50 H2-Stationen bis 2015

„Ich habe gerade heute Vormittag den Startschuss gegeben zum Aufbau einer Tankstelleninfrastruktur.“ Mit diesen Worten berichtete Bundesverkehrsminister Dr. Peter Ramsauer am Nachmittag des 20. Juni 2012 über die neue Initiative seines Hauses. Gemeinsam mit zahlreichen führenden Industrieunternehmen hatte er kurz zuvor in einer Absichtserklärung unterschrieben, dass es in Deutschland bis zum Jahr 2015 ein Versorgungsnetz mit mindestens 50 öffentlichen Tankstellen geben wird. „Heute haben wir zugegebenermaßen erst 15 Tankstellen. […] Aber alle, die sich 2014 ein Wasserstofffahrzeug zulegen, werden die Gewissheit haben, dass sie in ganz Deutschland damit fahren können“, erklärte Ramsauer und fügte sogleich hoch hinzu: „Dafür stellt der Bund 20 Mio. Euro zusätzlich bereit.“ Weitere 20 Mio. Euro werden im Rahmen des Nationalen Innovationsprogramms Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie von der Industrie (Air Liquide, Air Products, Daimler, Linde und Total Deutschland) beigesteuert. Dr. Klaus Bonhoff, Geschäftsführer der NOW GmbH Nationale Organisation Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie, fügte hinzu: „Mit Beginn der Markteinführung von Brennstoffzellenfahrzeugen ab 2015 muss sichergestellt sein, dass die Kunden in den Metropolregionen und entlang der Hauptautobahnen tanken können.“

HZwei startet Jobbörse für Wasserstoff und Brennstoffzellen

Der Hydrogeit Verlag weitet sein Online-Angebot stetig weiter aus: Ab sofort ist jetzt die Platzierung von Stellenausschreibungen auf der Internetseite der Zeitschrift HZwei www.hzwei.info möglich. Damit bietet das Magazin für Wasserstoff und Brennstoffzellen in diesen Themenbereichen erstmalig eine geeignete Plattform für kostengünstige Stellenanzeigen und Job-Gesuche. Ein Stellenmarkt war zwar in der Print-Ausgabe der HZwei auch schon vorher vorhanden, aber mit der Freischaltung der neuen Online-Rubrik für vakante Jobs besteht nun die Möglichkeit, schneller und aktueller auf frei werdende Arbeitsplätze und Firmenwünsche reagieren zu können. Die gute Suchmaschinenoptimierung der Website sichert zudem eine gute Auffindbarkeit der Stellenangebote.

www.hzwei.info/stellenboerse.phtml

Grove-Symposium in Berlin

Am 11. und 12. April 2012 hat in Berlin das Grove-Symposium Fuel Cells 2012 – Science & Technology stattgefunden. Rund 220 Teilnehmer aus aller Welt waren zu diesem hoch-wissenschaftlichen Brennstoffzellenkongress in die deutsche Bundeshauptstadt gekommen, wobei etwa die Hälfte davon selber Referenten waren oder Poster präsentierten. Die ausgesprochen umfangreiche Posterpräsentation war dann auch die Hauptanlaufstelle für den intensiv geführten Diskurs, der auf vergleichsweise hohem Fachniveau sowohl über die SOFC- als auch die PEM-Technik geführt wurde.

Unter den Vortragenden war auch der Wasserstoffkritiker Dr. Ulf Bossel. Der ehemalige Organisator des European Fuel Cell Forums (EFCF) in Luzern, Schweiz, präsentierte im Maritim Hotel Berlin sein 100-W-SOFC-Modul, das er aber trotz emsiger Bemühungen während der gesamten Referatsdauer nicht zum Laufen bekam. Die Zuhörer zeigten sich dennoch interessiert an seinen leicht atemlos vorgetragenen Ausführungen. Etwas skurril wirkte es allerdings, als Bossel trotz des missglückten Experiments um Investoren für seine Erfindung warb und zudem Werbung für das am 26. Juni 2012 startende EFCF, eine Konkurrenzveranstaltung zum Grove-Symposium, machte.

Der vom Wissenschaftsverlag Elsevier veranstaltete Fuel-Cell-2012-Kongress findet alle zwei Jahre an unterschiedlichen Standorten in Europa statt und war jetzt nach 2004 in München mal wieder in Deutschland. Das Londoner Grove Fuel Cell Symposium gibt es nicht mehr.

Bilanz-Barometer 2012 der VDMA AG Brennstoffzellen

Zunächst hört sich alles ganz positiv an. So heißt es in dem Bilanzbarometer, das die VDMA Arbeitsgemeinschaft Brennstoffzellen währen der Hannover Messe vorstellte, verheißungsvoll: „Die Erfolgsgeschichten der Unternehmen zeigen, dass die Schlüsseltechnologie Brennstoffzellen eine wichtige Rolle innerhalb der Energiewende spielen wird.“ Schaut man sich die präsentierten Zahlen und Fakten jedoch genauer an, ist schnell ersichtlich, dass die Faktenlage eher dünn und die Interpretation sehr optimistisch ist.

Am 24. April 2012 stellten Guido Gummert und Johannes Schiel, der Vorsitzende sowie der Geschäftsführer der VDMA AG Brennstoffzellen, auf der Hannover Messe ihr Brennstoffzellen-Bilanzbarometer 2012 vor. Inhaltlich geht es darin um den „Status der Technologieeinführung von Brennstoffzellen in Deutschland“. Vielversprechend hieß es dazu in der Ankündigung: „Die Brennstoffzellenindustrie in Deutschland ist auf dem Vormarsch.“ Dass eine Entwicklung „vorwärts marschiert“, ist allein allerdings noch keine sonderlich positive Tatsache, denn dies sagt nichts über das Entwicklungstempo aus. Präziser ist dann schon die Aussage von Johannes Schiel: „Mit gut 100 Mio. Euro sind die erwarteten Umsätze in 2012 in Deutschland noch überschaubar.“ Dies ist dann auch die eigentliche Kernaussage dieses Bilanzbarometers, denn viele der ansonsten präsentieren Zahlen sind Mutmaßungen, die einer angemessen fundamentierten Basis entbehren.

Sicher ist richtig, dass „Deutschland das industrielle Know-how zur Entwicklung, Serienfertigung und internationalen Vermarktung von Brennstoffzellen hat und sich im Wettbewerb mit Nordamerika und Asien behaupten muss“, ob aber tatsächlich „mit einem Umsatz von über einer Milliarde Euro bis 2020 gerechnet werden kann“, ist sehr zweifelhaft und zum aktuellen Zeitpunkt reine Kaffeesatzleserei, denn dafür fehlen schlichtweg belastbare Zahlen. Die eigene Mitgliederbefragung vom vergangenen Jahr, auf die sich die Autoren beziehen, war schon recht dünn, da hilft auch die zusätzlich zur Hilfe genommene Studie der Fuji Keizai Group nicht wesentlich weiter. Außerdem bleiben die Autoren eine Begründung schuldig, warum „das VDMA-Brennstoffzellen-Barometer für 2012 Hochdruck voraussagt“, welche konkreten Zahlen also auf eine Belebung in der BZ-Branche hindeuten.

Stattdessen präsentieren Schiel und Gummert einige ausgewählte Vorzeigeunternehmen, die „Vorreiter bei der Technologieeinführung“ sind. Aber selbst bei diesen Erfolgsgeschichten wird schnell deutlich, dass der Markt noch weit weg ist. Die wenigen Ausnahmen sind unter anderem das eigene Unternehmen von Guido Gummert, die Baxi Innotech aus Hamburg sowie der australisch-deutsche Mitbewerber, Ceramic Fuel Cells. Baxi Innotech bescheinigt das Bilanzbarometer ein potentielles Marktvolumen von mehr als 150.000 BZ-Heizgeräten pro Jahr in Europa ab 2020 (Gesamtmarkt in BRD: 638.000), bei CFCL soll es bei mehr als 200.000 BZ-Heizgeräten pro Jahr liegen. Um dieses Potential aber heben zu können, ist noch einiges zu tun, das sieht auch Gummert. Der gerade erst im März 2012 gewählte Vorsitzende erklärte: „Hocheffiziente Brennstoffzellen können eine wichtige Rolle für die Energiewende spielen, wenn die politischen Rahmenbedingungen entsprechend der Zielen den Bundesregierung ausgestaltet werden. […] Wenn der Rahmen stimmt, können Brennstoffzellen aus Deutschland Keller und Kraftfahrzeuge in Europa erobern. Anderenfalls kommt die Technologie aus Asien und Amerika.“ Angesichts der hohen Installationszahlen in Japan scheint diese zweite Option allerdings kaum noch abzuwenden zu sein.

Wie es neben den Vorzeigeunternehmen um die anderen Mitglieder dieser 60 Institutionen umfassenden Arbeitsgemeinschaft bestellt ist, wird in der Präsentation nicht klar. Es kann jedoch festgestellt werden, dass die weitere Kostenreduktion bei den Herstellern sowie den Zulieferern nach wie vor ein ganz zentrales Ziel ist. Und um diese zu erreichen, wird „ein deutlicher Anstieg der Stückzahlen benötigt, damit auch die nötigen Investitionen in Fertigung geleistet werden“. Dazu bedarf es der bereits erwähnten angemessenen Rahmenbedingungen. Die Politik trägt hier also auch eine Mitverantwortung daran, wie es weitergehen wird, ob die vorhandenen Potentiale gehoben und die erhofften Zahlen tatsächlich realisiert werden können. Erst dann wird man mit Fug und Recht sagen können, was der stellvertretende Vorsitzende der AG, Achim Edelmann, schon in Hannover gegenüber HZwei erklärte: „Wir sind ‚ready for take-off’ in der gesamten Wertschöpfungskette.”

Gummert, G., Schiel, J., Status der Technologieeinführung, Chancen und Herausforderungen der BZ-Industrie in Deutschland, VDMA Brennstoffzellen, 24. April 2012