DWV plant Einsatz grünen Wasserstoffs in Raffinerien

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Raffinerie HyCO4 in Rotterdam

Der Deutsche Wasserstoff- und Brennstoffzellen-Verband e.V. hat zum Jahresauftakt erstmals zu einem H2-Wirtschaftsgespräch in die Bundeshauptstadt eingeladen. Am 18. Februar 2016 trafen sich in Berlin etwa 50 Vertreter aus Politik und Wirtschaft in der Botschaft der Niederlande und diskutierten gemeinsam mit Bundesumweltministerin Dr. Barbara Hendricks über „grünen Wasserstoff“. Nachdem der DWV bereits im November 2015 einen parlamentarischen Abend in der britischen Botschaft veranstaltet hatte (s. HZwei-Heft Jan. 2016), probierte der in diesem Jahr 20-jähriges Jubiläum feiernde Verein bei dieser Veranstaltung ein neues Gesprächsformat aus und konnte angesichts der guten Ergebnisse eine positive Bilanz ziehen.

Monique van Daalen, die Botschafterin der Niederlande in Deutschland, war bereits im Oktober 2015 während der World of Energy Solutions gemeinsam mit ihrer Wirtschaftsdelegation mit der deutschen Wasserstoff- und Brennstoffzellenbranche in Kontakt getreten. Ganz im Sinne einer guten Zusammenarbeit hatte sie dabei sogleich offenherzig ihre Bereitschaft bekundet, diese Gesprächsrunde in ihrem Berliner Domizil auszurichten.

Die deutsche Umweltministerin hob in ihrer Rede die guten Eigenschaften von Wasserstoff zur Energiespeicherung hervor und distanzierte sich gleichzeitig angesichts der seit mehreren Jahren teils sehr heftig geführten iLUC-Debatte von reinen Biokraftstoffen. iLUC steht für „indirekte Landnutzungsänderung“ (indirect Land Use Change). Hendricks sagte sehr deutlich: „Ich möchte weg von der Anbaubiomasse. Ich glaube, dass wir andere, bessere Kraftstoffe brauchen.“

Gesprächsbereitschaft
In der anschließenden Gesprächsrunde kristallisierte sich schnell die aktuelle EU-Gesetzgebung als Kernthema heraus. So stimmte Dr. Ruprecht Brandis, Direktor für externe Angelegenheiten beim Mineralölkonzern BP Europe, den Äußerungen von Ministerin Hendricks zu, dass „gemischte Erfahrungen mit Biokraftstoffen in den vergangenen Jahren“ gemacht worden seien („Biokraftstoffe werden nicht in den Himmel wachsen“). Brandis sagte weiter: „Unser Anliegen ist, grünen Wasserstoff auf die Biokraftstoffquote anrechnen zu können.“ …

Dr. Tudor Constantinescu, der für Energiefragen zuständige Berater der Europäischen Kommission, stellte daraufhin in Aussicht, dass Wasserstoff in Zukunft eine wichtige Rolle insbesondere in den Bereichen Dekarbonisierung, Effizienzsteigerung sowie Forschung und Entwicklung spielen könnte…

DWV-Forderungen
1. Die Verwendung von strombasierten Kraftstoffen…
2. Ab 2017 soll die Verpflichtung zur Einführung der zweiten Generation von Biokraftstoffen inkl. der dazugehörigen strombasierten Kraftstoffe bzw. Wasserstoff explizit dafür vorgesehen werden…
3. Die Anlagen zur Erzeugung strombasierter Kraftstoffe sind als Anlagen des §64 EEG einzustufen…

Gesprächsbereit zeigte sich auch Ministerialdirigent Dr. Norbert Salomon vom BMUB, indem er feststellte: „Bei uns müssen Sie keine offenen Türen einrennen. […] Fachlich haben wir hier keinen Dissens. […] Wir brauchen Wasserstoff in Raffinerien.“ Allerdings gab er zu bedenken, dass die Mineralölwirtschaft lange Zeit uneins darüber gewesen sei, wie der Einsatz von grünem Wasserstoff in Raffinerien bewertet werden sollte. Er sagte: „Mittlerweile spricht die Mineralölwirtschaft mit einer Stimme, das war nicht immer so.“

Grundsätzlich bestätigte er, dass es tatsächlich noch EU-rechtliche Hindernisse gibt. Er sagte: „Es ist sehr genau geregelt, dass Wasserstoff nicht für Raffinerien genutzt werden darf.“ Hier müsse die EU-Kommission einer Änderung zustimmen. Als dann Constantinescu signalisierte, dass die Europäische Kommission offen für Vorschläge aus den Mitgliedsstaaten ist („good will exists“), schaltete sich Dr. Oliver Weinmann, Geschäftsführer von Vattenfall Europe Innovation, ein. Er fasste zusammen, dass es anscheinend nur um die Änderung eines Tabellenwertes im aktuellen Gesetz ginge, dass dieser Wert aber leicht über die Einreichung einer entsprechenden Verordnung angepasst werden könnte.
Daraufhin verlieh der DWV-Vorsitzende Werner Diwald seiner Hoffnung Ausdruck, dass bis zum Sommer 2016 ein konkreter Vorschlag für die einzubringende Verordnung ausgearbeitet würde, damit diese Angelegenheit noch vor der Bundestagswahl 2017 geklärt wird.

Green washing?
Nach dem offiziellen Teil kam während der zahlreichen weiteren Gespräche unter anderem die Frage auf, was die Vor- und Nachteile von „grünem Wasserstoff in Raffinerien“ seien. Während dies für die einen die Aussicht auf einen lukrativen Business Case darstellt, sehen hier andere eher die Gefahr, dass sich die Mineralölwirtschaft mit „sauberem“ Wasserstoff einer neuen Form des „green washings“ unterziehen könnte. Für den DWV überwiegen indes die Vorteile, dass „kurzfristig ein Geschäftsmodell entwickelt werden kann…

Ob diese Einzelmaßnahme also insgesamt der H2-Wirtschaft auf die Sprünge helfen oder eher schaden wird, muss die Zukunft zeigen und kann dann eventuell im Rahmen eines folgenden H2-Wirtschaftsgesprächs diskutiert werden.

Weiterlesen in der gedruckten April-Ausgabe der Zeitschrift HZwei

1 Gedanke zu “DWV plant Einsatz grünen Wasserstoffs in Raffinerien

  1. Solange „grüner“ Wasserstoff aus Strom teurer ist als Wasserstoff aus Erdgas, hat er keine Chance – es sei denn, er wird subventioniert. Aber was wollen wir denn noch alles subventionieren ? Wir müssen ja sogar Kraftwerke subventionieren, weil sie unwirtschaftlich sind, wenn sie nur bei Dunkelheit und Windflaute als Lückenbüßer eingesetzt werden.

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