H2IntraDrive – Erprobung von BZ-Niederflurzeugen

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„Steig auf und fahr los.“

Die Ergebnispräsentation des Projekts H2IntraDrive war Vertriebsaktion und Pressekonferenz – alles in einem. Am 23. November 2015 trafen sich sowohl die Projektpartner als auch Vertreter potentieller neuer Partner sowie einige Pressevertreter im BMW-Werk in Leipzig und schauten sich die Ergebnisse von zwei Jahren Entwicklungsarbeit an. Der wesentliche Erkenntnisgewinn war: Brennstoffzellen-Niederflurzeuge können unter ganz bestimmten Bedingungen auch in Deutschland heute schon wirtschaftlich betrieben werden.

Die wichtigsten Informationen präsentierte Robert Micheli, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Fördertechnik Materialfluss Logistik der Technischen Universität (TUM), erst am Ende der Veranstaltung. In einem professionell vorgetragenen Ergebnisreferat erläuterte er Vorgehensweise, Bewertungskriterien und ökologische Aspekte, bevor er feststellte, dass brennstoffzellenbetriebene Gabelstapler und Schlepper durchaus marktfähig sind und auch „bereits heute ohne Förderung wirtschaftlich sein können“.

Gestartet war das H2IntraDrive-Projekt, das über das Nationale Innovationsprogramm Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie (NIP) mit 2,9 Mio. Euro gefördert wurde, im Dezember 2013 (s. HZwei-Heft Jan. 2014) – zunächst allerdings im Testbetrieb. Der Serieneinsatz folgte 2014. Damals gingen fünf Gabelstapler (Typen: Linde E35 HL und E25 HL) sowie sechs Routenzugschlepper, alle mit reinem Wasserstoff betrieben, im Produktionswerk der BMW Group in Betrieb. Hier in Leipzig, wo vornehmlich innovative Imageträger von rund 5.000 Arbeitern produziert werden (neben dem 2er werden täglich 100 i3– sowie 20 i8-Exemplare hergestellt), war zunächst eine H2-Betankungsstation installiert worden, um den Einsatz von BZ-Niederflurzeugen in der Intralogistik erproben zu können. Linde Material Handling (MH) zeichnete hierbei für die Antriebsentwicklung sowie den Fahrzeugumbau verantwortlich, während der Lehrstuhl fml der TU München die wissenschaftliche Begleitforschung durchführte.

22.000 Betriebsstunden
Basis der Versuchsobjekte waren handelsübliche Elektrostapler beziehungsweise -schlepper, die für H2IntraDrive umgerüstet und über die Laufzeit des Projekts weiterentwickelt wurden. So wurden bei zwei Schleppern Brennstoffzellen von Fronius und bei vieren Aggregate von HyPulsion eingebaut. Die Stapler verfügen allesamt über HyPulsion-Aggregate. Der von ihnen benötigte Wasserstoff wurde dreimal monatlich per Sattelschlepper von der nahegelegenen Dampfreformeranlage der Linde Gas AG in Leuna antransportiert. Gemeinsam kamen die elf Flurförderzeuge auf über 20.000 Betriebsstunden. Insgesamt wurde 4.200 kg Wasserstoff umgesetzt.

Als wesentliche Vorteile von BZ-Flurförderzeugen gegenüber batteriebetriebenen Modellen gelten die einfachere Handhabung sowie die schnellere Betankung. Anders als bei Akkus muss beispielsweise bei Brennstoffzellen kein Säurestand kontrolliert werden. Zudem müssen keine Wechselakkus bevorratet und langwierig aufgeladen werden und auch keine Hubeinrichtungen, Notfallduschen usw. vorhanden sein. Eine Betankungsstation für Wasserstoff ist vergleichsweise platzsparend und die Befüllung ist schnell erledigt (Stationsgröße: 15 m2; s. Tab.). Nachteilig sind immer noch hauptsächlich die hohen Kosten – sowohl für die BZ-Systeme als auch für deren Wartung sowie die H2-Infrastruktur.

Großes Informationsdefizit
Eine große Mehrheit von 93 % der insgesamt 109 Branchenexperten, die von TUM-Mitarbeitern im Sommer 2015 befragt wurden, sieht dementsprechend klare Vorteile bei der Verwendung eines Wasserstoffantriebs…

Keine Frage!
Auf die Frage von HZwei, welche Technologie er denn bevorzugen würde, antwortete Jens Markert, Staplerfahrer bei BMW: „Keine Frage – Brennstoffzellen, weil die einfacher zu bedienen sind. Ich steig‘ einfach auf und fahr‘ los.“ …

Ergebnisauswertung
Insgesamt wurden in Deutschland zuletzt 16 BZ-Niederflurzeuge betrieben (elf bei BMW, 2 bei Mercedes, 3 bei Hoppecke) …

Den kompletten HZwei-Bericht lesen Sie im Januar-Heft 2016.

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