Weiterführung der H2- und BZ-Förderung gefordert

NIP-Strategiepapier-2013-webNach einhelliger Meinung von Vertretern der Wasserstoff- und Brennstoffzellen-Branche ist es allerhöchste Zeit, um über die Weiterführung des Nationalen Innovationsprogramms Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie (NIP) zu diskutieren. Aus diesem Grund legte die Nationale Organisation Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie (NOW) Mitte Juli 2013 ein neues Strategiepapier vor, in dem die Förderung der Markteinführung von H2- und BZ-Technologie mit öffentlichen Geldern gefordert wird.

Während der diesjährigen Vollversammlung des Nationalen Innovationsprogramms Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie (NIP), die am 17. und 18. Juni mit über 300 Teilnehmern in Berlin stattfand, sprachen sich alle Beiratsmitglieder für die Weiterführung der Unterstützung der H2- und BZ-Technologie aus. Die anwesenden Programmkoordinatoren und Projektleiter zogen allesamt eine positive Bilanz der bisherigen Aktivitäten, die im Rahmen des NIP mit insgesamt 700 Mio. Euro gefördert werden. Dr. Klaus Bonhoff, Geschäftsführer der NOW, stellte dazu fest: „Es ist gelungen, zentrale Produkte der Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie technisch marktfähig zu machen. Die Branche steht deshalb jetzt vor der Aufgabe der Marktaktivierung, die gemeinsam von Politik und Industrie gestaltet werden muss. […] Den Akteuren aus Industrie und Wissenschaft und insbesondere der mittelständischen Zulieferindustrie muss auch weiterhin ein verlässlicher Rahmen für Forschung und Entwicklung gegeben werden.“

Hydrogenics

Als nächsten Schritt forderten die Anwesenden geeignete Maßnahmen, um die H2- und BZ-Technologie erfolgreich in den Markt bringen zu können, damit die Wertschöpfung gesteigert, neue Arbeitsplätze geschaffen und die Energieimporte reduziert werden. Dementsprechend sagte Dr. Veit Steinle vom Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung ganz deutlich: „Ich bin der Meinung, dass wir eine Weiterführung des NIP brauchen.“ Sein Kollege vom BMWi, Dr. Georg Menzen, ergänzte: „Wir brauchen eine ganz hohe Kontinuität.“ Prof. Dr. Werner Tillmetz, der neben Dr. Menzen Vorsitzender des NOW-Beirats ist, forderte insbesondere eine intensivere Förderung der Zulieferindustrie. Nur so könnte seiner Meinung nach das Ziel erreicht werden, bis 2025 rund 500.000 Brennstoffzellen-Pkw und 500 Wasserstofftankstellen sowie über 500.000 BZ-Heizgeräte in Deutschland zu haben.

Kurz nach der NIP-Vollversammlung legte die NOW ihr neues Strategiepapier zur „Weiterentwicklung des Nationalen Innovationsprogramms Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie (NIP)“ vor. Darin geht es um „die zweite Etappe bis zum kommerziellen Marktdurchbruch“, also um die Zeit nach 2016, wenn das aktuell noch laufende NIP endet. Konkret heißt es in diesem Papier: „Die Vertreter von Wirtschaft, Wissenschaft und der Länder im Beirat der NOW empfehlen eine Weiterentwicklung des NIP. Über die inhaltliche Ausrichtung sowie Art und Umfang der benötigten Mittel und Instrumente ist dabei jetzt zu entscheiden, um einen konkreten Anschluss an das laufende Programm zu gewährleisten und im internationalen Markt nicht an Wettbewerbsfähigkeit zu verlieren.“ Nach Einschätzung der Autoren sind für den Zeitraum von 2016 bis 2023 finanzielle Mittel in Höhe von etwa 3,9 Mrd. Euro zur Verstetigung der Forschung und Entwicklung bis zur vollständigen Marktreife der H2- und BZ-Technologie erforderlich, wobei der überwiegende Anteil (ca. 2,3 Mrd. Euro) von der Industrie getragen wird. Den Bedarf an öffentlichen Mitteln bis 2023 beziffern die Autoren auf 1,6 Mrd. Euro (jährlich ca. 160 Mio. Euro).

NIP-Strategiepapier, Juni 2013, Berlin: Download

Vortrag von Prof. Tillmetz, NIP-Vollversammlung, Juni 2013: Download

Daimler will 100.000* BZ-Autos bauen
Prof. Dr. Herbert Kohler, Leiter Konzernforschung bei Daimler, betonte während der NIP-Vollversammlung die große Bedeutung der Komponentenlieferanten, indem er feststellte: „Der ‚große dicke Daimler’ ist ohne die Zulieferer gar nichts.“ Zudem nutzte er die Gelegenheit, um die Konzernstrategie seines Hauses kundzutun: Demnach plant der Stuttgarter Autobauer zusammen mit Nissan und Ford ab 2017 mit Stückzahlen von BZ-Fahrzeugen jenseits der 100.000. Auf Nachfrage der HZwei-Redaktion konkretisierte Kohler diese Zahl, dass dann innerhalb von drei bis fünf Jahren 500.000 Fahrzeuge gebaut werden sollen. Auch über das anvisierte Fahrzeugmodell ließ er sich ein Statement entlocken. Kohler sagte: „B- oder C-Segment, in der Größenordnung.

*: Nachtrag vom 30.07.2013: Seitens der Daimler-Presseabteilung wurde heute die Angabe „innerhalb von drei bis fünf Jahren 500.000 Fahrzeuge“ dementiert. Stattdessen hieß es, man habe sich mit Nissan und Ford darauf verständigt, ab 2017 „um die 100.000 Fahrzeuge im Lebenszyklus des Modells produzieren zu wollen. Weiter hieß es, das „soll eine Großserie sein“.

3 Gedanken zu “Weiterführung der H2- und BZ-Förderung gefordert

  1. Wer die Entwicklungen und Versprechungen rund um BZ in den letzten 2 Jahrzehnten beobachtet, kann den für die Zukunft genannten Stückzahlen keinen Glauben mehr schenken!
    Die Politik täte gut daran, die Hersteller viel stärker selbst zu fordern, denn wenn diese wirklich selbst an ihre eigenen Aussagen glauben, werden sich die Investitition in die Entwicklung ja ohne Probleme auszahlen. Glauben sie selbst nicht daran…
    Bei der derzeitigen, auf niedrige Energiepreise beschränkten Diskussion in der Politik, sehe ich jedenfalls eher geringe Chancen für eine weitere „teure“ Technologie.

  2. 700 Mio. sind eine beachtliche Menge Geld und ich hoffe doch mal stark, dass die zur Marktaktivierung reichen. Wäre schön, wenn es klappen würde und dadurch auch Arbeitsplätze geschaffen werden würden.

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