Frankreich auf dem Weg zur Energiewende

Francois Hollande
Francois Hollande

Obwohl während der Weltklimakonferenz COP21 Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie nicht explizit auf der Agenda standen, so ist davon auszugehen, dass viele der rund 40.000 Teilnehmer (von Regierungsvertretern über Wirtschaftsverbände und Gewerkschaften bis hin zu Umweltorganisationen und kirchlichen Einrichtungen) inzwischen ein grundsätzliches Verständnis für diese Technologie und ihr Potenzial im Kampf gegen den Klimawandel entwickelt haben.

Die vertragliche Berücksichtigung von regenerativ erzeugtem Wasserstoff und seine Nutzung in hocheffizienten Brennstoffzellensystemen zugunsten einer weltweit nachhaltigeren und klimafreundlicheren Energieversorgung und Mobilität sind bis auf weiteres nicht zu erwarten. Dafür sind die Interessenlagen sowie die politischen, technischen und gesellschaftlichen Voraussetzungen in den 195 UN-Mitgliedstaaten viel zu unterschiedlich. Dennoch, in den Industrienationen nimmt der politische und gesellschaftliche Druck, Lösungen zu entwickeln, zu.

Auch in Frankreich, dem Land des Atomstroms, zeichnet sich ein Wandel beim Thema Energieversorgung ab. Unter Präsident François Hollande hat die französische Regierung seit 2013 verschiedene Initiativen gestartet und Gesetzesänderungen auf den Weg gebracht, die die Wirtschaft des Landes zukunftsfähig und den kompletten Energiesektor „grüner“ machen sollen.

Re-Industrialisierung und erneuerbare Energien
Die nationale Strategie zur Re-Industrialisierung Frankreichs (Nouvelle France Industrielle, NFI), die die französische Regierung bereits 2013 auf den Weg gebracht hat, setzt unter anderem einen Schwerpunkt auf umweltfreundliche Mobilität. Den Themen Batterie und Wasserstoff wird darin eine zentrale Rolle zugewiesen. Unter anderem werden darin folgende konkreten Ziele definiert: Aufbau von 20.000 zusätzlichen öffentlichen Ladepunkten für batterieelektrische Fahrzeuge bis Ende 2016; Verringerung der CO2-Emissionen um 30 Prozent bei Neufahrzeugen, die in Frankreich bis 2021 produziert werden; Aufbau von zwei Industriezentren für Batterien und Wasserstoff bis 2017 sowie die Schaffung von bis zu 25.000 Arbeitsplätzen bis zum Jahr 2030 im Bereich Energiespeicherung.

Im Frühjahr 2015 wurde darüber hinaus das Gesetz zur Energiewende (La Loi de Transition Énergétique) verabschiedet, in dem Wasserstoff als wesentlicher Energieträger und -speicher innerhalb eines auf erneuerbaren Energien basierenden Energiesystems definiert wurde. Mit diesem Gesetz hat Frankreich auch den Grundstein für den Auf- und weiteren Ausbau der Wasserstoffinfrastruktur gelegt. Die Pläne dafür hat das Konsortium H2 Mobilité France inzwischen vorgestellt. Dieses Konsortium besteht aus französischen Partnern aus der Industrie, der Wissenschaft, den Kommunen sowie dem nationalen Wasserstoffverband AFHYPAC (Association Français pour l‘Hydrogène et Piles à Combustible) und dem europäischen FCHJU. Gefördert und unterstützt wird das Konsortium durch das französische Umweltministerium und die französische Umwelt- und Energieagentur ADEME.

Frankreich baut H2-Cluster
Die Pläne für den H2-Infrastrukturausbau basieren auf den Ergebnissen und Erfahrungen, die Frankreich zwischen 2012 und 2014 im Rahmen des europäischen HIT-Projekts (Hydrogen Infrastructure for Transport) zusammen mit Schweden, Dänemark und den Niederlanden gemacht hat. Alle vier Länder haben nationale Aufbaupläne für Wasserstoffinfrastrukturen entwickelt, die im Rahmen des Projektes abgestimmt und synchronisiert wurden, um einen koordinierten, grenzüberschreitenden H2-Tankstellenaufbau entlang der Hauptverkehrsachsen in Europa zu ermöglichen.

Frankreich hat für seinen nationalen Aufbauplan aus wirtschaftlichen Erwägungen einen Cluster-Ansatz gewählt. Dies bedeutet, dass erst in einzelnen Städten und Ballungszentren Tankstellen installiert werden, die zunächst vorwiegend zur Versorgung lokaler und regionaler Fahrzeugflotten dienen. Als Ausgangs-Cluster wurden die Regionen Normandie, Rhône-Alpes und Franche-Comté definiert. Die Tankstellen in den Clustern werden dann in einem zweiten Schritt über Korridore entlang zentraler Verkehrsachsen miteinander verbunden. Dabei wird auch die wasserstofftechnische Anbindung an die Nachbarländer berücksichtigt.

Elektroautos mit BZ-Range-Extender
Um Kosten und Risiko für die Flottenbetreiber zu reduzieren, kommen batterieelektrische Fahrzeuge wie beispielsweise der Renault Kangoo ZE zum Einsatz. Sie werden mit einem Range-Extender-System auf Brennstoffzellensystembasis des französischen Herstellers Symbio FCell ausgestattet, um so ihre Reichweite zu vergrößern. Die Fahrzeugkosten bleiben so niedriger als bei rein brennstoffzellenelektrischen Fahrzeugen, da Brennstoffzellensystem und Wasserstofftank nicht so groß ausgelegt werden müssen. Dies gilt auch für die Infrastrukturkosten, weil für den Clusterbetrieb vorerst kleinere Tankstellen ausreichen. Hauptpartner und größter Flottenbetreiber ist die französische Post La Poste.

Die nationale Planung sah für Frankreich 2015 den Aufbau von 15 H2-Tankstellen und den Betrieb von 200 Fahrzeugen vor… (Weitere Details stehen im HZwei Januar-Heft)

Autorin: Alexandra Huss

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