemand, wenn es nicht wirklich nötig ist. Daher gilt es, dies umzudrehen. Positive Botschaften müssen animieren mitzumachen: Wer sich beispielsweise der Energiepiraterie entsagt und Strom sowie Gas nicht verschwendet, ein Stück die Welt rettet, und dass dies auch noch Spaß macht. Es ist an der Zeit, den effizienten grünen Technologien den Weg freizuräumen, um sie aus der Weltverbesserungsecke rauszuholen. Ich bin mir sicher, dass sich in der Kreativwirtschaft jemand dafür finden wird. Wenn es uns gelingen soll, Energieeffizienz – oder nehmen wir gleich das schönere Wort Energieproduktivität –, in den Köpfen zu verankern, muss es uns gelingen, daraus einen Mainstream zu machen. Photovoltaik hat es vorgemacht, Elektromobilität ist auf dem richtigen Weg, Energieeffizienz kann es schaffen. Nicht nur zum Wohle der Menschen in Fukushima, sondern zu unser aller Wohl.

Der Autor ist Geschäftsführer des Energieberatungsunternehmen erío energy consulting, Berlin.

Die Brennstoffzellen-Technologie ist fertig


Weltpolitisch gibt es derzeit ähnlich viele große Baustellen wie branchenspezifisch: Im Großen geht es derzeit primär immer noch um die Euro- und/oder Bankenkrise. Außerdem traf sich Ende Juni die erste Garde der Politiker in Mexiko, um die globalen Wirtschaftsbelange zu diskutieren, während fast zeitgleich die zweite Garde in Rio an der Neuauflage eines Klimaabkommens arbeitete.

Im Speziellen, also in den Bereichen Wasserstoff-, Brennstoffzellen- und Elektromobilität, stand gerade die Hannover Messe als Branchen-Highlight an (s. S. 10). Die gute Nachricht aus der niedersächsischen Landeshauptstadt ist, dass die Stimmung wieder etwas zuversichtlicher ist. Die schlechte Nachricht ist jedoch, dass die Vorbereitung der Markteinführung nicht vorankommt.

Etliche Unternehmen scheinen sich damit abgefunden zu haben, dass es im BZ-Sektor nur langsam vorangeht. Insbesondere viele der Forschungsinstitute haben sich inzwischen vortrefflich mit Förderprojekten eingerichtet, so vortrefflich sogar, dass sie das eigentliche Ziel, das da lautet „Markteinführung“, mehr und mehr aus den Augen verlieren. Sie forschen anscheinend um des Forschens willen und übersehen dabei, dass vielfach der Zeitpunkt der Lizenzvergabe oder Vermarktung längst überschritten ist. Scheinbar hat niemand in der hochbezahlten Führungsebene den Mut, die bereits vorliegenden Entwicklungserfolge an die Vertriebs- und Marketingfachleute zu übergeben, damit diese daraus „Produkte“ kreieren können. Diesen Dauerforschern rief Staatssekretär Rainer Bomba in Hannover zum wiederholten Male mit deutlichen Worten zu: „Leute! Die Technologie ist fertig. Probiert sie bitte endlich aus!“

Hinsichtlich einer Anschlussförderung, die sich nach der aktuell noch laufenden Marktvorbereitungsphase um die Markteinführung in Deutschland kümmert, sagte Bomba direkt an die Branchenvertreter gewandt: „Wenn Sie zeigen, dass die Technik für den Verbraucher einen Nutzen bringt, wird es in der Förderung einen Anschluss geben. Dies gilt aber in beiden Richtungen: Wenn weiter nur geforscht wird, wird es keine Anschlussförderung geben.“ Mit einem Seitenblick auf die derzeit kriselnde deutsche Photovoltaikbranche, in der gerade einige Unternehmen Insolvenz anmelden mussten, fügte der Staatsekretär allerdings hinzu: „Wir werden nichts zu Tode finanzieren.“

Eng mit dieser Thematik verknüpft ist die große Baustelle im Mobilitätssektor, dies klang auch Mitte Mai beim 5. Deutschen Wasserstoff Congress in Berlin an (s. S. 8). Insbesondere beim Aufbau der für die Brennstoffzellenfahrzeuge benötigten Wasserstoffinfrastruktur herrscht momentan totale Konfusion: Die NOW geht gemäß der H2-Mobility-Planung davon aus, dass 2015 rund 100 Stationen in Deutschland stehen. Das Bundesverkehrsministerium spricht jedoch von 50 H2-Tankstellen (s. S. 44). Angesichts der bereits vorhandenen 15 Stationen sowie der 20, die Daimler und Linde schon vor einigen Monaten ankündigten, kämen demnach also zunächst gerade einmal 15 H2-Stationen hinzu.

Wie aber daraus dann bis 2020 insgesamt 1.000 Tankstellen werden sollen, ist fraglich. Oder werden es doch eher 400? Oder gar nur 300? Es stellt sich somit die Frage, wie man vielleicht auch mit wenigen Standorten ein gut funktionierendes Netz aufspannen könnte. Eventuell können ja auch noch andere Player (z.B. Gashändler, Supermarktketten) mit ins Boot geholt werden, um neue Befüllstationen zu errichten.
Hier gibt es also ähnlich viel Klärungsbedarf wie im Elektromobilitätssektor, wo jetzt mit dem 3. Entwicklungsbericht der Nationalen Plattform Elektromobilität ein neuer Meilenstein erreicht wurde (s. S. 28). Die darin geforderten Maßnahmen zum Erreichen des Ziels von 1 Mio. Elektrofahrzeugen bis 2020 werfen allerdings auch neue Fragen auf: Ist es tatsächlich der richtige Weg, großen Konzernen in großen Schaufensterprojekten große Mengen Geld hinterherzuwerfen? Und wo soll überhaupt dieses Geld für die Schaufenster angesichts schmelzender Einnahmen aus dem Klimafonds herkommen?

Auch hier muss geprüft werden, wie am sinnvollsten die Klein- und mittelständischen Unternehmen, die als Quereinsteiger häufig die wahren Innovationstreiber sind, unterstützt werden können. Es muss offen darüber diskutiert werden, dass Großkonzerne zwar theoretisch die finanziellen Mittel dazu hätten, um einen Technologiewandel mitfinanzieren zu können, dass sie aber häufig von solch einem Wandel gar nicht selber profitieren würden und ihn deswegen auch nicht forcieren werden.

Wie man sieht, gibt es Baustellen genug, im Großen wie auch im Kleinen. Wir müssen nur endlich mal mit der eigentlichen Arbeit anfangen, denn die Technik ist fertig (s. Fahrbericht S. 40).

Die Seitenverweise beziehen sich auf die HZwei-Ausgabe vom Juli 2012.

f-cell wird größer und dauert länger


Das 12. f-cell Symposium wächst weiter und wird vom 8. bis 10. Oktober 2012 zusammen mit der 1. Battery+Storage zu einer neuartigen Veranstaltung rund ums Thema mobile und stationäre Energiespeichertechnologien und Energiewandler. Nach elf Jahren im mittlerweile zu eng gewordenen Haus der Wirtschaft finden jetzt beide Veranstaltungen gemeinsam auf dem Stuttgarter Messegelände statt. Auf der Battery+Storage wird die gesamte Wertschöpfungskette der Speicherherstellung dargestellt. Dort soll beispielsweise die Frage beantwortet werden, wie regenerativ gewonnene Energie stationär gespeichert und zuverlässig verfügbar gemacht werden kann. Von der Forschung und Entwicklung über die Materialien, die Zellfertigung und Batteriesysteme bis hin zu den Themen Second-Use und Recycling-Technologien werden alle Themenfelder auf dieser neuen Kommunikationsplattform, die die Landesmesse Stuttgart als europäische Leitmesse der Energiespeichertechnologiebranche etablieren möchte, abgebildet.

Parallel dazu findet die f-cell statt, deren Grundkonzept bestehen bleibt. Beide Kongresse laufen über zwei Tage und werden von der Peter Sauber Agentur organisiert. Am Abend des ersten Veranstaltungstages wird es wieder die Preisverleihung des mit 25.000 Euro dotierten f-cell award geben. Neu ist allerdings, dass es für den vom Land Baden-Württemberg gestifteten Innovationspreis Brennstoffzelle in diesem Jahr extra Kategorien für Jungunternehmer (Start-Up) sowie Wissenschaftler (Science) gibt. Am dritten Veranstaltungstag stehen dann f-cell-Seminare, eine Exkursion sowie der e-mobil Technologietag auf dem Programm. Zu dieser mittlerweile zum dritten Mal stattfindenden Konferenz der Landesagentur für Elektromobilität und Brennstoffzellentechnologie Baden-Württemberg werden rund 400 Teilnehmerinnen und Teilnehmer erwartet. Dieses Mal stehen thematisch natürlich insbesondere das Schaufenster Elektromobilität – LivingLab BWe mobil und der Spitzencluster Elektromobilität Süd-West im Fokus. Die Messehalle C2 mit der begleitenden Ausstellung ist an allen drei Veranstaltungstagen geöffnet.

www.f-cell.de

Aachen wird Elektromobilitäts-Hochburg

Am 11. Juli 2012 hat Professor Dr. Achim Kampker von der RWTH Aachen einen Scheck in Höhe von 2,7 Mio. Euro von der Kölner Regierungspräsidentin Gisela Walsken entgegen genommen. Dieses Geld ist quasi die Siegprämie für den Gewinn des Ziel2-Förderwettbewerbs Automotive+Produktion.NRW, um die technische Ausstattung einer so genannten „Anlauffabrik“ am Werkzeugmaschinenlabor (WZL) in Aachen finanzieren zu können. Die vom Land Nordrhein-Westfalen ko-finanzierte Anlauffabrik soll dem Serienanlauf und der Produktion von Elektromobil-Kleinserien, Batteriepacks und Elektromotoren dienen und ist neben dem geplanten Elektromobilitätslabor (E-Lab) und einer Demonstrationsfabrik Teil des neuen Zentrums für Elektromobilproduktion auf dem Campus der RWTH Aachen.

Prof. Kampker leitet nicht nur den Bereich „Elektromobilproduktion“ an der Hochschule, er gründete zudem im Mai 2012 den Verein zur Förderung der Elektromobilität, das Europäische Netzwerk für bezahlbare und nachhaltige Elektromobilität, dessen Zweck die „Förderung von Wissenschaft, Forschung, Entwicklung, Demonstration, Aufklärung und Verbreitung von nachhaltiger und bezahlbarer Elektromobilität“ ist. Der Vorsitzende erklärte: „Wir haben den Verein gegründet, weil wir der Ansicht sind, dass Elektromobilität heute kein Luxusgut mehr sein sollte. Daher setzen wir uns dafür ein, Strukturen in Wirtschaft und Gesellschaft zu diskutieren und zu entwickeln, um langfristig die Produktion bezahlbarer und nachhaltig einsetzbarer E-Fahrzeuge zu ermöglichen.“ Die zweite Vorsitzende Marine Dubrulle ergänzte: „Darüber hinaus sehen wir es als unsere Aufgabe an, durch Veranstaltungen und Demo-Projekte die Menschen für das Thema ‚Elektromobilität’ in der Praxis zu begeistern.“ Mitglied können Unternehmen und auch Privatpersonen werden.

www.facebook.com/europelektromobil

Brennstoffzellen-BKHW für das Eigenheim

CFCLBrennstoffzellen im Blockheizkraftwerk (BKHW) sind erst seit kurzer Zeit für das Eigenheim erhältlich. Mit diesen Geräten stellt man seinen eigenen Strom her, als Nebenprodukt entsteht Wärme und zusätzlich reduziert man die monatlichen Kosten des eigenen Energiebedarfs. Die elektrische Energie, die über eine Brennstoffzelle im BKHW produziert wird, ist Gleichstrom. Ein angeschlossener Wechseltrichter wandelt ihn in Wechselstrom um, so dass er für das Stromnetz genutzt werden kann. Die resultierende Wärme, die durch die Reaktion zwischen Wasserstoff und Sauerstoff entstanden ist, wird abgekoppelt, um mit ihr den Haushalt zu heizen und Warmwasser aufzubereiten.

Brennstoffzellen sind bereits seit mehreren Jahren in Luft- und Raumfahrt aufgrund ihrer hohen Energieausbeute bei gleichzeitig niedriger Schadstoffemission im Einsatz. Außerdem gib es mittlerweile ein wachsendes Feld, in dem Brennstoffzellen im Blockheizkraftwerk eingesetzt werden können.

Zurzeit ist sie allerdings für Otto-Normalverbraucher noch zu teuer, um damit sein Einfamilienhaus zu heizen. Da die Technik noch nicht allzu lange im Fokus der Entwickler steht, werden entsprechende Geräte nur in kleinen Stückzahlen angefertigt, wodurch die Preise alles andere als marktfähig sind. Alleine für die Brennstoffzelle werden zurzeit fast 40.000 € fällig, die Kosten für den Brennwertkessel sind hier nicht eingeschlossen, sondern müssen addiert werden.

Kosten spart man allerdings bei der Wartung, da diese nur selten anfällt. Brennstoffzellen-BHKW haben aber hohe elektrische Wirkungsgrade, die bis zu 60 Prozent reichen – die Energieausbeute ist daher sehr groß. Verbrennungsmotoren haben zum Vergleich einen Wirkungsgrad von etwa 25 Prozent. Auch Verluste, die durch den Transport im Stromnetz entstehen können, bleiben bei diesem Verfahren aus. Da die Leistung außerdem gut regelbar ist, sind sie dennoch für den Hausgebrauch lohnenswert, da man durch die gleichzeitige Produktion von Strom und Wärme die individuellen Kosten für Energie deutlich senken kann. Interessant wird diese Methode in einigen Jahren, wenn aufgrund verbesserter Produktion, Technik und gesteigerter Nachfrage die Preise sinken.

Bis dahin müssen die Hersteller anhand von Pilotprojekten weitere Erfahrungen in Punkto Betriebnahme sammeln. Generell kann man aber schon jetzt sagen, dass ein Brennstoffzellen-BHKW in gut gedämmten Einfamilienhäusern durchgehend im Einsatz sein kann. Damit die entstandene Wärme allerdings abgeführt werden kann, ist ein Warmwasserbedarf von mehreren Hundert Litern täglich notwendig. Eine Familie mit zwei bis drei Kindern sollte diese Anforderung aber erfüllen.

Autor: E. Rossow, Bild: CFCL / Bluegen

Revival vom HotModule


Das Know-how um das HotModule scheint doch nicht ganz verloren zu sein. FuelCell Energy Inc. (FCE), der US-amerikanische Hersteller von Brennstoffzellen-Kraftwerken, hat jetzt Teile aus dem Vermögen der MTU Friedrichshafen GmbH übernommen. Ende 2010 hatte Tognum, die Muttergesellschaft von MTU Friedrichshafen, seine Aktivitäten im Brennstoffzellensektor eingestellt (s. HZwei-Heft Oktober 2010), nachdem kein Investor für das ehemalige Tochterunternehmen MTU Onsite Energy gefunden worden war. Am 16. Mai 2012 übertrug aber nun MTU Friedrichshafen Materialvorräte von Brennstoffzellenkomponenten, Gerätschaften sowie Fertigungsanlagen an die FuelCell Energy Solutions GmbH (FCES), die deutsche Tochter des Unternehmens aus Danbury. Ziel von FCES ist die Fortführung der Entwicklungsarbeiten an der Schmelzkarbonatbrennstoffzellentechnik, um die Direct-FuelCell-Technik von FCE mit der HotModule-Technik von MTU zu verbinden.

Dafür wurde als weiterer Partner das Fraunhofer Institut für keramische Technologien und Systeme mit ins Boot geholt. Das IKTS übernahm mit Wirkung vom 30. Juni 2012 eine Minderheitsbeteiligung an FuelCell Energy Solutions. Gleichzeitig übertrug MTU Friedrichshafen Patente für Brennstoffzellentechnik sowie entsprechendes Know-how auf das IKTS. Prof. Dr. Alexander Michaelis, Direktor des Fraunhofer-Institutes, erklärte: „Durch die Kombination der technologischen Stärken von Fraunhofer mit den kommerziellen Stärken und der weltweiten Erfahrung von FuelCell Energy verfügt FuelCell Energy Solutions über ausgezeichnete Voraussetzungen, um mit einer klaren Marktstrategie und lokaler Fertigung hochwertige Arbeitsplätze in Deutschland und Europa zu generieren. Wir freuen uns sehr, unsere F&E-Kompetenzen in die Weiterentwicklung der Direct-FuelCell-Technologie einzubringen.“ FCE-Präsident Chip Bottone ergänzte: „Dieser Schritt setzt auf frühere Beziehungen zur MTU auf und vertieft die Beziehung zu Fraunhofer IKTS. […] Dieser Vertrag und der Aufbau der FCES GmbH ermöglichen es, eine kosteneffiziente Technologie für große Brennstoffzellen in kommerziellen Applikationen für ganz Europa zur Verfügung zu stellen. Wir bauen auf die Stärke und Führung der deutschen Bundesregierung bei der Umsetzung ihrer energiewirtschaftlichen Programme.“ Die bisher von MTU genutzten Fertigungsstätten in Ottobrunn sollen weiter genutzt werden. Außerdem wird FCES voraussichtlich die Serviceverträge mit den bisherigen HotModule-Kunden übernehmen.

BTU-Cottbus eröffnet H2-Forschungszentrum


An der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus (BTU) ist am 4. Juni 2012 das neue Wasserstoffforschungszentrum eröffnet worden. Gleichzeitig wurde im Rahmen der 4. Energiefachtagung auf dem dortigen Campus der in dem zweigeschossigen Gebäude installierte alkalische Druckelektrolyseur in Betrieb genommen (Produktionskapazität: 30 Nm3 H2 pro Std., 60 bar). Rund ein Dutzend Wissenschaftler arbeiten fortan auf den 250 m2 Laborfläche, deren Bau rund eineinhalb Jahre gedauert hat und Ende 2011 fertig abgeschlossen wurde. „Dass die Eröffnung des Wasserstoff-Forschungszentrums erst jetzt stattfand, hatte terminliche und organisatorische Gründe“, erklärte die Projektleiterin Christine Tillmann der HZwei-Redaktion. Ihr Team wird fortan eng mit der Firma Enertrag zusammenarbeiten, um das Prinzip des Wind-Wasserstoff-Konzepts zu analysieren und die Optimierung des Prenzlauer Hybridkraftwerks wissenschaftlich zu begleiten. So soll beispielsweise untersucht werden, wie Wind-Wasserstoff-Systeme grundlastfähig gemacht werden können. Dazu gehört auch der mögliche Einsatz von Wasserstoff in konventionellen Braunkohlekraftwerken. Prof. Hans Joachim Krautz vom Lehrstuhl Kraftwerkstechnik freute sich: „Deutschlandweit sind wir in Brandenburg mit unseren Forschungsarbeiten Vorreiter.“ Ralf Christoffers, Brandenburgischer Wirtschaftsminister, erklärte: „Das neue Forschungszentrum an der Brandenburgischen Technischen Universität trägt dazu bei, die Hybridtechnik zur Energiespeicherung serienreif und damit in großem Stil nutzbar zu machen.“ Gebäude und Druckelektrolyseur wurden mit 6 Mio. Euro gefördert.

Der BTU-Präsident Prof. Dr. Walther Zimmerli arbeitet derzeit noch daran, die BTU-Cottbus zu einer eigenständigen Energie-Universität umzuformen. Er sagte: „Es ist so, wie das Bundesforschungsministerium schon 2010 sagte: ‚Mit ihrem technikübergreifenden Ansatz hat sich die kleine BTU auf dem Forschungsfeld Umwelt/Energie zu einer der stärksten Stimmen im deutschsprachigen Raum entwickelt‘.“ Eine Zusammenlegung mit der Hochschule Lausitz, wie es von der Landeswissenschaftsministerin Sabine Kunst vorgesehen wird, lehnt er ab.