Große Investments im H2-Sektor

Maros
Maroš Šefčovič, EU-Kommissar für die Energieunion (l.)

Tobias Renz konnte in diesem Jahr während der Hannover Messe einen kleinen Rekord feiern: Mit insgesamt 160 Ausstellern aus 25 Ländern gab es so viele Stände wie noch niemals zuvor auf dem von ihm organisierten Gemeinschaftsstand Wasserstoff + Brennstoffzellen + Batterien. Mit ein Grund für diesen Erfolg dürfte die rege Teilnahme aus den USA mit allein 21 Vertretern gewesen sein. Die Vereinigten Staaten von Amerika waren dieses Mal Partnerland der weltweit größten Industrieschau, weshalb es am Vormittag des ersten Veranstaltungstages aus Sicherheitsgründen etliche Komplikationen auf dem Messegelände gab, als US-Präsident Barack Obama zur Eröffnung den traditionellen Rundgang mit Bundeskanzlerin Angela Merkel antrat.

Die Stimmung in der Energy-Halle 27 war in diesem Jahr insgesamt neutral bis zuversichtlich und damit weitaus besser als noch in den vergangenen Jahren, in denen sie zeitweise zwischen Resignation und Ungeduld hin und her wechselte. Durchaus positive Rückmeldungen waren beispielsweise von der Brennstoffzellen-Zulieferindustrie zu hören, die inzwischen in einigen Bereichen recht hohe Stückzahlen fertigt und ausliefert. So berichtete die borit Leichtbau-Technik GmbH, dass ihre Produktionskapazität mit 100.000 Bipolarplatten im Jahr derzeit ausgelastet ist. Allerdings ist aktuell nicht ersichtlich, wo genau all diese Platten verbaut werden. Selbst mit der Zusatzinformation, dass rund 400 Stück pro Stack benötigt werden, bleibt die Frage offen, wer all diese Stacks einsetzt. Bislang ist nur klar, dass vorrangig der Automotivsektor als Abnehmer fungiert und etliche Platten für die vielen verschiedenen Tests benötigt.

Insgesamt erschienen 5.200 Aussteller aus 75 Ländern auf der Hannover Messe. Gemeinsam belegten sie fünf Prozent mehr Fläche als im Vergleichsjahr 2014.

DOE fördert BZ-Technik seit 1970

Zur Würdigung des Partnerlandes USA hatte auch Tobias Renz einen US-amerikanischen Gast bei sich im Public Forum aufs Podium geladen. Dr. Sunita Satyapal, Direktorin für Fuel Cell Technologies beim US Department of Energy (DOE), berichtete während der Pressekonferenz am ersten Messetag unter anderem, dass die Brennstoffzellenaktivitäten in den Vereinigten Staaten bereits in den 1970er Jahren im Los Alamos National Laboratory, einer Forschungseinrichtung der US-amerikanischen Regierung in New Mexico, begonnen hätten. Im Jahr 2009 habe dann das DOE eine Initiative speziell für Material-Handling- und Backup-Systeme gestartet, weshalb heute – anders als in Europa – in Nordamerika insbesondere brennstoffzellenbetriebene Niederflurzeuge relativ weit verbreitet sind. Mikro-KWK-Systeme mit Brennstoffzellen seien dort hingegen nicht wirklich ein Thema, auch wenn sie in Japan bereits zigtausendfach installiert werden (s. auch S. 10). Die meisten Aktivitäten im BZ-Sektor gibt es sicherlich in Kalifornien, berichtete Satyapal weiter und ergänzte, dass auch auf Hawaii viel passiere.

Abb. 2: Obama fand zwar nicht den Weg bis zur Halle 27, aber dafür erschien der französische Wirtschaftsminister Emmanuel Macron auf dem Gemeinschaftsstand

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NEL investiert in H2 Logic

Stark vertreten war auch Norwegen mit insgesamt acht Institutionen auf seinem Gemeinschaftsstand. Mit dabei war unter anderem wieder NEL Hydrogen, das 2015 zu 100 Prozent den dänischen Anbieter von Wasserstofftankstellen H2 Logic A/S für 34,3 Mio. Euro übernommen hatte. Die aus Norsk Hydro hervorgegangene NEL ASA, in der H2 Logic mit seinem bisherigen Management und auch mitsamt all seinen Mitarbeitern als Tochterunternehmen weitergeführt wird, entwickelt sich damit vom Elektrolyseurhersteller hin zu einem weltweit führenden Anbieter von Wasserstofftankstellen. Dementsprechend hatte NEL Anfang April 2016 verkündet, am H2-Logic-Geschäftssitz in Herning eine neue Produktionsstätte für H2-Stationen aufbauen zu wollen. Die Fabrik, in die NEL rund 9 Mio. Euro investiert, soll eine ausreichende Kapazität aufweisen, um jährlich 200.000 neue Brennstoffzellenfahrzeuge mit Wasserstoff versorgen zu können: Nach dem Ramp-up sollen dort 300 H2Station® pro Jahr produziert werden können.

RGH2 kooperiert mit TU Graz

Ein interessanter neuer Player, der sich erstmals der Öffentlichkeit präsentierte, war die Rouge H2 Engineering GmbH (RGH2). Das in Graz ansässige Unternehmen ist spezialisiert auf Energiespeicherung. Ihr Konzept sieht vor, Dampfreformer direkt an Tankstellen zu installieren, um vor Ort (onsite) Wasserstoff aus Biogas zu erzeugen und somit den aufwändigen H2-Transport zu umgehen. RGH2 greift dafür auf das Know-how von Prof. Viktor Hacker, Leiter der BZ-Gruppe an der TU Graz, und auch von AVL zurück. Das Besondere an ihrem Reformer ist, dass alle wichtigen Bestandteile (H2-Erzeugung, -Speicherung, -Abgabe) in einer Einheit zusammengefasst werden. Aus Gas verschiedenster Herkunft kann auf diese Weise Wasserstoff hergestellt werden, der dann in einer metallhaltigen „Kontaktmasse“ gespeichert und nach der Erwärmung wieder freigesetzt werden kann. Heraus kommt dann H2-Gas bei einem vergleichsweise hohen Druck von 40 bis zu 100 bar.

Bei der „Kontaktmasse“ handelt es sich nach Auskunft von Hacker…

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Von Hofer sagte HZwei zudem, dass er bewusst die Hannover Messe als erste Veranstaltung und speziell den Gemeinschaftsstand von Tobias Renz als Plattform gewählt habe, um dieses Konzept erstmals vorzustellen. Nach einem Vergleich mit zahlreichen anderen Events sei er überzeugt gewesen, dass genau hier sein Zielpublikum zu finden sei. Für ihn ist die Hannover Messe die „qualifizierteste Veranstaltung“. Und tatsächlich zeigte er sich äußerst zufrieden – sowohl mit seinem Stand als auch mit dem Interesse seitens der Besucher („großartige Betreuung, da stimmt alles“).

AVL und Greenlight kooperieren

AVL List und Greenlight Innovation nutzten ihre Präsenz auf der Messe und gaben bekannt, dass sie eine gemeinsame …

Ross Bailey, CEO von Greenlight Innovation, erklärte: „Greenlight hat 25 Jahre Erfahrung auf dem Gebiet der Brennstoffzellen- und Wasserstoffindustrie, AVL mehr als 65 Jahre Erfahrung in der Antriebsstrangentwicklung. Mit diesem vereinten Know-how wird es uns gelingen, Prüftechnik und Dienstleistungen für Brennstoffzellen anzubieten, die als best-in-class bezeichnet werden können.“ Weiter sagte er: „Wenn ein Unternehmen wie AVL ein Bekenntnis zu dieser Technologie abgibt, ist dies ein Signal für die Welt, dass Brennstoffzellenfahrzeuge Realität werden können.“

Neuordnung bei Hochdruckspeichern

Neuigkeiten gibt es auch aus dem Hochdruckspeichersektor: Nachdem bereits vor vier Jahren der deutsche Hersteller von Composite-Behältern Dynetek nach wirtschaftlichen Problemen von dem britischen Unternehmen Luxfer übernommen worden war, meldete am 23. März 2016 auch der kalifornische Mitbewerber Quantum Insolvenz an (Chapter 11 im US-Recht) und sucht seitdem nach einem Übernahmekandidaten. Weniger Probleme scheint xperion Energy & Environment zu haben, jedenfalls präsentierten sich die Kasseler zum ersten Mal in Hannover. Das zur Avanco Gruppe gehörende Unternehmen ist spezialisiert auf Typ-4-Composite-Hochdruckbehälter und beschäftigt derzeit rund 150 Mitarbeiter im Erdgas- und Wasserstoffbereich.

MobiliTec weiter rückläufig

Das Thema Elektromobilität war dieses Mal weniger stark präsent als in der Vergangenheit. Beim Ride&Drive gab es anders als noch in den Vorjahren nur BZ-Autos für Probefahrten, keine batteriebetriebenen. Zudem standen in Halle 27 deutlich weniger E-Fahrzeuge als in den Vorjahren. Während es im Vergleichsjahr 2014 noch 154 Aussteller auf knapp 4.000 m² waren, erschienen in diesem Jahr 120 Aussteller auf 2.000 m². Dafür ging es verstärkt um die Digitalisierung der Mobilität. So erklärte der NPE-Vorsitzende Prof. Henning Kagermann zur Eröffnung des MobiliTec-Forums: „Die Zukunft der Mobilität ist vernetzt, elektrisch und automatisiert. […] Wenn wir mal autonomes Fahren haben, kann das nur elektrisch sein. […] Irgendwann zwischen 2020 und 2030 wird sich Elektromobilität gegenüber konventionellen Antrieben schließlich durchsetzen.“

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