Umfangreiches Förderprogramm für Elektromobilität gefordert

In punkto Elektromobilität galt im Bundesministerium für Wirtschaft (BMWi) bisher stets die Sprachregelung, dass zu gegebener Zeit über geeignete Fördermaßnahmen nachgedacht werde. Auch vom Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung hieß es stets zurückhaltend, dass ein „technologieoffener Ansatz“ verfolgt werde. Dies hatte zuletzt Dr. Veit Steinle nochmals während der Hannover Messe am 4. April 2011 betont.

Mittlerweile mehren sich jedoch die Stimmen, die ein stärkeres Engagement seitens der Bundesregierung in diesem zukunftsträchtigen Sektor fordern. So hatte beispielsweise Bayerns Umweltminister Markus Söder von der Bundesregierung verlangt, ein milliardenschweres Förderprogramm für Elektromobilität aufzusetzen. Gegenüber dem Focus erklärte Söder Ende März 2011: „Wir brauchen ein neues nationales Energiekonzept.“ Weiter hieß es aus Bayern: „Die Elektro- oder Hybrid-Autos müssen mit einer deutlichen Steuersenkung gefördert werden. Wir wollen grüne Kennzeichen für Elektro-Autos durchsetzen.“ Zudem berichtete das Nachrichtenmagazin, Söder habe in einem Konzeptpapier eine finanzielle Unterstützung in Höhe von insgesamt sechs Milliarden Euro gefordert. Gleichzeitig kündigte der Umweltminister an, dass Bayern ein eigenes Programm zur Förderung der Elektromobilität auflegen wolle.

Spätestens seit der Hannover Messe mehren sich die Anzeichen, dass sich bis zu diesem Sommer tatsächlich etwas tun könnte. So erklärte beispielsweise Ursula Heiner-Esser, parlamentarische Staatssekretärin im Bundesminister für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU), während des Forums MobiliTec: „Die Koalition wird ein neues Programm zur Förderung der Elektromobilität vorm Sommer herausbringen.“ Auch Prof. Dr. Henning Kagermann hatte bereits durchblicken lassen, dass in dem zweiten Bericht der Nationalen Plattform Elektromobilität angemessene Fördermaßnahmen befürwortet werden (s. Kagermann).

H2Expo unterm Funkturm

Nach einer zweieinhalbjährigen Pause findet am 8. und 9. Juni 2011 zum achten Mal die H2Expo in Hamburg statt. Die internationale Konferenz und Fachmesse hatte nach der letzten Veranstaltung im Jahr 2008 ihren ursprünglichen Termin vom Oktober 2010 auf den Juni 2011 verschoben, um dadurch Synergieeffekte im Rahmen der Umwelthauptstadt Europas nutzen zu können. Thematisch orientieren sich die Hanseaten neu, indem sie in diesem Jahr auch

das Thema Elektromobilität aufgreifen. Örtlich gibt es ebenfalls Veränderungen, da die H2Expo nicht wie bisher im Congress Center Hamburg (CCH) stattfindet, sondern erstmals auf dem neuen Hamburger Messegelände.

Die internationale Konferenz und Fachmesse für Wasserstoff, Brennstoffzellen und elektrische Antriebe wird in diesem Jahr über den Haupteingang des Messegeländes erreichbar sein. Erstmals werden Fachmesse, Kongress und Workshops in unmittelbarer Nähe zueinander im Konferenztrakt von Halle A4 platziert sein. Der Zugang zum Messegelände (Eingang Mitte) ist zwar etwas weiter entfernt vom Messe- und Kongressbahnhof Dammtor, liegt dafür aber schön gelegen direkt am Fernsehturm gegenüber von der Parkanlage Planten un Blomen. Die Messehallen und Kongressräume wurden in der Zeit von 2004 bis 2007 gemäß dem Entwurf des Düsseldorfer Architekten Christoph Ingenhoven neu errichtet und verfügen somit über modernste Technik.

Neben den Schwerpunktthemen im maritimen und im Luftfahrt-Sektor sollen auf der Ausstellung ebenso wie bei der Konferenz dieses Mal auch elektrische Antriebstechnik, elektrische Energiespeicher und Hybridsysteme mit berücksichtigt werden. Projektleiter Johannes Schmid-Wiedersheim sagte: „Im Bereich der Elektromobilität werden heute Brennstoffzellen-, Batterie- und Hybridsysteme immer stärker gemeinsam betrachtet.“ Dies soll sich auch auf der H2Expo 2011 widerspiegeln. Schmid-Wiedersheim erklärte weiterhin: „Unser Konzept ist, die H2Expo noch deutlicher anwendungsorientierter auszurichten.“ Geplant sind etwa 60 Fachreferate. Insgesamt rechnet die Projektleitung wieder mit 1.400 Konferenz- und Messe-Teilnehmern.

Neu ist in diesem Jahr die Research & Fundamental Technology Session, die parallel zur Konferenz läuft und auf der insbesondere Forschungseinrichtungen und Hochschulen aus dem norddeutschen Raum angesprochen werden. Damit soll ein attraktives Angebot speziell zur Nachwuchsförderung geschaffen werden.

Messeseitig erwartet der Veranstalter ähnlich wie beim letzten Mal rund 50 Aussteller. Unter anderem werden in diesem Jahr Magna Steyr und Linde mit dabei sein sowie die NOW GmbH und die Hamburger Landesinitiative mit insgesamt 15 teilnehmenden Institutionen.

Währenddessen dreht sich das Personalkarussell bei der Hamburger Messe und Congress GmbH lustig weiter. Nachdem der Posten des Projektleiters im Sommer 2009 mit Schmid-Wiedersheim neu besetzt worden war, hat zum Jahreswechsel 2010/2011 die Projektreferentin gewechselt: Die langjährige Mitarbeiterin Maike Rosilius beendet ihre Arbeit bei der Messegesellschaft. Ihren Posten übernahm Katja Löwe, die seit zehn Jahren bei der Hamburger Messe und Congress GmbH tätig ist und über ausgiebige Erfahrungen im Ausstellungsbereich verfügt.

www.h2expo.de

BASF hofft auf MOF

Metallorganische Materialien, so genannte MOF (metal-organic frameworks), sollen die Kraftstoffspeicher der Zukunft werden. Das hofft jedenfalls das Chemieunternehmen BASF, denn die dortigen Wissenschaftler haben ein neues Verfahren entwickelt, mit dem sich diese hochkristallinen Materialien zur besseren Gasspeicherung erstmals im Industriemaßstab lösungsmittelfrei herstellen lassen. MOFs verfügen über eine enorm große Oberfläche und eine hohe Porosität im Nanometerbereich, wodurch große Mengen energiereicher Gase (z.B. Erdgas, Wasserst

off) aufgenommen werden können. Zudem lassen sich Porengröße und Polarität gezielt verändern. Dr. Friedrich Seitz, BASF-Bereichsleiter, erklärte: „Diese Stoffklasse erschließt uns neue Anwendungsgebiete in den Materialwissenschaften. Wir freuen uns über diesen bedeutenden Fortschritt bei der großtechnischen Herstellung, eine unabdingbare Voraussetzung für den kommerziellen Einsatz dieser faszinierenden Materialien.“ Bei dem neuen Produktionsverfahren des Ludwigshafener Unternehmens werden keine organischen Lösungsmittel benötigt, so dass mit vergleichsweise einfachen Verfahren eine hohe Materialausbeute erzielt werden kann. Erste Tests laufen derzeit mit Erdgasspeichern im Schwerlasttransport.

„Frühe“ Märkte

Warum heißen die „Frühen Märkte“ im Brennstoffzellensektor eigentlich „Frühe Märkte“? Man dürfte meinen, das liegt daran, dass damit die Bereiche bezeichnet werden, in denen Brennstoffzellen als Erstes kommerziell angeboten werden. Wie wir wissen, zählen der Automobilsektor sowie der Hausenergiesektor eher zu den „späten Märkten“ (Einige Beobachter der Szene behaupten ketzerisch, dieser Zeitpunkt läge immer fünf Jahre in der Zukunft – so war es auch schon 1999 und 2005.).

Die so genannten „Frühen Märkte“ sind also – anders als der Auto- oder der Heizungsmarkt – keine Massenmärkte, sondern so genannte „Nischenmärkte“. Nischenmärkte sind die eher kleineren Marktsegmente, in denen es nicht so sehr auf den Preis ankommt, sondern vielmehr auf den Mehrwert, den die neue Technik zu bieten hat. Das Kostensenkungspotential ist hier aufgrund der niedrigen Stückzahlen arg begrenzt, so dass vorrangig exklusive Märkte bedient werden, wie zum Beispiel Yachten, Camping und Notstromversorgung.

Schauen wir uns heute diese potentiellen „Frühen Märkte“ etwas näher an, kommen wir nicht umhin festzustellen, dass da – außer im Bereich der Reisemobile – immer noch tote Hose herrscht. Daraus ergibt sich das Problem, dass wir zwar seit Jahren über diese „Frühen Märkte“ sprechen, dass aber das Stadium „früh“ schon längst überschritten ist.

Machen wir uns doch nichts vor: Die Brennstoffzellentechnik kommt auch bei ihrem zweiten Frühling nicht aus den Pötten. Ihre Geburtsstunde liegt schon über 170 Jahre zurück, und seit nunmehr über zwölf Jahren reden wir uns ein, dass in fünf Jahren endlich der Durchbruch käme. Daraus folgt, dass wir jetzt schon sieben Jahre über die Zeit sind. Selbst wenn also auf der diesjährigen Hannover Messe plötzlich der Markteinstieg ausgerufen und Tausende Brennstoffzellen vom Himmel fallen würden, wäre das nun wirklich nicht mehr „früh“.

Wir sollten daher ehrlich genug sein und nicht länger von „Frühen Märkten“ sprechen. „Spezielle Märkte“, so kann man diesen Bereich nennen, denn er bietet in vielen speziellen Marktnischen viele spezielle Lösungsmöglichkeiten. Insbesondere der USV-Bereich (s. HZwei April-Heft, S. 14) verfügt durchaus über das Potential, schon bald aus dem Entwicklungs-, Versuchs- und Marktvorbereitungsstadium in das Markteinstiegsstadium wechseln zu können.

Der VDI hat in seiner Studie (s. S. 12) gangbare Wege in den Markt aufgezeigt. Wir täten also gut daran, schleunigst einige dieser Empfehlungen aufzugreifen und über geeignete Schritte zu diskutieren, denn erfahrungsgemäß dauert die Umsetzung dieser Ideen in die Praxis noch lang genug. Jetzt ist es allerhöchste Zeit, dass wir endlich die Markteinführung in Angriff nehmen.

Passend dazu konstatierte Dr. Klaus Bonhoff von der NOW GmbH im HZwei-Interview (s. S. 30): „Allein aus dem unternehmerischen Alltag heraus, wird die Technologie bis auf wenige Ausnahmen den Markt nicht erobern können.“ […] „Klar ist […], dass es flankierender Maßnahmen zur Markteinführung bedarf.“

Bildhaft gesprochen stehen wir heute an einer Kreuzung ohne Wegweiser. Wir stehen da und warten. Anstatt nur zu warten, sollten wir jetzt zumindest mal anfangen, uns über den einzuschlagenden Weg zu unterhalten oder aber nach der richtigen Richtung zu fragen. Fit genug für die Reise sind wir, schließlich haben wir in den vergangenen Jahren ausreichend Erfahrungen getankt. Es ist schon viel zu viel Zeit verstrichen, um weiterhin nur darüber nachzusinnen, ob unser Tank denn voll genug ist. Jetzt ist es an der Zeit, sich endlich über die Richtung zu verständigen und loszumarschieren. Man kann ja auf dem weiteren Weg zwischenzeitlich immer noch Boxenstopps einlegen und mal nachtanken.

Dies ist das HZwei-Editorial der April-Ausgabe. Weiterführende Hintergrund-Informationen über “spezielle Märkte”, “unterbrechungsfreie Stromversorgung”, die genannte VDI-Studie sowie das Bonhoff-Interview finden Sie im aktuellen Heft.

Glaubwürdigkeitsproblem

Es ist wirklich vertrackt mit dem Vertrauen. Ist es einmal missbraucht worden, dann kann es passieren, dass es für immer verloren ist oder nur unter sehr großen Anstrengungen wiedererlangt werden kann. Ähnlich ist es mit dem Glauben. Man glaubt an das, was man für richtig hält. Wenn man jedoch immer wieder nachgewiesen bekommt, dass diese angeblichen Wahrheiten, an denen man vielleicht schon lange Zeit festgehalten hat, falsch waren, dann weiß man schlussendlich nicht mehr, woran man glauben soll.

Dieses Phänomen lässt sich derzeit gleich mehrfach beobachten. Es ist ja nicht so, dass die Gläubigen nur der Kirche den Rücken kehren. Neben der Religion, die bisher traditionsgemäß für Glaubensfragen zuständig war, hat die aktuelle Glaubenskrise innerhalb von wenigen Monaten auch etliche andere Bereiche infiziert. Ganze Nationen finden inzwischen immer weniger Gläubiger, weil das Vertrauen in die Finanzkraft dieser Länder zunehmend schwindet. Der Vertrauensverlust in die Wirtschaft drängt auf diese Weise immer mehr langjährige Aktienanhänger zu den vermeintlich sichereren Goldanlagen.

Den Politikern vertraut ohnehin schon seit Jahren kaum noch jemand. Kein Wunder. Erst heißt es, man werde sich an Taten messen lassen. Dann läuft es nicht so wie von den Verantwortlichen geplant, dies wird auch öffentlich festgestellt, aber passieren tut nichts. Erst ein Ehrenwort hier, dann der Nachweis des Gegenteils dort. Erst heißt es, ohne Kernkraftwerke ginge in Deutschland das Licht aus. Dann wird quasi über Nacht ein halbes Dutzend Atomkraftwerke heruntergefahren, ohne dass eine Lampe flackert.

Erst heißt es, mit Batteriefahrzeugen sei rein physikalisch keine größere Reichweite als 150 Kilometer realisierbar. Dann kommt ein Jungspund, lässt hunderte von Experten dumm dastehen, und plötzlich sagen alle, aber selbstverständlich könne man mit einer 100-kW-Batterie 600 km weit fahren.

Das Glaubwürdigkeitsproblem hat somit inzwischen auch die Bereiche Wissenschaft und Forschung erreicht. Dies sind die Bereiche, von denen man bisher dachte, hier zählen nur knallharte Fakten. Plötzlich müssen nun aber auch die Naturwissenschaften infrage gestellt werden. Damit bleibt dann bald gar kein Gebiet mehr übrig, wo man noch an irgendetwas glauben könnte. Dann muss man auch bald daran zweifeln, was bei zwei plus zwei tatsächlich herauskommt.

Ich selbst habe als Ingenieur bisher immer zumindest ein Stück weit an die Aussagen der Automobilhersteller geglaubt, dass die Brennstoffzellentechnik für den Einsatz im Pkw tatsächlich noch nicht ganz reif ist, dass noch zu viel Platin erforderlich ist, dass deswegen die Stacks zu teuer sind, dass die Lebensdauerfrage noch nicht hinreichend geklärt ist. Jetzt frage ich mich aber gerade, ob diese Begründungen tatsächlich glaubhaft sind. Ganz wesentlich erscheint mir hier zudem die Frage, ob dies alles wirklich so gravierende Probleme sind, dass sie einen motivierten Menschen aufhalten können, wenn derjenige ein bestimmtes Ziel vor Augen hat.

Bisher habe ich auch den Energieversorgern immer zumindest ein Stück weit geglaubt, dass der Aufbau einer Wasserstoffinfrastruktur ohne die entsprechende Anzahl an Fahrzeugen keinen Sinn machen würde. Jetzt überlege ich, warum dieses so genannte Henne-Ei-Problem auch nach über zehn Jahren immer noch nicht gelöst werden konnte. Kann allein diese Frage denjenigen, der sich etwas wirklich sehnlichst wünscht, tatsächlich an der Umsetzung seiner Idee hindern?

Meine Antwort darauf lautet: Nein! Wenn man etwas wirklich will, dann tut man alles dafür, um es zu erreichen. Eine Idee oder eine Vision kann aus kleinen Menschen wahre Helden machen. Übertragen auf die Brennstoffzellenbranche lässt sich dies an vielen kleinen Unternehmen feststellen, die – ähnlich wie damals die Solarpioniere – tagtäglich hohe Risiken eingehen, damit ihre Erfindungen, Entwicklungen, das, woran sie glauben, Realität werden. Auch bei vielen Mitarbeitern der unterschiedlichsten Institutionen aus dem H2- und BZ-Sektor ist offensichtlich, wie viel Herzblut von ihnen in dem festen Glauben an eine saubere, nachhaltige Zukunft mit eingebracht wird.

Aber warum sind wir dann immer noch fünf Jahre von der Markteinführung der Brennstoffzelle im Kfz- und Hausenergiebereich entfernt? Haben wir denn nicht eine ganz tolle Agentur gegründet, was zwar zugegebenermaßen ziemlich lange gedauert hat, was aber unabdingbar war, damit die bürokratische Hürde bei der Antragstellung nicht zu klein wird und die nachgeschaltete Bewilligungsbehörde sich nicht übergangen fühlt? Haben wir denn nicht schon ganz viele Steuergelder an die Großunternehmen ausgeschüttet, damit diese ihre eigenen Entwicklungskosten bezahlen können und somit ihre Milliardengewinne nicht schmälern müssen, damit sie auch ja nicht ins Ausland abwandern? Haben wir denn nicht schon ganz viel für die Grundlagenforschung getan, was auch gut und richtig war und auf jeden Fall noch lange so weitergeführt werden sollte? Haben wir denn nicht immer wieder mit Politikern gesprochen, die vielleicht zwar als erstes an die nächste Wahl denken, aber dann doch bestimmt gleich an zweiter Stelle an Brennstoffzellen glauben? Haben wir denn nicht schon ganz viele Bürger über die Vorteile der Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnik informiert, ohne dass wir etwas dafür können, dass die nicht zuhören, immer gleich wieder alles vergessen und zudem behaupten, das Gleiche hätten wir vor fünf Jahren auch schon erzählt?

Tja, nach menschlichem Ermessen kann man wohl wirklich nicht noch mehr tun.

Machen wir dann also einfach weiter wie bisher? Vielleicht. Vielleicht sollten wir einfach weiterhin darauf vertrauen, dass letztlich alles gut wird. Wenn wir nur fest genug daran glauben, dann sind die Ankündigungen dieses Mal bestimmt alle korrekt. Sicherlich. Hoffentlich. Aber was ist, wenn nicht?

Herzlichst, Sven Geitmann

PS: Nur als kleiner Nachsatz: Könnte sein, dass sich das H2Mobility-Vorhaben mit den 1.000 Wasserstofftankstellen ab 2015 um ein oder zwei Jahre verzögert. Ist aber keine böse Absicht.

Lithium-Polymer-Akku von DBM Energy besteht Tests

Mirko Hannemann darf sich rehabilitiert fühlen. Der Geschäftsführer von DBM Energy, der im Oktober 2010 mit seiner Weltrekordfahrt über 600 km für Furore gesorgt hatte (s. HZwei Jan. & Apr. 2011), präsentierte auf der Hannover Messe den Nachbau seines lekker Mobil (Audi A2) auf dem Stand des Bundeswirtschaftsministeriums. In den vorherigen Wochen hatten sowohl die Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) als auch die DEKRA die Kolibri-Batterie des Berliner Unternehmens und auch deren Fahrzeug getestet, nachdem unmittelbar nach der Rekordfahrt Kritik an der Informationspolitik von DBM laut geworden war. Als das Demonstrationsfahrzeug kurz vorm Jahresende 2010 bei einem Brand in einer historischen Lagerhalle beschädigt wurde, häuften sich in den Medien die Mutmaßungen über angebliche zwielichtige Machenschaften, die aus heutiger Sicht jedoch nicht bestätigt werden konnten. Insbesondere von Seiten des ADAC hatte es eine überaus skeptische Berichterstattung gegeben. Einige Annahmen eines motorwelt-Redakteurs können aus heutiger Sicht jedoch als Fehleinschätzungen beziehungsweise schlecht recherchierte Ungenauigkeiten eingeordnet werden.

Mitte Januar 2011 übergab DBM einige Lithium-Polymer-Akkus zu Testzwecken an Prof. Dr. Volkmar Schröder, Leiter der Fachgruppe II.1 „Gase, Gasanlagen“ bei der BAM, der diese sogenannten Kolibri-AlphaPolymer-Batterien gemäß dem „UN-Prüfhandbuch zur Beförderung gefährlicher Güter“ mehrere Wochen auf Sicherheit überprüfte. Gemäß einer DBM-Meldung vom 1. April 2011 ergaben diese Untersuchungen, dass die „Kolibri-Technologie die erforderlichen Sicherheitsstandards zu Luft, Land und Wasser erfüllt.“ Weiter heißt es: „Die Zellen der DBM Energy haben alle diese Prüfungen (extreme Klima- und Luftdruckschwankungen, elektrische Kurzschlüsse, Überladung oder Falschpolung sowie starke mechanische Einflüsse wie Schwingungen, Stoß und Aufprall) bestanden.“ Bei den zusätzlich durchgeführten Unterfeuerungsversuchen zeigte sich die Batterie als explosionssicher und nicht brandbeschleunigend, so dass Schröder konstatierte, die Batterie „erfüllt voll die Sicherheitserfordernisse.” In einem Video, das auf der Website des Bundeswirtschaftsministeriums zu finden ist (www.ikt-em.de), können alle Tests sowie deren Ergebnisse eingesehen werden. Prof. Schröder äußert sich darin mit den Worten: „Die bisherigen Prüfungen sind alle positiv verlaufen.“

Zusätzlich wurde Mitte März 2011 eine nachgebaute Version des Rekordautos, das im Vergleich zur damaligen 600-km-Fahrt mit einer kleiner dimensionierten Batterie ausgestattet war, ans DEKRA-Prüfzentrum nach Klettwitz geliefert. Auf dem dortigen Rollenprüfstand bewältigte das 1.340 kg schwere Fahrzeug einen Reichweitentest gemäß Prüfnorm ECE-R 101 2000, einer Regelung zur Messung der elektrischen Reichweite mit Elektroantrieb betriebener Fahrzeuge. Auf Nachfrage der HZwei-Redaktion erklärte die DEKRA, dass „der Test erfolgreich verlaufen ist.“ Die erreichte Fahrstrecke lag mit der 63 kWh fassenden Batterie bei 454,8 Kilometern. Mit einem Energiegehalt des Originalmodells (98,8 kWh) wären rein rechnerisch 714 km realisierbar gewesen. Nach Angaben des Bundeswirtschaftsministeriums verfügt der umgebaute Audi A2 (Baujahr: 2004) mit 5-Gang-Halbautomatik über eine Leistung von 22 kW und eine Höchstgeschwindigkeit von 120 km/h. Die Batterie weist einen Einsatzbereich von -20 bis +60 °C auf, die BAM testete über eine Temperaturspanne von -40 bis +75 °C.

Die in der Batterie eingesetzten Zellen basieren auf einer im Jahr 2005 entwickelte spezielle chemische Zusammensetzung, die über einen äußerst niedrigen Elektrolytanteil verfügt. Die Batterie wird somit zu den Feststoffspeichern gezählt. Hannemann erklärte gegenüber HZwei: „Wir haben Zellen, die laufen seit 2005, das entspricht weit über 5.000 Zyklen, ohne dass sie wesentliche Ermüdungs- oder Alterungserscheinungen aufweisen.“ Außerdem betonte der Jung-Unternehmer, dass das Thema Elektromobilität lediglich einen kleinen Teil der Aktivitäten von DBM ausmache, der Schwerpunkt der Tätigkeiten liege bei Kraftwerksspeichern (Großbatterien zur Stromspeicherung und fürs Lastmanagement).

DBM, das als Kleinunternehmen mit rund einem Dutzend festangestellten Mitarbeitern von dem plötzlichen medialen Interesse geradezu überrollt worden war, befindet sich derzeit in einer Phase der Neuausrichtung. Dafür wurde gerade eine übergeordnete Holding, die Kolibri Power Systems AG, gegründet. Neben der Entwicklungsgesellschaft DBM zählen auch Produktionsunternehmen zur Holding, in denen über 200 Mitarbeiter mit der Zellfertigung beschäftigt sind. Dem DBM-Geschäftsführer Mirko Hannemann steht seit März 2011 Thomas Röser als Chief Operating Officer zur Seite, der sich insbesondere um die Außendarstellung des 2009 gegründeten Unternehmens kümmert.

Kagermann fordert angemessene Förderung

Prof. Dr. Henning Kagermann, der Vorsitzende des Lenkungskreises der Nationalen Plattform Elektromobilität, hat auf der weltweit größten Industriemesse, die vom 4. bis 8. April 2011 in Hannover stattfindet, klare Worte gefunden. Als Schirmherr des Forums MobiliTec sagte er fünf Wochen vorm Abgabetermin seines zweiten Berichts über das Thema Elektromobilität, es gehe „um mehr als nur um Autos.“ Unter anderem geht es für ihn auch ganz aktuell um die Frage der Herkunft des Stroms. Diesbezüglich zeigte er sich überzeugt davon, dass eine Selbstverpflichtung der Industrie, dass Strom aus erneuerbaren Energie verwendet würde, möglich sein sollte.

Kagermann, der gleichzeitig Präsident der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften acatech ist, erklärte hinsichtlich der Zielsetzung zukünftiger Anstrengungen, dass Deutschland „Schaufenster sein wolle“ und dafür 1 Mio. Elektroautos bis zum Jahr 2020 auf die Straße bringen werde. Den Kritikern, die diese Zahl für zu hoch oder zu niedrig hielten, entgegnete er: „Das ist eine richtige Zahl.“ Und er fügte hinzu: „Wir werden sie nicht erreichen, wenn wir keine angemessene Förderung erhalten.“ Während seiner Ansprache wandte er sich mit Sätzen wie diesem mehrfach direkt an die anwesende parlamentarische Staatsekretärin im Bundesumweltministerium, Ursula Heinen-Esser, und betonte: „Wir erhoffen uns eine Beschleunigung der Förderung.“

Fernerhin kündigte er Kagermann an, dass der zweite Bericht mit Empfehlungen für geeignete Rahmenbedingungen zur Einführung der Elektromobilität in Deutschland am 11. Mai 2011 an die Bundesregierung übergeben werde. Dazu sagte er: „Der erste Bericht wird nicht umgestoßen.“ Er betonte vielmehr: „Deutschland wird eine führende Rolle einnehmen, wenn wir uns an diesen Bericht halten.“