Offener Brief an Greenpeace

Hallo liebe Naturfreunde,

seit langer Zeit bin ich Fördermitglied und Bewunderer von Greenpeace.
Am 18. Februar stand wieder die offizielle Meinung von Greenpeace im HH-Abendblatt bezüglich Elektromobilität. Ich bin traurig darüber, dass Sie wiederholt diese ablehnende Meinung vertreten.
Jedoch, Sie haben Recht. Mit dem Deutschen Strommix stoßen die meisten E-Autos „jetzt“ mehr CO2 aus. Sie haben auch Recht, dass im Verbrennungsmotor noch viel Potenzial steckt. Aber leider fassen Sie die falschen Schlüsse daraus. Der Verbrennungsmotor wird immer CO2 ausstoßen, auch noch in 30 Jahren, auch wenn wir bereits 100 % regenerativen Strom haben. In wenigen Jahren wird regenerativer Strom günstiger produziert werden als konventioneller. Genau dann muss das E-Auto da sein. Das Reduktionspotential ist dann unendlich höher als bei jedem Verbrennungsmotor. Wenn Sie das E-Auto jetzt verteufeln, wird es nicht rechtzeitig zur Verfügung stehen. Behindern Sie bitte nicht die Entwicklung und Motivation, auch wenn sie erst in einigen Jahren die Früchte bringen wird. Die Wende kommt schneller als Sie denken.
Zudem ist der Wandel des Energiesektors auf jeden Fall notwendig und unumkehrbar. Bitte legen Sie vor allem Wert auf die Speicherung von Strom (durch H2, CH4, Redox-Flow, Wärme, Kälte, …). Denn so werden die fluktuierenden regenerativen Stromquellen berechenbar und voll nutzbar. Dabei hilft auch das E-Auto ein wenig. Das sind Synergien, die fossile Energien nie haben können. Die Verfügbarkeit der Stromspeicherung bestimmt das Ausmaß der Regenerativen. Die fluktuierenden Energien plus Speicherung sind die Lösung. Allein diese Kombination kann schnell die altgedienten Monster ersetzen.

Hydrogenics

Desertec, was Greenpeace auch befürwortet, ist eine Totgeburt, ebenso wie CCS. (In 10 Jahren wird niemand mehr so dumm sein, Kohlekraftwerke zu bauen. Auch nicht in China. Sogar der Betrieb der Schwarzen Schleudern wird unrentabel werden.) Beide Technologien kommen zu spät. Beide Technologien sollen von Konzernen umgesetzt werden. Beide Projekte werden Zentralismus zementieren. Beide Projekte werden Gewinne aus der Gesellschaft abziehen und auf wenige Konzerne konzentrieren.
Besonders Desertec wird neue Abhängigkeiten schaffen. Insbesondere in Afrika wird es ein neuer Kolonialismus werden (= Abhängigkeit).
Das alles für läppische 15 % Strom in der EU. Unverantwortlich!

Die Dezentralisierung der Stromerzeugung wird das verhindern. Sei es durch Solarzellen, Solarwärme, Biogas mit BHKWs, Wind, Wasser, Isolierprogramme im Wohnungsbau oder sonst etwas. Auch dies ist unausweichlich und muss daher – aus Sicht der EVU – möglichst lange verhindert werden.
Die EVU haben das schon realisiert und sind im Hintergrund sehr rege – und erfolgreich, siehe „Atomausstieg“, siehe immer schärfere Auflagen für Wind- und Solarenergie (SDL-Bonus), Höhenbegrenzungen für WEA, siehe ungerechtfertigte Strompreiserhöhungen und Schwarzer-Peter-zuschieben auf die Solarzellen, siehe steigende Gewinne, das letzte Aufbäumen bzw. Abräumen.

Ich hoffe, ich konnte Ihnen ein wenig deutlich machen, wohin die Zukunft gehen muss.

Mit freundlichen Grüßen
Michael Artmann

2 Gedanken zu “Offener Brief an Greenpeace

  1. Hallo Sven,

    wer ist denn Herr Artmann, den möchte ich gerne einmal kennenlernen. ER ist bestimmt auf der Hannover Messe. Seinen Brief finde ich nicht nur weitsichtig, sondern auch großartig formuliert. Vielleicht kannst Du uns einmal bekannt machen…

    Beste Grüße
    Günter Siegmund

  2. In diesem Fall verstehe ich Greenpeace auch nicht. Wie stellen die sich denn die Mobilität der Zukunft vor? Sich auf irgendwelche Studien zu berufen, die davon ausgehen, dass für 2020 eMobilität irrelevant ist, scheint mir zu einfach. Natürlich sollten die OEM der Fahrzeugbauindustrie auch bei den herkömmlichen Fahrzeugen anfangen, aber hätten sie es nicht längst machen müssen/können? Passiert doch kaum etwas, weil von oben auch nicht gewollt. Schönen Gruß an alle Lobbyisten. Wer aber gleichzeitig eMobilität nahezu komplett verteufelt, u.a. weil der Einsatz fossiler Energieträger zur Stromgewinnung kontraproduktiv ist, der blockiert aus meiner Sicht unnötig. Umweltschützer täten gut daran, wenn sie ihre ablehnende Haltung überdenken würden. Natürlich sind Elektroautos nur sinnig, wenn Strom aus Erneuerbaren kommt, aber deswegen gegen einen E-Smart zu demonstrieren, ist wie ein Eigentor beim Fußball: der Schuss geht nach hinten los und der Gegner lacht sich ins Fäustchen.
    Jürgen Hüpohl

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