Modellregionen Elektromobilität werden zu Schaufenstern

Von den acht Modellregionen Elektromobilität geht es fast nahtlos über zu fünf Schaufenstern Elektromobilität in Deutschland. Um diesen Übergang von einem Förderprogramm zum nächsten zu erleichtern, wurde die Veranstaltung am 29. und 30. November 2011, die zum Ende des zweijährigen Projekts Modellregionen Elektromobilität in Berlin stattfand, kurzerhand von „Abschlusskonferenz“ in „Ergebniskonferenz“ umbenannt. Es soll also weitergehen mit dem Thema Elektromobilität, auch wenn einige Verantwortliche noch nicht zugeben wollen, dass der bisherige E-Hype bereits an Schwung verliert.

Schätzungsweise 200 Teilnehmer aus den verschiedenen Modellregionen darunter etliche Vertreter der Landespolitik waren in die Bundeshauptstadt gekommen, um dort entweder über Ergebnisse zu berichten oder von diesen zu erfahren. Dabei standen wieder einmal wie schon bei der NOW-Vollversammlung Rainer Bomba und Dr. Klaus Bonhoff im Mittelpunkt des Geschehens und berichteten aus Sicht des Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS) beziehungsweise aus Sicht der Nationalen Organisation Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie (NOW) über das Erreichte.

Allein von den Zahlen her sind die Ergebnisse dieses Förderprojekts beachtlich: 8 Modellregionen mit 220 Einzelprojekten, in die 130 Mio. Euro investiert wurde. Heraus kamen 881 Pkw, 243 Nfz, 59 Busse, über 1.200 Zweiräder, fast 1.100 installierte Ladesäulen und mehr als 2,2 Mio. Fahrkilometer. Insbesondere unter der Berücksichtigung, dass dieses Programm erst 2010 startete, sind in relativ kurzer Zeit bemerkenswert viele Elektrofahrzeuge und eine bedarfsgerechte Infrastruktur auf die Straße gebracht worden. Entsprechend selbstzufrieden zeigten sich die Verantwortlichen in Berlin. Bonhoff konstatierte zwar einerseits: „Wir haben auch erkannt, dass Batterien nicht die Welt retten.“ Gleichzeitig lautete das Fazit des NOW-Geschäftsführers jedoch: „Ziel erreicht.“

Zu den Zielen gehörte beispielsweise, in verschiedenen Regionen durchaus ähnliche Technologien zu testen, weil mit den vermeintlich gleichen Ansätzen bei verschiedenenlokalen Voraussetzungen ganz unterschiedliche Erfahrungen gemacht wurden. Neu war die Erkenntnis, dass die Resonanz in ländlichen Regionen unerwartet hoch ist. Elektrofahrzeuge sind somit nicht nur als Stadtflitzer gefragt, sondern auch als Pendlerfahrzeug. Ein weiteres Ergebnis war, dass insbesondere die gewerbliche Nutzung schon heute interessant ist. Der Betrieb in Flotten sowie beim Carsharing soll daher forciert werden. Als konkretes Beispiel für die Gewerbenutzung erzählte Michael Boddenberg, Hessischer Minister für Bundesangelegenheiten: „Uns berichtete UPS, dass die Fahrer ihre Routen nicht schaffen, weil sie so oft angesprochen werden. Es ist also eine ungeheure Neugier in der Bevölkerung vorhanden.“

Klaus Bonhoff stellte hinsichtlich der aktuellen Lage fest: „Batterieelektrische Mobilität ist heute so nicht im Markt vorhanden.“ Um hier Abhilfe zu schaffen, soll 2012 der Markthochlauf in Angriff genommen. Die Bundesregierung stellt dafür neuerlich 180 Mio. Euro über drei Jahre bereit. Staatssekretär Rainer Bomba ergänzte: „Wir wollen mit qualitativ guten Produkten auf den Markt kommen, wir wollen aber keine Schnellschüsse.“ Als Begründung, warum sich die Regierung jetzt nochmals mit einem Millionenbetrag in diesem Technologiefeld engagiere, sagte er: „Elektromobilität wird kommen. Das Thema ist kein kurzfristiger Trend. Wir sind aber noch ziemlich am Anfang und müssen noch viel tun.“

Deswegen ist die Etablierung von drei bis fünf Schaufenstern Elektromobilität (Bomba: „Eher fünf.“) geplant. Der Startschuss mit der Bekanntgabe der Förderrichtlinien fiel bereits am 12. Oktober 2011. Bis zum 16. Januar 2012 läuft die Bewerbungsfrist. Bomba erklärte: „Wir erwarten mindestens 30 Bewerbungen für die Schaufenster, olympiareife Bewerbungen.“ Bereits im Vorfeld brachten sich dafür die in Frage kommenden Regionen in Stellung. So verkündete Harry K. Voigtsberger, Wirtschaftsminister von Nordrhein-Westfalen: „NRW will sich mit 250.000 Fahrzeugen an den 1 Mio. Elektrofahrzeugen bis 2020 beteiligen.“ Auch Staatssekretär Hartmut Fiedler vom sächsischen Wirtschaftsministerium beteuerte: „Wir sind fest entschlossen, als Freistaat Sachsen auf dem Zukunftsmarkt der neuen Mobilität in Deutschland eine führende Stellung einzunehmen.“ Bomba räumte zwar ein, dass es auch eine Rolle spiele, was die Länder mit einbringen, wie also die Mitgift ist, noch wichtiger sei aber die Story: „Jetzt muss etwas Besonderes kommen, das Hand und Fuß hat.“

Aber auch die Regionen, die im März 2012 nicht als Schaufenster ausgewählt werden, sollen die angeschafften Fahrzeuge inklusive der Infrastruktur weiterhin nutzten können. „Insgesamt“, so hieß es vom BMVBS, „soll die Forschung und Entwicklung für Elektromobilität nach Auslaufen des Konjunkturpakets II mit einer weiteren Milliarde Euro bis Ende 2013 gefördert werden.“

Auf die Nachfrage von der HZwei-Redaktion, ob die Regierung auf ein abnehmendes Interesse am Thema Elektromobilität vorbereitet sei, sagte der BMVBS-Staatssekretär: „Wir erwarten den Rückgang dieses Hypes nicht. Wenn er am Horizont zu sehen wäre, würden wir uns mit aller Kraft dagegen stellen.“ […] „Wir werden keinen Millimeter weichen.“ Auch Voigtsberger zeigte sich trotz erster Meldungen über das Ende des E-Mobilitäts-Hypes optimistisch: „Wir werden in Kürze erste Fahrzeuge haben und dann wird es hier richtig losgehen.“

Weitere Details folgen in der Print-Ausgabe der HZwei im Januar 2012.